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KI-Expertin im Gespräch : Ist es falsch, Robotern zu vertrauen?

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Der Mensch will im künstlichen Gegenüber immer das Menschliche entdecken – und sieht es auch dort, wo es nicht ist. Bild: Daniel Zender

Der Laie sieht menschenähnliche Bewegungen – und schreibt dem Roboter deshalb auch menschenähnliche Fähigkeiten zu. Warum er die noch lange nicht haben wird, erklärt KI-Expertin Julie Carpenter im Interview.

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          Frau Carpenter, Sie haben nachgewiesen, dass wir Menschen rasch dazu neigen, Robotern und künstlicher Intelligenz menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Warum ist das so?

          Es ist Teil unserer DNA: Wir Menschen neigen dazu, in der Interaktion mit etwas Unbekanntem wie etwa einem Roboter, egal ob dieser nun humanoid ist oder nicht, auf das zurückzugreifen, was wir aus Science-Fiction-Filmen zu wissen glauben. Wir stellen uns etwa vor, dass Roboter natürliche Sprache verstehen, also erkennen können, was eine Frage und was eine Aussage ist. Wir gehen von dem aus, was uns selbst am nächsten ist. Das liegt in der Natur des menschlichen Wesens. Meine Recherche hat ergeben, dass das selbst hochgradig trainiertem und spezialisiertem Personal in militärischen Einsätzen passiert.

          Wir erwarten von Computern, dass sie sich ähnlich wie Menschen verhalten?

          Ja. Wir haben gesehen, dass jede Art von menschlich anmutender KI, die sich eigenständig bewegt, dazu führt, dass wir Menschen ihr Intelligenz und autonome Handlungsmacht zuschreiben. Es scheint für uns das Einfachste zu sein zu verstehen, wie sich der Roboter „verhält“, statt bei jedem Schritt zu raten, was er als Nächstes tun wird. Wir versehen den Roboter mit einem menschenähnlichen Narrativ, weil es für uns das Naheliegende ist.

          Es ist absehbar, dass Roboter und künstliche Intelligenz in Zukunft ein selbstverständlicher Teil unseres sozialen Lebens werden. Was würde das bedeuten, und welche Konsequenzen hätte es?

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          Ich glaube, damit das funktionieren kann, ist es unabdingbar, neue soziale Normen und Kategorien zu entwickeln, wie wir mit den Robotern umgehen, und verbindlich festzulegen, welche sozialen und ethischen Grundsätze für unser Leben mit ihnen gelten. Wir müssen künftig verschiedene Modi dafür entwickeln, wie mit einem Roboter im Privaten und im öffentlichen Bereich umzugehen wäre, genauso wie ich mit meinem Liebhaber im Privaten anders umgehe als in der Öffentlichkeit. Das wird ein spannender Anpassungsprozess.

          Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern, wenn Roboter zu vollwertigen Mitgliedern werden?

          Oft sind Roboter jetzt schon soziale Akteure. Für mich stellt sich die Frage: An welchem Punkt nehmen wir dieses Phänomen als Gesellschaft ernst? Wie begegnen wir dieser sehr menschlichen Art, mit Robotern zu interagieren – emotional und physisch? Wir Menschen sind zutiefst sozial und müssen es auch sein, um an der Welt teilzuhaben und in ihr zu überleben. Es ist zu berücksichtigen, dass sehr schnell eine emotionale Bindung entstehen kann. Denken Sie an den Film „Her“. Wir steuern darauf zu, anzuerkennen, dass das „Sozial-Sein“ von Robotern und künstlicher Intelligenz ein Fakt ist; aber wir sind noch längst nicht so weit, anzuerkennen, dass Leute künftig emotionale Bindungen zu Robotern eingehen werden. Kulturelle Normen ändern sich nur langsam. Was mit einer solchen Veränderung einhergehen muss, ist irgendwann auch ein Bewusstsein für den veränderten Status unserer Beziehungen zu Robotern und KI. Wichtig wäre etwa eine Gesetzgebung, die anerkennt, dass ein Objekt wie ein Roboter komplexer sein kann und dass unsere Beziehungen zu ihm andere sind als die zu herkömmlichen Werkzeugen.

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