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Die KI erobert die Fabriken

Von GEORG GIERBERG und UWE MARX
F.A.Z.

01.04.2019 · Die Industrie wandelt sich rasant – auch durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Zwar gilt Deutschland als Vorreiter. Aber so mancher schaut neidisch auf China.

G eht es nach Ansgar Kriwet, dann steht die deutsche Industrie an einem Wendepunkt. Das Vorstandsmitglied des Maschinenbauunternehmens Festo sieht Künstliche Intelligenz (KI), die zum Beispiel in Form von Sprachassistenten längst im Alltag vieler Menschen angekommen ist, auch auf dem Weg in die industrielle Produktion. „Wir sind kurz davor, KI in die Fabrik zu bekommen“, sagt er – und meint damit nicht allein den schwäbischen Spezialisten für Antriebstechnik, der mit rund 3 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den nationalen Marktführern zählt, sondern die Branche insgesamt. Künstliche Intelligenz werde mehr und mehr vereinfacht, beherrschbar und bezahlbar. Bald könne sie so gut wie jeder an seinen Maschinen einsetzen.

Die Frage, welcher weitere Modernisierungsschub den Maschinenbauern in Zeiten von Industrie 4.0 – also der Verschmelzung von Industrie und Internet – bevorsteht, wurde kürzlich auf einer Veranstaltung des Branchenverbandes VDMA diskutiert. Dort ging es um die sogenannte Antriebs- und Fluidtechnik, die mit einem Jahresumsatz von rund 26 Milliarden Euro und 130.000 Beschäftigten in Deutschland zu den großen Sparten dieser breitgefächerten Branche gehört. Es ging aber auch um Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in der Praxis. Wie gefragt deutsche Hersteller und ihre technische Expertise auch ohne KI-Schub schon sind, zeigen aktuelle Zahlen. 21 Prozent des globalen Exports an Antriebstechnik stammt aus Deutschland. Bei der Fluidtechnik, bestehend aus Hydraulik und Pneumatik, sind es sogar 24 Prozent. Die Vereinigten Staaten kommen hier gerade mal auf 14 Prozent, China auf 7 Prozent.

Und jetzt kommt noch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz obendrauf – von der Optimisten annehmen, dass sie den technischen Vorsprung, den viele deutsche Hersteller schon heute haben, noch vergrößern werde. Wie sehr Festo an die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz glaubt, wurde schon im vergangenen Jahr deutlich, als die Esslinger das IT-Unternehmen Resolto mit Sitz in Herford übernahm. Es gilt hierzulande als führend, wenn es darum geht, KI und industrielle Anwendungen zusammenzubringen.

„Erste Schritte sind gemacht.“

M aschinendaten können, richtig interpretiert, helfen, um zum Beispiel Energie zu sparen, um die Qualität der Produkte zu erhöhen, indem man Fehler schneller entdeckt oder Ausfällen von Maschinen vorbeugt. Die Rechnung ist einleuchtend: Fällt ein Einzelteil von nur wenigen Euro Wert aus, dann kann das zu Standzeiten der Maschinen führen, die am Ende Hunderttausende kosten. Solche Ausfälle mittels Sensoren, Kameras und Bildanalyse vorherzusagen, gehört zu den Königsdisziplinen Künstlicher Intelligenz. Zumal viele Daten, die früher nicht interpretiert werden konnten, heute leicht lesbar sind und lokale Rechenzentren (Edge-Computing) dank besserer Mikroprozessoren inzwischen so leistungsfähig sind wie früher nur Großrechner. So kommt es, dass der Ausfall einzelner Teile mitunter mehrere Wochen im Voraus erkannt wird. Selbst Stromprofile können nützliche Informationen liefern. Die Auswertung des Stroms gebe zum Beispiel Hinweise über das mit seiner Hilfe angehobene Teil, sagt Kriwet.

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