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Niedrigster je gemessener Wert : Kaum jemand will noch Unternehmen gründen

  • Aktualisiert am

Die Investoren der Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ Bild: dpa

Nur noch jeder Vierte wünscht sich, sein eigener Chef zu sein und ein Unternehmen zu gründen. Vor 20 Jahren waren es noch fast doppelt so viele. Die Politik ist besorgt, doch die Gründer geben der Politik die Schuld.

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          Der Unternehmergeist der Menschen in Deutschland schwindet – die wenigsten wollen inzwischen ihr eigener Chef sein. Nur ein Viertel der Erwerbsbevölkerung hatte 2018 den Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit, wie aus einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht. Das ist der niedrigste Wert seit der erstmaligen Erhebung im Jahr 2000. Damals habe sich fast jeder Zweite (45 Prozent) eine selbstständige Tätigkeit gewünscht.

          Die guten Bedingungen am Arbeitsmarkt und eine alternde Gesellschaft seien wichtige Gründe für den schwindenden Unternehmergeist, hieß es in der Studie. Bei Menschen unter 30 ist der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit allerdings noch vergleichsweise stark. Mehr als jeder Dritte habe sich 2018 eine Selbstständigkeit vorstellen können. Mit steigendem Lebensalter nehme das Gründungsinteresse aufgrund stärkerer familiärer und beruflicher Abhängigkeiten jedoch ab.

          Ein besonders drastischer Einschnitt sei nach Beginn der internationalen Finanzkrise zu erkennen gewesen, hieß es. In Deutschland habe die Bereitschaft zur selbständigen Tätigkeit zwischen 2009 (41 Prozent) und 2012 (30 Prozent) deutlich abgenommen. Offenbar habe die Finanzkrise die Einstellung der Menschen zur Selbstständigkeit negativ beeinflusst.

          Das Bundesministerium für Wirtschaft blickt besorgt auf die schwindende Bereitschaft zur Selbstständigkeit: „Neugründungen und Start-ups sind Treiber von Innovationen und insbesondere des digitalen Wandels. Deutschland braucht deshalb Gründerinnen und Gründer“, meint eine Sprecherin. Fehlten heute die Gründer, leide morgen die Wettbewerbsfähigkeit.

          „Gründerfeindliche Gesetze“

          Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) gibt der Politik die Schuld an der geringen Gründungsbereitschaft. Sie sei auch „die Folge einer ganzen Serie gründerfeindlicher Gesetze“, kritisiert VGSD-Chef Andreas Lutz. Als Beispiele nennt er eine Vervierfachung der Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung und die herrschende Rechtsunsicherheit um das Thema Scheinselbstständigkeit. „Hinzu kommen handwerklich schlecht gemachte Gesetze wie die DSGVO-Umsetzung, die für viel Unsicherheit und bürokratischen Aufwand sorgen.“

          Die Zahl der Existenzgründungen hat im vergangenen Jahr ein Rekordtief von 547 000.erreicht, wie aus dem „Gründungsmonitor“ der Förderbank KfW hervorgeht. Immerhin sank der Wert zuletzt weniger stark: Im vergangenen Jahr ging er um lediglich zwei Prozent zurück. In den Jahren zuvor hatte es noch Rückgänge mit jeweils zweistelligen Raten gegeben.

          Der Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD) erwartet für das laufende Jahr jedoch noch niedrigere Gründungszahlen. „Die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich nicht geändert. Eine Trendwende ist aus unserer Sicht daher unwahrscheinlich“, sagt VSGD-Chef Lutz. Und auch die KfW rechnet mit einem weiteren Rückgang. „Die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung senden in Summe ein negatives Signal“, teilt Georg Metzger vom KfW Research mit.

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