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Digitalisierung : Für das Gigabit-Ziel fehlen Bagger und Fachkräfte

Durchblick im Kabelgewirr: Der Mangel an Spezialisten kann auch den Ausbau des Breitbandnetzes empfindlich stören. Bild: dpa

Das schnelle Internet kommt nur im Schneckentempo voran. Der Ausbauplan der Bundesregierung ist in Verzug. Höchstens die Hälfte der Haushalte kann mit Glasfaser rechnen.

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          Es ist ein großes Versprechen: Gigabit-Internet für alle bis 2025 hat die große Koalition in Aussicht gestellt. Und viel Geld dazu: Allein in der laufenden Legislaturperiode will sie, unter anderem finanziert durch die Einnahmen aus der 5G-Auktion, bis zu 12 Milliarden Euro Förderung lockermachen, um den Glasfaserausbau voranzutreiben. Aber der schöne Gigabit-Plan ist jetzt schon gewaltig in Verzug. Das renommierte Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK), regelmäßiger Ratgeber der europäischen Regulierungsbehörden, hat die Lage unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Wenn es im bisherigen Schneckentempo weitergeht, kann die Bundesregierung ihr Breitbandziel schon vergessen. Dann bestehe die Gefahr, „dass maximal die Hälfte aller deutschen Haushalte bis 2025 mit direkten Glasfaseranschlüssen versorgt werden kann“, fasste WIK-Chefin Iris Henseler-Unger zusammen.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). Seine Mitgliedsunternehmen, darunter rund 185 Stadtwerke, City-Netzbetreiber und Regionalanbieter, gehören zu den treibenden Kräften des Ausbaus von Glasfaser bis in die Häuser und Wohnungen (FTTB/H). „Wir brauchen einen Schulterschluss von Politik und Industrie, damit es schneller vorangeht“, sagt Geschäftsführer Stephan Albers. Eine der größten Hürden ist ganz handfester Natur: Es gibt nicht genug Bagger und Tiefbau-Fachkräfte, um die Glasfaserleitungen zu verlegen. Die Baukonjunktur brummt. Große Unternehmen bevorzugen Großaufträge und lassen den kleinteiligen Glasfaserausbau lieber links liegen. Und die mittelständischen Anbieter kommen nicht hinterher, weil die Leute fehlen. Oder die behördlichen Genehmigungen, damit sie Straßen und Bürgersteige überhaupt aufreißen dürfen. Gleichzeitig steigen durch die Kapazitätsengpässe die Preise rasant an.

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