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Kühe wie Soldaten : Katjes provoziert Bauern mit Werbespot für vegane Schokolade

Kühe wie Soldaten – mit diesem Werbespot provoziert Katjes die Bauern. Bild: YouTube/Katjes/Screenshot F.A.Z.

„Kühe sind keine Milchmaschinen, auch nicht für Schokolade“ – mit einem drastischen Werbespot bringt Katjes Bauernverbände gegen sich auf. Die beschweren sich jetzt beim Werberat. Das Unternehmen soll Stellung beziehen.

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          Kühe wie Soldaten, im Gleichschritt marschierend, dunkle Wolken über der Kuharmee. Die Bilder erinnern an Moorsoldaten. Vor Anstrengung schwingen rote Euter im Takt des Marsches. „Jedes Leben ist wertvoll und Kühe sind keine Milchmaschinen, auch nicht für Schokolade“, erklingt eine Frauenstimme. Katjes wirbt mit dem Spot für vegane Schokolade. „Cool ohne Kuh“, heißt es am Ende.

          Svea Junge
          (sju), Wirtschaft
          Gustav Theile
          (guth.), Wirtschaft

          Die Werbung provoziert, was einkalkuliert gewesen sein dürfte. In den sozialen Netzwerken sorgt das am Montag veröffentlichte Video für Diskussionen. Auf Youtube kommentiert ein Nutzer: „Respekt. Einfach klasse.“ Ein anderer Nutzer findet dagegen, es sei „absolut unerträglich, wie ihr in eurer Werbung mit ‚Nazi-Comic-Ästhetik‘ einen ganzen Wirtschaftszweig propagandistisch missbraucht und in den Dreck zieht, nur um das eigene Produkt zu hypen.“

          Dem Bayerischen Bauernverband und dem Landvolk Diepholz war der Spot zu viel, sie beschwerten sich beim Werberat. Kühe würden als „Milchmaschinen“ bezeichnet und Tierhaltern die Ausbeutung ihrer Kühe unterstellt. Das sei „diskriminierend und ungerechtfertigt“. Katjes zeichne aus geschäftlichen Absichten ein völlig falsches Bild von der Milchviehhaltung in Bayern und Deutschland, heißt es weiter. Der Vorsitzende des Landvolks Diepholz, Theo Runge, kritisiert, der Spot diffamiere alle Landwirte: „Die landwirtschaftlichen Betriebe sind zu hohen Standards im Tierschutz verpflichtet.“ Er fordert eine Entschuldigung von Katjes und die Verbreitung des Werbespots einzustellen.

          Gelassener reagierte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. Er sehe keinen Anlass für eine Beschwerde und könne eine Verunglimpfung der Bauern nicht erkennen. „In dem Werbespot heißt es, Kühe sind keine Milchmaschinen. Dem stimme ich zu“, sagte er. Wem die vegane Schokolade schmecke, der solle sie essen.

          Der Werberat verlangte am Freitag eine Stellungnahme von Katjes und leitete die Beschwerde an die Wettbewerbszentrale weiter. Die Leiterin des Werberats, Katja Heintschel von Heinegg, sagte zur Begründung, dass die Werbung gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen könnte. „Mitbewerber, die Schokolade mit Milch anbieten, werden möglicherweise verleumdet oder herabgewürdigt.“ Es werde suggeriert, dass alle Halter von Milchvieh und Konsumenten von Schokolade Tiere ausbeuteten. Gleichzeitig dürfe Werbung natürlich auch überspitzen.

          Ob die Werbung gerügt wird, entscheidet das Werberatgremium. Es prüft, ob die Werbung gegen die Werbegrundregeln oder „die allgemeinen Grundregeln der Gesellschaft“ verstößt. Beanstande der Werberat den Spot, könne Katjes den Spot noch zurückzuziehen. Andernfalls folgte eine öffentliche Rüge des Unternehmens. Eine Katjes-Sprecherin bestätigte, dass eine Aufforderung des Werberats eingegangen sei. Zunächst wolle man die Vorwürfe prüfen, weitere Details jedoch vorerst nicht nennen.

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