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„Aufstachelung zur Gewalt“ : Kanye West empört mit Nazi-Post – Twitter sperrt ihn

  • Aktualisiert am

Kanye West, der sich heute Ye nennt. Bild: AP

Immer wieder sorgt Kanye West mit antisemitischen Äußerungen für Aufruhr. Jetzt hat Twitter seinen Account gesperrt – wegen „Aufstachelung zur Gewalt“.

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          Der Onlinedienst Twitter hat das Social-Media-Konto des umstrittenen US-Rappers Kanye West gesperrt. „Ich habe mein Bestes versucht. Trotzdem hat er wieder gegen unsere Regel gegen die Aufstachelung zur Gewalt verstoßen“, begründete Twitter-Eigentümer und Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstagabend in einem Tweet den Schritt. „Der Account wird gesperrt.“ Im Oktober hatte Musk, der sich als Verfechter der Meinungsfreiheit sieht, die Rückkehr des Musikers auf die Social-Media-Plattform noch begrüßt. Der Musiker Kanye West, der sich inzwischen Ye nennt, hatte zuvor ein Bild eines mit einem Hakenkreuz verflochtenen Davidsterns gepostet.

          Zu diesem Zeitpunkt war es erst einige Stunden her, dass West seinen bislang verstörendsten Auftritt hingelegt hatte. Mit schwarzer Ganzkopfmaske, Bibel, Schokoladengetränk und dem rechtsextremen Blogger Nick Fuentes neben sich schwadronierte er auf Jones‘ Onlineportal „Infowars“ fast drei Stunden lang über den deutschen Reichskanzler („Ich mag Hitler. Ich liebe Juden, aber die Nazis liebe ich auch“), die jüdische Anti-Defamation League („Die ADL ist allen egal“) und den Holocaust („Hitler hat nicht sechs Millionen Juden getötet. Das ist sachlich falsch“).

          Wie gewohnt ließ West auch seine frühere Ehefrau Kim Kardashian, mit der er sich einige Tage zuvor über das Sorgerecht für die gemeinsamen vier Kinder und die Finanzen nach der Scheidung geeinigt hatte, nicht aus. Sie sei gezwungen worden, ein Sextape aufzunehmen, spielte der Rapper auf das intime Video der Realitydarstellerin mit einem früheren Liebhaber an. „Komm nach Hause, Kim. Komm nach Hause zu Christus“, bat er sie hinter seiner Maske.

          Parler-Verkauf abgesagt

          Kurz nach dem Auftritt gab die Muttergesellschaft des Online-Netzwerks Parler bekannt, dass ein geplanter Verkauf an West abgesagt wurde. Diese Entscheidung sei Mitte November in beiderseitigem Interesse getroffen worden. West und Parler hatten Mitte Oktober verkündet, dass der Rapper das 2018 gegründete rechte Online-Netzwerk kaufen wolle. Dieses hat sich besonders bei Anhängern des früheren US-Präsidenten Donald Trump etabliert. West hatte seine Kaufabsicht damit begründet, dass er die „Meinungsfreiheit“ verteidigen wolle – zudem suchte er offenbar eine neue Plattform, nachdem Einträge von ihm auf Instagram und Twitter gelöscht worden waren.

          Wegen Wests antisemitischer Äußerungen haben jüngst mehrere Unternehmen die Zusammenarbeit mit dem Rapper beendet. Zu ihnen zählen der deutsche Sportartikelhersteller Adidas, die Modekette Gap sowie die Luxusmarke Balenciaga. West, der vor einigen Tagen bekanntgab, bei den Wahlen 2024 abermals als Präsidentschaftsbewerber antreten zu wollen, bekommt den Backlash deswegen auch finanziell zu spüren. Laut „Forbes“ kostete ihn die geplatzte „Yeezy“-Zusammenarbeit mit Adidas mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Von der Liste der Milliardäre, die das Wirtschaftsmagazin führt, wurde West inzwischen gestrichen.

          Am Donnerstag distanzierten sich auch viele republikanische Politiker und Organisationen von dem Rapper, die sich in der Vergangenheit wegen seiner Unterstützung ihres Parteikollegen Donald Trump mit ihm geschmückt hatten. „Kanye West ist ein geistesgestörter Antisemit. Ich will nichts mit dem Verrückten zu tun haben“, teilte der New Yorker Abgeordnete Lee Zeldin mit. Auch Ashley Hinson, eine Hoffnungsträgerin der Republikaner aus Iowa, forderte, Wests „Hassrhetorik“ öffentlich zu verurteilen. Das House Judiciary Committee, im Repräsentantenhaus in Washington unter anderem zuständig für Bürgerrechte, löschte derweil einen früheren Tweet mit einem positiven Kommentar über den Rapper.

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