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Tech-Treffen DLD : Richtig vorbereiten auf die Künstliche Intelligenz

Baute Google in China auf und ist heute Wagniskaptial-Unternehmer in Peking: KI-Foscher Kai-Fu Lee Bild: AFP

Nehmen Computer uns die Arbeit weg? Kaum einer kann das so realistisch einschätzen wie Kai-Fu Lee. Seine Ratschläge helfen – gerade in der Pandemie.

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          Welche Arbeitsplätze sind sicher, wenn Computer immer kompetenter werden? Wenn sie in immer mehr Bereichen aufschließen zum Leistungsvermögen des menschlichen Gehirns?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Dramatische Vorhersagen machten mitunter in den vergangenen Jahren die Runde. Und beeindruckende Fortschritte – als Computer den besten Schachspieler besiegten, Menschen im Go oder Poker bezwangen, stand das in den Schlagzeilen.

          Tatsächlich kennt niemand die exakte Zahl der Arbeitsplätze, die wirklich bedroht ist und wann. Ebenso wenig lässt sich das Fähigkeiten-Spektrum, das in der Zukunft überflüssig oder gefragt sein wird, klar abgrenzen, so elaboriert manche Studie auch daherkommen mag. Und natürlich ist, was dabei mitunter unterschlagen wird, technischer Fortschritt bislang immer auch mit vielen neuen, gut bezahlten Arbeitsplätzen verbunden gewesen, die es davor gar nicht gab.

          Die vier Wellen der KI

          Kai-Fu Lee erspart sich denn auch, präzise Prozentsätze zu nennen. Was er dafür auf der Digitalkonferenz DLD präsentiert, ist ein gut strukturierte Übersicht darüber, was Künstliche Intelligenz (KI) bislang kann, nicht kann – und wie Berufstätige sich selbst und ihre Kinder vorbereiten können.

          Und Kai-Fu Lee weiß, wovon er spricht. Er hat sich mit KI lange wissenschaftlich beschäftigt und viele Jahre Erfahrung als Manager in führenden Internet-Unternehmen – er war es, der einst Google in China aufbaute. Gegenwärtig ist er Chef seines eigenen Wagniskapital-Unternehmens mit Sitz in Peking und auch bekannt durch sein Buch über das KI-Kräftemessen zwischen den Vereinigten Staaten und China.

          KI-Star Andrew Ng im Interview: „Die nächste Phase der Künstlichen Intelligenz beginnt gerade“

          Kai-Fu Lee unterteilt den jüngsten Durchbruch in der KI in vier Wellen. Zunächst die Tech-Konzerne mit ihren unzähligen Nutzern, aus deren Verhalten sie immer bessere Suchmaschinen und Empfehlungs-Algorithmen erstellen. Dann das, was er „Business AI“ nennt: Versicherer etwa, die mithilfe von KI Risiken besser einschätzen und einstufen können. Drittens Computerprogramme, die in der Lage sind, ihre Umgebung wahrzunehmen und teilweise zu verstehen. Und viertens schließlich echte „autonome KI“, also künstliche Einheiten, die selbständig bestimmte Tätigkeiten ausführen können.

          „Klar ist: Alle diese Wellen werden sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln“, sagt er voraus. Und sie werden die Arbeitswelt dramatisch verändern. Nicht das Jahr 2022 hat er dabei vornehmlich vor Augen. Aber das Jahr 2032 vielleicht, das für Menschen, die heute 30 oder 40 Jahre alt sind, mitten in ihr Berufsleben fallen wird.

          Vorbereitet auf die neue Zeit

          Worin er sich ebenfalls sicher ist, das sind Eigenschaften von Tätigkeiten zu kennen, die diese Arbeitnehmer gefährden im Wettbewerb mit immer fortgeschritteneren Computern. Repetitive Arbeit – wenn Menschen also ständig den gleichen Handgriff oder den gleichen Vorgang durchführen – ist anfällig. Ebenso ist es Arbeit, die auf Routinen basiert. Das haben allerdings viele schon gesagt und gehört.

          Spannender ist ein drittes Charakteristikum: Optimierung in einem breiten Sinn. Als Beispiel nennt er die Radiologie, Programme, die Röntgenbilder genauer auswerten können als Menschen. Andere Arbeiten sind ebenfalls naheliegend – und bedeutend ist das auch deshalb: Da geht es nicht um die „Blue Collar“-Jobs von denen immer wieder gesagt wird, sie seien besonders gefährdet. Da geht es eben auch um Menschen, die heute im Büro arbeiten und vielleicht gar nicht glauben, dass ihnen in wenigen Jahren Rechner Konkurrenz machen können.

          Quasi „sicher“ bleiben aus seiner Sicht „komplexe Arbeitsplätze“. Menschen, die Wissen aus verschiedenen Bereichen miteinander kombinieren müssen, haben in seiner Darstellung sichere Arbeitsplätze – zumindest wenn es um KI geht. „Komplex“ versteht er übrigens auch in einem physischen Sinne, weil Roboter nach wie vor weit davon entfernt sind, sich so vielseitig bewegen zu können wie Menschen.

          Einfach abwarten ist, das macht er indes klar, im Grunde für niemanden eine Option. „Wir müssen proaktiv unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder planen.“ Neues Lernen, uns immer wieder anpassen. Kai-Fu Lee ist weder der Erste noch der Einzige, der diesen Rat gibt. Gleichwohl bleibt er gerade in dieser Pandemie hochaktuell - mitunter fixieren wir uns so stark auf das Virus, dass es fast den Anschein hat, als ob wir vergessen haben, dass irgendwann auch eine Zeit danach kommt.

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