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Online-Kiosk für Artikel : Journalismus-Start-up Blendle wird verkauft

Da waren sie noch unabhängig: die Gründer Marten Blankesteijn (links) und Alexander Klöpping beim Launch von Blendle im Jahr 2014 Bild: Picture-Alliance

Der Online-Kiosk für Zeitungsartikel Blendle wird von einem französischen Wettbewerber übernommen. Der bisherige Geschäftsführer des Start-ups tritt ab, erhält aber einen neuen Job beim Käufer.

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          Das niederländische Journalismus-Start-up Blendle hat einen neuen Besitzer. Wie der Gründer und bisherige Geschäftsführer Alexander Klöpping in einem Blogpost auf der Plattform Medium mitteilte, wird der Online-Kiosk für Zeitungsartikel vom französischen Anbieter Cafeyn übernommen. Cafeyn verfüge über einen Bestand von mehr als 2500 Zeitungen und Zeitschriften, darunter der „Guardian“ und „L’Équipe“, die möglichst bald auch auf Blendle verfügbar sein sollen.

          Felix Hooß
          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Gleichzeitig sollen die Titel von Blendle auch den Cafeyn-Nutzern zugänglich gemacht werden. „Cafeyn hat die gleiche Vision und Leidenschaft für Journalismus und eine vergleichbare Kultur. Außerdem haben sie wie wir den Ehrgeiz, im Ausland schnell zu wachsen. Wir konnten die Gelegenheit nicht verpassen, dies gemeinsam zu tun“, schreibt Klöpping, der mit der Übernahme als Geschäftsführer von Blendle zurücktritt und einen Platz im Vorstand von Cafeyn mit der Aufgabe übernimmt, sich „auf die journalistische Vision des Unternehmens zu konzentrieren“.

          „Retter des Journalismus“

          Klöpping hatte Blendle im Jahr 2014 zusammen mit Marten Blankesteijn gegründet. Auf der Plattform, die ein Jahr später auch in Deutschland an den Start ging, können Leser einzelne Artikel von Qualitätsmedien kaufen. In den Niederlanden veränderte das Unternehmen im vergangenen Jahr sein Geschäftsmodell und führte „Blendle Premium“ ein, bei dem Nutzer für einen monatlichen Beitrag von 10 Euro unbegrenzt  ausgewählte Artikelvorschläge lesen können.

          Um profitabel zu werden, brauche Blendle 100.000 Premium-Abonnenten, hatte Klöpping damals verkündet. Laut der niederländischen Zeitung „De Volkskrant“ verfügt das Start-up derzeit über 80.000 Abonnenten, darunter 50.000 zahlende. Die Entscheidung, sich von dem Micropayment-Modell zu verabschieden, war von Fachleuten wie auch von Nutzern kritisch bewertet worden. In Deutschland zahlen Blendle-Nutzer nach wie vor pro Einzelartikel.

          Die Frage, ob nach der Übernahme beide Plattformen erhalten bleiben, beantwortete Klöpping im „De Volkskrant“, mit „vorläufig“: „Aber wir werden auf eine App hinarbeiten, in der alles auf beiden Plattformen gelesen werden kann.“ Wie viel der mit 1,5 Millionen Nutzern deutlich größere Anbieter Cafeyn für die Übernahme zahlt, wurde nicht bekanntgegeben.

          Im Jahr 2018, dem letzten Jahr, für das Zahlen ausgewiesen wurden, musste Blendle einen Verlust von 3,2 Millionen Euro hinnehmen. In der Vergangenheit waren unter anderem die Financial-Times-Mutter Nikkei, der Investmentfonds Inkef sowie Axel Springer und die „New York Times“ bei Blendle eingestiegen. Bei seiner Gründung im Jahr 2014 wollten einige Fachleute aus der Medienbranche in dem Start-up einen möglichen „Retter des Journalismus“ gesehen haben. Weitere Expansionsträume nach dem Eintritt in den deutschen Markt verflüchtigten sich jedoch schon bald, mehrere Zeitungen, die ihre Artikel auf der Plattform zur Verfügung gestellt hatten, zogen sich wieder zurück.

          Der Autor war bis Mitte 2017 Deutscher Chefredakteur bei Blendle.

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