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IT-Chefin bei Goldman Sachs : „Mädels, lernt coden!“

Joanne Hannaford leitet die Techniksparte von Goldman Sachs in Europa. Bild: Theiner, Micha

Joanne Hannaford ist für Europa die IT-Chefin von Goldman Sachs. Ein Gespräch über ein Studium unter tausend Männern, coole Computerjobs und ihren klugen Kühlschrank.

          6 Min.

          Frau Hannaford, Sie arbeiten seit 26 Jahren als Programmiererin. Was hat Sie in diese Männerdomäne gebracht?

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Als ich Anfang der achtziger Jahre die weiterführende Schule in London besuchte, hatte ich eine ganz besondere Mathelehrerin, die sich gerade als Computerlehrerin ausbilden ließ. Sie war ein unglaubliches Vorbild für mich. Das war eine ältere Frau, die schon auf die Rente zuging und sich trotzdem dazu entschloss, etwas ganz anderes zu machen.

          Was hat sie Ihnen beigebracht?

          Programmieren in Reinform. Das Erste, was wir gemacht haben, war die Haushaltskasse unserer Eltern in den Computer einzupflegen. Damals war ich 14 Jahre alt. Ich weiß nicht, ob das für meine Mutter wirklich so wichtig war, aber das war unsere erste Aufgabe. Das alles war so selbstverständlich für mich, dass für mich nie in Frage stand, dass Frauen auch programmieren können. Mir ist erst viel später bewusst geworden, dass das tatsächlich von vielen in Frage gestellt wird.

          Welche Rolle spielten Ihre Eltern?

          Mein Vater war selbst Ingenieur, er hat mich in dieser Frage immer sehr unterstützt. Ich kam von einer reinen Mädchenschule an die Hochschule und war umringt von Männern. Unter ungefähr 1000 Studenten gab es drei Frauen. Das war ein ziemlicher Schock. Glücklicherweise hatte ich immer weibliche Rollenvorbilder. Mein erster Arbeitsplatz war in der IT-Abteilung einer Bank, und die wurde von einer Frau geleitet. Wir brauchen nicht viele Rollenvorbilder, aber es hilft, wenn man sehen kann, wie eine Karriere aussehen kann.

          Hatten Sie als Frau in einem Männerberuf jemals mit Diskriminierung zu kämpfen?

          Ich habe wenig negative Erfahrungen gemacht. Das liegt daran, dass das Umfeld, in dem ich mich seit jeher bewegt habe, ein sehr professionelles ist. Das gilt sowohl für die Informatik als auch für die Finanzbranche. Aber natürlich, wenn Menschen anders sind, fühlen sie sich schnell isoliert. Da ist es egal, ob sie ein anderes Geschlecht haben, anders aussehen oder eine andere Muttersprache sprechen. Das gilt auch für mich. In London gehen die männlichen Kollegen gerne nach der Arbeit noch im Pub ein Bier trinken. Ich bin aber nicht der Typ dafür. Auch in anderen Situationen habe ich mich manchmal gefühlt, als gehöre ich nicht richtig dazu. Das lag aber nie am Team, sondern an der Natur der Sache. Was mir immer geholfen hat, ist, dass mir die Arbeit so viel Spaß macht. Bei Goldman Sachs kommt es in erster Linie auf Leistung an. Deshalb habe ich mich auch vor 20 Jahren für Goldman als Arbeitgeber entschieden, weil ich wusste, dass ich hier als Softwareentwicklerin Karriere machen kann.

          Was schreckt andere Frauen dann ab?

          Die jungen Hochschulabsolventinnen fürchten sich gar nicht so sehr vor der Komplexität der Aufgabe. Viele finden es sehr cool, Programmiererin zu werden. Was sie viel mehr beschäftigt, sind Fragen der Arbeitsatmosphäre, ob das Umfeld sozial genug ist. Wenn sie dann zu uns kommen, um ein Sommerpraktikum zu machen, lieben sie es und finden den Job phantastisch.

          Trotzdem klagen die Tech-Unternehmen im Silicon Valley, dass sie nicht genug Frauen finden. Wo ist das Problem?

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