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Jack Dorsey : Keine Lust

Jack Dorsey im Juni dieses Jahres. Bild: AFP

Manche Entrepreneure sind auch gute Manager, andere aber nicht. Für Jack Dorseys Rücktritt als Chef von Twitter gibt es viele Erklärungen.

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          Von den vielen Erklärungen für Jack Dorseys Rücktritt als Chef von Twitter ist eine besonders glaubwürdig. Man muss sich mit der profanen Möglichkeit vertraut machen, dass er einfach keine Lust mehr hatte. Dorsey selbst stellt den Rücktritt naturgemäß als heroischen Akt dar mit dem Zweck, Twitter von seinen Gründern unabhängig zu machen. Das mag zunächst schlüssig klingen. Viele Unternehmen gedeihen, wenn sich die Entrepreneure zurückziehen und Managern die Leitung überlassen. Nur, eine allgemeingültige Regel ist daraus schwer abzuleiten, siehe Tesla und Elon Musk. Die Erfahrung lautet eher, dass manche Entrepreneure auch gute Manager sind, andere aber nicht.

          Dorsey begleitet seit der Gründung von Twitter im Jahr 2006 der Ruf, keine große Neigung fürs Tagesgeschäft zu haben. Er verlor deshalb den Chefposten im Jahr 2008, um 2015 an die Spitze zurückzukehren, als es Twitter finanziell schlecht ging. Parallel führte er den 2010 von ihm gegründeten Zahlungsabwickler Square.

          Unbeteiligte mögen diese Doppelrolle bewundern, für Aktionäre war sie eine Zumutung. Facebooks Wert hat sich seit 2015 mehr als vervierfacht, Twitter schrieb zuletzt immer noch Verluste. Kein Wunder, dass die Investmentgesellschaft Elliott Dorsey schon letztes Jahr aus dem Amt drängen wollte.

          Eine Rolle für Dorseys Rückzug mag auch spielen, dass soziale Medien viel von ihrem Sex-Appeal eingebüßt haben. Statt eine demokratische Debattenkultur zu beflügeln, befördern sie offenbar die Polarisierung von Gesellschaften. Überall sind Gesetze in Planung, die die Dispositionsfreiheit solcher Unternehmen wie Twitter beschränken. Das verdirbt manchem Unternehmenslenker die Arbeitsfreude. Dorsey widmet sich jetzt der Firma Square. Ungeklärt ist, ob sich deren Aktionäre nun freuen dürfen. 

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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