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Intels Milliarden-Investition : Chips aus Magdeburg für Europa

So will Intel in Magdeburg bauen: ein bisschen mehr gestalterischer Ehrgeiz dürfte es schon sein. Bild: dpa

Dass es mit Intel eines amerikanischen Konzerns bedarf, um dem „Chips Act“ der EU-Kommission Leben einzuhauchen, sagt viel über Europas derzeitige Wettbewerbsfähigkeit aus.

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          Im Zuge des brutalen russischen Angriffs auf die Ukraine fällt häufig das Wort „Zeitenwende“. Für die Entscheidung des amerikanischen Herstellers Intel, Europa zu einem globalen Zentrum für Computerchips zu machen, sind ähnliche Vokabeln angebracht. Denn es handelt sich um einen Paradigmenwechsel nicht nur in der deutschen Wirtschaftspolitik, wenn EU-Staaten nun vor der eigenen Haustür mit Milliardenbeträgen Entwicklung und Herstellung von Halbleitern subventionieren, ohne die heute nicht mehr viel funktioniert. Von der Küchenmaschine bis zum modernen Kriegsgerät ist die Abhängigkeit von den kleinen Bausteinen gewaltig.

          Bis vor Kurzem gingen hiesige Hersteller von Autos und Maschinen noch selbstverständlich davon aus, dass es sich bei Chips um auf dem Weltmarkt beliebig verfügbare Massenware handelt, die der Logik internationaler Arbeitsteilung folgend in Asien am günstigsten hergestellt wird. Dann zerschlug die Corona-Pandemie bis dahin gut funktionierende Lieferketten und legte schmerzhaft offen, wie verletzlich die Endfertigung „Made in Germany“ tatsächlich ist.

          In westlichen Konzernen hat seitdem ein Umdenken eingesetzt: Grenzenlose Kostenoptimierung war gestern. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen steigt die Bereitschaft, für die Versorgungssicherheit bei wichtigen Komponenten einen Aufschlag zu zahlen. Doch Unabhängigkeit hat ihren Preis, und ein kompletter Ausfall wäre noch viel teurer.

          In Magdeburg darf nun die mit 17 Milliarden Euro größte Einzelinvestition in Sachsen-Anhalt und eine der größten in der deutschen Geschichte bejubelt werden. Geht Intels Plan auf, wird die Stadt zum Zentrum eines Netzwerkes, das den Wiederaufstieg der europäischen Chipindustrie befördern soll. Dass es erst eines amerikanischen Konzerns bedarf, um dem Chips Act der Europäischen Kommission Leben einzuhauchen, sagt dabei viel über Europas derzeitige Wettbewerbsfähigkeit aus.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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