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Nachhaltige Modeblogger : Wie sinnvoll sind die „Sinnfluencer“?

  • -Aktualisiert am

Das Bild wurde auf dem Instagram-Account der Nachhaltigkeits-Influencerin Madeleine Alizadeh gepostet. Bild: Instagram Dariadeh / Screenshot faz.net

Auf Instagram vertreiben „Sinnfluencer“ nachhaltige Mode. Diese bringt aber oft nicht mehr, als das Gewissen der Käufer zu beruhigen.

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          Eine Frau sitzt im Schneidersitz auf dem Boden und schaut mit halbgeschlossenen Augen und zurückgelehntem Kopf in die Kamera. Ein Strohhut baumelt an ihrem Rücken; das dazugehörige Band klemmt ihre blonden Haare ein. Mit den Fingern zeigt sie auf ihr weißes T-Shirt, dort steht in Großbuchstaben: „ÉTHICAL“. Um sie herum, überall verstreut auf dem holzfarbenen Boden, liegt ein Berg von Kleidung.

          Das Bild wurde auf dem sozialen Netzwerk Instagram gepostet. In Zeiten von Fridays for Future, Fleischverzicht und CO2-Emmissionen breitet sich  das Thema Nachhaltigkeit auch auf Instagram aus – oder kriegt auf der Plattform noch mehr Aufschwung. Neu ist dabei, dass nicht das Fliegen oder der Fleischverzehr kritisiert werden. Sondern die Bekleidungsbranche, durch den schnellen Kollektionswechsel auch „Fast Fashion“-Industrie genannt.

          Das Bild von der Frau mit dem Strohhut und dem riesigen Klamottenberg kritisiert diese „Fast Fashion“-Mentalität – und macht zugleich Werbung für eine Alternative: „Fair Fashion“ oder auch „Slow Fashion“ genannt. Dahinter stecken kleine Unternehmen, die ausschließlich nachhaltig produzieren. Auf Instagram haben sie eine Plattform gefunden, um sich zu vermarkten: 4,5 Millionen Beiträge tauchen auf, wenn man den Hashtag „Slow Fashion“ in die Suchleiste eingibt. Nachhaltige Blogger, sogenannte „Sinnfluencer“, verbreiten die Bekanntheit der grünen Marken.

          Zwei Milliarden Kleiderschrankleichen

          Shops mit Namen wie „Avocado Store“, „Jan’n June“ oder „Lanius“ bieten umweltbewussten Nutzern Produkte für ihren Lebensstil: Pullover aus Hanf, Bikinis aus recycelten Fischernetzen, T-Shirts aus Bio-Baumwolle. Auf Instagram steht dann auf der Unternehmensseite „Eco Fashion & Green Lifestyle“, oder „guter Style und gutes Gewissen“. Daneben sind viele Pflanzen-Emojis abgebildet.

          Doch nicht alle sind von diesem grünen Image überzeugt: „Selbst wenn Kleidungsstücke nachhaltig produziert werden, werden dennoch Ressourcen verbraucht“, sagt Brigitte Zietlow vom Umweltbundesamt. Dabei wird jedes fünfte Kleidungsstück laut einer repräsentativen Greenpeace-Umfrage aus dem Jahr 2015 nie getragen. Insgesamt macht das eine Milliarde ungetragener Kleidungsstücke. Zählt man selten getragene Teile hinzu, kommt man auf insgesamt zwei Milliarden „Kleiderschrankleichen“.

          Fast die Hälfte der Befragten sortiert Oberteile und Hosen innerhalb eines Jahres wieder aus. Spätestens nach drei Jahren landen die meisten Sachen auf dem Altkleiderberg. Die globale Bekleidungsproduktion hat sich von 2000 bis 2014 verdoppelt, so Greenpeace. Brigitte Zietlow vom Umweltbundesamt sieht vor allem ein Problem: Kleidung werde nicht mehr wirklich als Wert gesehen. Zumindest in der „Fast Fashion“-Industrie ließe sich das gut beobachten: „Wenn so ein T-Shirt weniger kostet als ein Kaffee, dann macht das was mit einem.“

          Man müsse viel mehr über die Menschen aufklären, die diese Kleidung herstellten, meint Zietlow. Über die schlechten Arbeitsbedingungen, aber auch über die aufwendige und lange Produktionskette. Die Textilindustrie wird von den meisten Menschen wohl nicht mit Umweltverschmutzung gleichgesetzt. Laut Greenpeace ist sie aber der zweitgrößte Wasserverbraucher sowie der viertgrößte Produzent von Rohmaterialien. „Am nachhaltigsten ist die Mode, die man am längsten trägt", sagt Zietlow.

          6 Monate Wartezeit für ein T-Shirt

          Die Influencerin „dariadaria“ bloggt seit 2013 über nachhaltige Mode. Im echten Leben heißt sie Madeleine Daria Alizadeh und kommt aus Wien. Als sie an ihr Telefon geht, ist sie gerade auf den Straßen Berlins unterwegs. Im Hintergrund sind immer wieder laute Krankenwagensirenen zu hören, zwischendurch holt sie sich etwas zu essen. Gleich im Anschluss hat sie schon den nächste Termin. Das Leben einer Influencerin scheint stressig zu sein.

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