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Industrie-Kommentar : Die Fabrik von morgen

  • -Aktualisiert am

Autonom arbeitende Roboter werden das Bild von modernen Fabriken schon bald bestimmen. Doch der Mensch wird als Kontrollinstanz weiterhin die Oberhand behalten. Bild: Procter & Gamble

Die Hannover Messe gilt als Schaufenster für die Arbeitsrealität der Zukunft. Jetzt geht es um die schrittweise Weiterentwicklung von Industrie 4.0. Auch hier könnte Deutschland zum führenden Exporteur werden.

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          Die Fabrik von morgen kann besichtigt werden. Von Montag an präsentieren auf der Hannover Messe 6000 Aussteller aus aller Welt eine Woche lang, wie künftig in den Fabriken dieser Welt gearbeitet wird. Die Veränderungen durch Digitalisierung sind dramatisch. Für den Elektrokonzern und Autozulieferer Bosch wird in der künftigen Fabrik nichts mehr so sein wie heute, alle Maschinen und Anlagen sollen mobil und je nach Bedarf unterschiedlich kombiniert werden können: Die Fabrik wird zur Bühne, auf der je nach Bedarf Menschen, Maschinen und Produkte neu konfiguriert werden.

          So wird es wahrscheinlich kommen – aber in zwanzig Jahren. Bis zu diesem Ziel werden viele kleine Schritte zu gehen sein. Diese Schritte sieht man schon allenthalben. Wer heute durch moderne Fabriken geht, der begegnet immer mehr fahrerlosen Transportfahrzeugen, der sieht fast nur noch Maschinenführer mit dem iPad in der Hand die Produktion steuern – Maschinendaten überwachen, Material anfordern, Ausschuss kontrollieren. Und auch diese Arbeiten werden bald automatisch erledigt werden. Dann werde das Maschinenprogramm automatisch vor jedem Auftragswechsel das notwendige Material anfordern, das dann von selbstfahrenden Fahrzeugen gebracht wird.

          Es wird sich noch mehr ändern. Bis heute lebt ein Maschinenhersteller vom Verkauf der Maschinen. Künftig wird er den meisten Umsatz mit Dienstleistungen um die Maschine machen. Das kann der Verkauf der Maschinenleistung statt der Maschine sein, das kann die vorausschauende Wartung sein oder die Optimierung der Anlagen für den Kunden.

          Maschinenhersteller werden zu Softwareentwicklern

          Beides – die Veränderung der Produktion und die des Geschäftsmodells – basiert auf der Erfassung und Auswertung von Daten. Es ist daher nicht überraschend, aber doch augenfällig, dass auf der Industriemesse neben der weiter dominierenden Hardware – schließlich werden auch künftig von analogen Maschinen analoge Produkte hergestellt – die Software eine große Rolle spielt und Aussteller wie Microsoft oder SAP immer mehr Raum einnehmen. Aber inzwischen sind auch viele Maschinenhersteller selbst zu Software-Häusern geworden. Siemens oder Bosch beschäftigen heute nach SAP die meisten Programmierer.

          Damit tritt das Konzept Industrie 4.0 in eine neue Phase ein. Im Jahr 2011 wurde der Begriff „Industrie 4.0“ auf der Hannover Messe kreiert. Danach wurde entworfen, definiert, beschrieben und entwickelt. 2013 war man überzeugt, dass der gesamte Wertschöpfungsprozess von der Produktentwicklung und dem Einkauf über die Fertigung, und den Verkauf bis zur Nutzung beim Kunden künftig von einem digitalen Zwilling begleitet wird. 2015 war klar, dass die vierte industrielle Revolution nicht über Nacht kommt, sondern über Jahrzehnte und ganz klein anfangen würde, indem man jede Anlage, jeden Prozess digital erfasst. 2016 war daher die Messe der „kleinen grauen Schachteln“, also all jener Sensoren, die eine bestehende Fabrik überhaupt erst digital und internetfähig machten. 2017 standen die industriellen Internetplattformen im Vordergrund, über die künftig Hersteller mit ihren verkauften Anlagen in Verbindung bleiben. Damit werden erst die vielen datenbasierten Dienstleistungen möglich.

          Deutschland könnte Vorreiter werden

          Dass viele Hersteller dabei zunächst an die vorausschauende Wartung denken, hat auch die Entwicklung des 3D-Drucks beflügelt. Es wird künftig dank Datenübertragung möglich sein, Ersatzteile vor Ort zu „drucken“, statt sie physisch vom Hersteller zum Kunden zu senden. Der nächste Schritt wird sein, dass die Anlage vor Ort selbst erkennt, wann sie reparaturbedürftig ist, und selbständig den Druckauftrag für das Ersatzteil auslöst.

          Das alles ist in Hannover zu sehen. 2018 ist das Jahr, in dem Industrie 4.0 erstmals in die Fläche getragen wird. Einzelne Ansätze gab es schon früher, aber es waren Einzellösungen, es war noch weitgehend klassische Automatisierung. All die Themen der vergangenen Jahre – besseren, Sensoren, digitale Internetplattformen – bleiben und werden weiterentwickelt. Aber neue Themen kommen hinzu, auch weil man alte Irrtümer erkennt. Dass in der digitalen Fabrik keine Menschen mehr gebraucht werden, glaubt heute fast niemand mehr. Die geringste Arbeitslosenquote haben heute jene Länder, in denen die Roboterdichte am höchsten ist.

          Es wird auch künftig nicht alles über die Cloud transferiert und damit anfällig für Hacker. Unter dem Stichwort Edge Computing werden zunehmend Kleincomputer entwickelt, die sehr leistungsfähig Daten vor Ort an den Maschinen oder zumindest in der Fabrik auswerten, ohne dass diese über Internetplattformen um den halben Erdball geschickt werden müssen. Es muss auch künftig nicht die allumfassende Plattform geben, sozusagen das Amazon der Industriewelt. Es sind spezialisierte Plattformen denkbar, die nur kompatibel zueinander sein müssen. Industrie 4.0 ist noch lange nicht am Ende, entwickelt sich aber immer schneller weiter. Wenn wir das Thema beherzt anpacken, kommt auch die Fabrik der Zukunft weitgehend aus Deutschland.

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