https://www.faz.net/-gqe-a7u0e

Homeoffice : Drucker sind knapp

Vor allem preiswerte Tintenstrahldrucker für zu Hause sind derzeit knapp. Bild: dpa

Während es im ersten Lockdown noch der alte Drucker tat, statten sich jetzt viele Menschen mit neuen Elektrogeräten für Homeoffice und Homeschooling aus. Hersteller und Handel trifft das unvorbereitet.

          2 Min.

          Wer in den Laden von Florian Marquardt und Daniel Ploszonka kommt, um bei ihnen einen Drucker fürs Homeoffice zu kaufen, der macht den IT-Fachhändlern damit im Moment keine Freude. Seit mehr als acht Jahren versorgen Marquardt und Ploszonka als „Marxheimer PC-Service“ die knapp 40.000 Einwohner des Frankfurter Vororts Hofheim am Taunus mit Computern, Druckern und allem, was man für das Arbeiten zu Hause sonst noch an Elektronikgeräten braucht. Doch seit dem zweiten Lockdown müssen sie bei vielen Kundenbestellungen passen: Sie bekommen kaum Ware.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Seit November ist die Beschaffung von Heimat-Tintenstrahldruckern schwierig“, sagt Ploszonka. Wo er früher seinen Kunden die Wahl zwischen zehn verschiedenen Geräten bieten konnte, habe er jetzt nur noch ein bis zwei. Auch die Preise seien gestiegen: Den günstigsten Tintenstrahler bekamen Kunden zuvor für 70 bis 80 Euro, nun müssten sie in der Regel mehr als 100 Euro bezahlen. „Die Situation ist für Tintenstrahldrucker anders als für Laserdrucker“, erzählt er. „Es sind insbesondere die einfachen und günstigen Drucker, die schwer zu kriegen sind.“ Ähnliche Schwierigkeiten gebe es auch bei Laptops – eben allem, was man für „Homeoffice“ und „Homeschooling“ brauche.

          Marquardt und Ploszonka stehen mit dem Problem nicht allein da. Der Bundesverband der Elektronik-Einzelhändler BVT kennt es ebenfalls: „Das Warenangebot ist schon knapper“, sagt Geschäftsführer Steffen Kahnt der F.A.Z. An einigen Stellen müsse man Kompromisse eingehen, weil einige Geräte nicht lieferbar seien. „Das liegt an der stark gestiegenen Nachfrage nach Elektronikgeräten fürs Homeoffice.“

          „Lieferkette bis an die Grenze belastet“

          Tatsächlich ist die Nachfrage nach Arbeitselektronik für zu Hause im Winter auf der ganzen Welt gestiegen – pandemiebedingte Lockdowns, Arbeiten und Schulunterricht zu Hause lassen grüßen. Von Oktober bis Dezember 2020 wurden auf der Welt 26 Prozent mehr Heimcomputer verkauft als im selben Quartal des Vorjahres – statt 73 Millionen plötzlich fast 93 Millionen Computer und Laptops.

          Das letzte Mal, dass der eigentlich schrumpfende PC-Markt einen solchen Zuwachs verbuchte, war im Jahr 2010, wie das Marktforschungsinstitut IDC kürzlich mitteilte. „Jeder Teil der Lieferkette wurde bis an seine Grenzen belastet, da die Produktion auch in diesem Quartal wieder hinter der Nachfrage zurückblieb“, schreibt IDC-Analyst Jitesh Ubrani. „Die Hersteller hatten nicht nur mit Engpässen bei Komponenten und Produktionskapazitäten zu kämpfen, sondern auch die Logistik blieb ein Problem.“ Viele Anbieter seien für kürzere Lieferzeiten gezwungen gewesen, auf Luftfracht zurückzugreifen, was wiederum die Kosten steigerte.

          Druckerhersteller berichten von ähnlichen Schwierigkeiten. „Insgesamt hat die Nachfrage nach Druckern und Verbrauchsmaterialien speziell für den Home-Bereich in den vergangenen Monaten sprunghaft zugenommen“, sagt ein Sprecher des Marktführers HP. Der Konzern habe seine Produktion ausgeweitet und zusätzliche Transportkapazitäten geschaffen. Dennoch könne es zur Zeit bei einzelnen Modellen zu längeren Lieferzeiten kommen.

          „Diese große zweite Welle hat niemand abgesehen“

          Doch das Problem liegt nicht nur bei den Herstellern. Auch der Handel hat die zusätzliche Nachfrage nicht vorausgesehen. „Es war im Sommer nicht klar, dass es noch mal einen so harten Lockdown geben würde, in dem die Regierung gerade das Arbeiten im Homeoffice so forciert“, sagt Verbandsgeschäftsführer Kahnt. „Diese große zweite Welle hat niemand abgesehen.“

          Es scheinen somit zwei Effekte zusammenzukommen: Der zweite Lockdown hat viele Verbraucher dazu gebracht, sich mit neuen Geräten auszustatten. Während es im vergangenen Frühjahr noch der alte Drucker tat, den man noch im Haus hatte, wollen jetzt viele für eine längere Zeit zu Hause gerüstet sein. Diese gestiegene Nachfrage trifft aber auf ein geringeres Angebot –weil die Händler im Sommer, als die Pandemie schon fast überwunden schien, eher zurückhaltend mit ihren Bestellungen waren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in der Kleinstadt Wohlen im Kanton Aargau am 20. Februar 2021

          SVP gegen Corona-Regeln : Die Schweiz, eine Diktatur?

          Die SVP gehört der Schweizer Regierung an. Das hindert die Führung der größten Partei des Landes nicht daran, es wegen der Corona-Politik als Diktatur zu bezeichnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.