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Halbleiterzulieferer : Chipmangel-Profiteur PVA Tepla spürt keine Rezession

Mittelständler: Das Firmenschild von PVA Tepla am Stammsitz zeigt die Vielfalt des Unternehmens Bild: thwi.

Der Halbleiterzulieferer PVA Tepla blickt zuversichtlich in die Zukunft. Er verfügt über ein prall gefülltes Auftragsbuch und sieht weiteres Wachstum durch Digitalisierung und E-Mobilität.

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          Manfred Bender hält sich nicht mit langen Vorreden auf. Die von ihm geführte PVA Tepla AG sei „ein Lichtblick in schwierigen Zeiten“, sagt er in ruhigem Ton. Der im S-Dax gelistete Mittelständler aus Wettenberg in der Nähe von Gießen sei ein Unternehmen, dessen Auftragsbücher voll seien. Und ein Ende des Booms scheine nicht in Sicht. Später wird er sagen: „Wir machen uns weder über die nähere Zukunft noch über die mittelfristige Zukunft noch über die Zeit danach Sorgen.“ Welcher Vorstandsvorsitzende kann das in diesen Wochen noch von sich und seinem Team behaupten?

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          PVA Tepla, 1991 aus dem Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum ausgegliedert, profitiert nach Benders Worten von mehreren Megatrends. Der eine Trend sei die Digitalisierung, der andere die E-Mobilität. Zudem liefert der mittelhessische Anlagenbauer für die Medizintechnik zu. PVA Tepla liefert zum einen Anlagen für die Zucht von Kristallen aus Silizium, aus denen Wafer für Halbleiter wie Computerchips entstehen. Mithin ist der Mittelständler ein Profiteur der Halbleiterkrise. Für Hersteller solcher Produkte bieten die Wettenberger zum zweiten Ultraschallmikroskope an, die Produktionsfehler erkennen. Dabei geht es um eine zerstörungsfreie Qualitätskontrolle per Durchleuchtung von Chips.

          Wachstum bei E-Mobilität „kommt noch“

          „Bei der Digitalisierung sind wir mitten im Trend, bei der E-Mobilität wird das Wachstum erst noch kommen“, sagt Bender voraus. Für dieses Segment bietet PVA Tepla ebenfalls Anlagen für die Kristallzucht an. Nur werden Halbleiter für diese Anwendung aus Siliziumkarbid gezogen; bei ihnen geht weniger Wärme verloren als bei Siliziumhalbleitern, und sie gelten als besonders leistungsfähig.

          Auf diesem Gebiet wittert der Vorstandsvorsitzende aus folgenden Gründen mehr Wachstum: Für drei Elektroautos sei ein Wafer mit Chips notwendig. Eine Anlage schaffe 1000 Wafer im Jahr. Wenn am Ende dieses Jahrzehnts nur knapp ein Drittel der Neuzulassungen auf E-Autos entfielen, seien Millionen Wafer auf der Welt nötig. Bender taxiert den Bedarf an entsprechenden Anlagen auf 15.000.

          Schon in den vergangenen Quartalen hat sich das Geschäft von PVA Tepla zunehmend belebt. Für das erste Quartal dieses Jahres meldete das Unternehmen neue Aufträge über 61,4 Millionen Euro, ein Plus von mehr als 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Den Auftragsbestand bezifferte es auf etwas mehr als 310 Millionen Euro. Dies vergleicht sich mit einem Jahresumsatz von zuletzt 155,7 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte um eine Million auf 2,3 Millionen Euro zu, die Marge zeigte sich stabil bei knapp 7 Prozent. Vor diesem Hintergrund will Bender von einer Rezession nichts wissen: „Wir sehen die nicht.“

          Wärmetauscher im Blick

          Zum Kundenkreis der Mittelhessen gehören Siltronic und ST Microsystems sowie andere namhafte Konzerne. PVA Tepla stehe dabei nicht für Produkte von der Stange, sondern betreibe Projektarbeit in Reinkultur. Kunden kämen bisweilen mit Anfragen für Produkte, die der Anlagenbauer nicht erwartet hätte.

          Ein Ergebnis seien unter hohem Druck und bei mehr als 1200 Grad im Vakuum verschweißte Metallscheiben, die ohne Bindemittel hielten und wie ein Block wirkten, in die jedoch Kanäle eingearbeitet seien. Solche Produkte würden in Wärmetauschern für Wasserstofftankstellen eingesetzt.

          „Wir sehen uns als Technologieaktie“

          Trotz des starken Auftragseingangs hat PVA Tepla seine Jahresprognose nicht erhöht. Demnach erwartet der Vorstand weiter einen Umsatz von 170 Millionen bis 180 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll sich auf 25 Millionen bis 27 Millionen Euro belaufen. Auf die Frage, weshalb die Prognose lediglich stabil bleibe, verweist Bender auf die starke Planbarkeit der Auslieferungen. Es sei heute schon absehbar, welche Anlage PVA Tepla etwa im Mai 2024 ausliefern werde. Positive Überraschungen seien deshalb unwahrscheinlich. Umgekehrt leide das Unternehmen nicht unter stark verzögerten Auslieferungen oder gar Ausfällen. Davon unabhängig gebe PVA Tepla lieber eher konservative Prognosen ab.

          Angesichts dessen hadert der Vorstand mit dem Kurs der Aktie. Seit dem Hoch von gut 49 Euro im November ist die Notiz auf unter 19 Euro gerutscht. Nun gilt PVA Tepla als Small Cap, und dieses Segment steht mehr unter Druck als so manche Aktie im Dax. „Wir sehen uns als Technologieaktie“, sagt Bender. Gerade solche Papiere haben in jüngster Zeit besonders gelitten. Die Talfahrt an den Börsen trifft die Mittelhessen mithin doppelt. Dessen ungeachtet sehen die meisten Analysten, die das Unternehmen bewerten, die Aktie als klar unterbewertet an und raten zum Kauf. Die Kursziele lauten auf 32 Euro bis 40 Euro bei einem Kurs von zuletzt 18,55 Euro.

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