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Online-Kriminalität : Konzerne verbünden sich gegen Hacker

Darüber hinaus sollen verpflichtende, verbindliche und unabhängige Zertifizierungen durch Dritte für kritische Infrastrukturen vorgenommenen werden. Das gilt für das Internet der Dinge mit der intelligenten Vernetzung  von Maschinen und Systemen, wie für Roboter in Produktionen oder später einmal für das autonome Fahren. Sicherheits- und Datenschutzfunktionen sollten künftig automatisch in am Markt angebotenen neuen Technologien vorkonfiguriert sein. Sicherheitsregeln  sollen Bestandteil des Freihandelsabkommen werden. Genauso könnten in der Ausbildung und bei internationalen Initiativen mehr Impulse in der Internet-Sicherheit geschaffen werden.

„Ein wichtiges Element des digitalen Wandels ist die Glaubwürdigkeit darüber, dass die Sicherheit von Daten und vernetzten Systemen gewährleistet ist“, sagt Siemens-Chef Kaeser. „Deshalb müssen wir die digitale Welt sicherer und vertrauenswürdiger machen – es ist höchste Zeit, zu handeln.“ Nicht jeder für sich allein, „sondern gemeinsam mit starken Partnern, die in ihren Märkten zu führenden Unternehmen zählen.“ Kaeser lädt alle ein, sich der Initiative anzuschließen.

Je mehr, umso besser. Denn nichts ist schlimmer für das Geschäft als Misstrauen. Wer will schon ein Produkt kaufen, wenn es nicht sicher erscheint, zum Beispiel vor Hacker-Angriffen; sei es das Smartphone oder das Tablet, sei es die große Maschine, die in der Produktion mit anderen vernetzt ist. „Die Politik muss eine Führungsrolle einnehmen, wenn es um Transaktionsregeln im Cyberraum geht“, fordert MSC-Chef Ischinger. „Entwickeln und umsetzen müssen die Standards aber die Unternehmen.“ Gemeinsam mit den Partnern solle das Thema vorangetrieben und inhaltlich begleitet werden.

Das Thema der Cyber-Sicherheit findet immer noch nicht genügend Aufmerksamkeit, wird von vielen Unternehmen nach wie vor nicht  ernst genommen. Doch die dynamisch wachsende Zahl der Angriffe erhöht den Handlungsdruck. Maßnahmen zur Cyber-Sicherheit sind heute unverändert nur  Insellösungen und mehr Patchwork als die Suche nach einem großen Ganzen.

Laut dem ENISA Threat Landscape Report richteten Angriffe auf die Netzsicherheit im Jahr 2016 Schäden von 560 Milliarden Euro weltweit an. Das Gefahrenpotential wächst dramatisch: Nach Angaben des Marktforschers Gartner waren vergangenes Jahr 8,4 Milliarden vernetzte Geräte im Gebrauch; 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2020, so Schätzungen, werden es bereits 20,4 Milliarden Geräte sein.

Die „Charter of Trust“ soll dem Kampf mit Patchwork-Charakter eine neue Dimension geben. Mit der Zusammensetzung der Gründungspartner wird  zugleich ein Zeichen gesetzt, wie breit die Herausforderungen angegangen werden müssen: Siemens als Anbieter von digitalen Fabriken, Fertiger von Zügen, Energieanlagen und Medizintechnik; Daimler als Hersteller von Autos und Entwickler des autonomer Fahrzeuge; IBM als IT- und Beratungsunternehmen, Hersteller von Hardware und Software; Halbleiterhersteller NXP, deren Produkte in vernetzte Autos und in Identifikationsverfahren eingesetzt werden; Telekom als Anbieter von Kommunikation und Cloud-Services; SGS, ein führendes Unternehmen für Zertifizierungen; der Versicherungskonzern Allianz, der Risiken in der Industrie bewertet.

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