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Macht der Netzkonzerne : So dominant ist Google in der Suche

  • -Aktualisiert am

Wird Google zu mächtig? Der Frage geht das Bundeskartellamt nach. Bild: F.A.Z.

Wie der Internetkonzern sein Ökosystem festigt, warum mehr Wettbewerb möglich wäre – und es nun auch um die Sprachsteuerung geht. Ein Gastbeitrag.

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          Am 29. April 2020 kündigte Cliqz an, dass die Geschichte der Cliqz-Suchmaschine zu Ende ist. Eine Suchmaschine, entwickelt von einem Start-up aus München, die vielleicht eine ernste Konkurrenz für Google hätte werden können – mit vergleichbarer Sucherqualität, aber mehr Kontrolle über die Daten, die ein Nutzer während der Suche preisgibt. Statt zu googeln hätten wir in Zukunft vielleicht gecliqzt. In einer Anhörung der britischen Wettbewerbsbehörde CMA beklagte Cliqz Anfang des vergangenen Jahres, wie Googles Geschäftspraktiken verhindern, dass neue Konkurrenten erfolgreich in den Suchmarkt eintreten können, selbst wenn sie bessere Qualität bieten. Kurz danach ging Cliqz selbst die Puste aus.

          Der Suchmarkt ist seit Jahren fest in der Hand von Google. In der EU beträgt der Anteil Googles an der Internetsuche schon lange mehr als 90 Prozent, ähnlich ist dies in den Vereinigten Staaten. Wo ist das Problem, könnte man fragen, wenn googeln immer prima Suchergebnisse liefert? Genau das ist allerdings schon lange nicht mehr der Fall. Vor zwanzig Jahren zeigte Google auf eine Suchanfrage eine relativ einfache Sammlung von genuinen Suchergebnissen. Seitdem hat Google auf seiner Suchergebnisseite immer mehr Module hinzugefügt, mit denen Google direkt Geld verdient oder die Nutzer zu Google-Diensten leitet. Wer die ersten organischen Suchergebnisse finden möchte, muss auf dem Smartphone schon weit herunter scrollen; die wenigsten machen das.

          Als Monopolist kann Google die Qualität der angezeigten Suchergebnisse senken, und die oben beschriebene Entwicklung zeigt, dass das auch geschieht. Als Monopolist kann Google auch seine Innovationen vor allem darauf ausrichten, sein Monopol zu schützen und auf andere Märkte auszudehnen. Das treibt die Preise für digitale Werbung nach oben – wofür am Ende wir alle zahlen: zunächst, indem wir mehr und mehr Werbung zu sehen bekommen statt genuine Suchergebnisse. Und langfristig durch überhöhte Produktpreise, wenn die Werbetreibenden ihre Werbekosten an uns Kunden weitergeben.

          Kartellbeschwerden in Amerika und Europa

          Googles dominante Marktstellung bedeutet aus zwei Gründen immer mehr Macht: Erstens wird die Internetsuche für Anbieter und Nachfrager von Produkten und Dienstleistungen immer wichtiger, und die Rangfolge der Suchergebnisse beeinflusst, wer am Ende das Geschäft macht. Zweitens werden Internetsuchergebnisse für den Zugang zu Wissen immer bedeutender werden, einschließlich Informationen über die öffentliche Gesundheit und aktuelle Ereignisse.

          Sowohl in der EU als auch in den Vereinigten Staaten gab es schon mehrere Kartellrechtsverfahren gegen Google. Die europäischen Verfahren konzentrierten sich auf zwei Aspekte: auf Geschäftspraktiken, mit denen Google sicherstellt, dass seine Suchmaschine und Apps als Standardoption auf Smartphones, Laptops und anderen Endgeräten erscheinen. Und auf Googles Manipulation von Suchergebnissen, um seine eigenen spezialisierten Dienste (in diesem Fall Shopping) gegenüber denen von Konkurrenten zu bevorzugen. Die beiden amerikanischen Kartellrechtsklagen, die im vergangenen Jahr eingereicht wurden, erheben ähnliche Vorwürfe.

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