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Macht der Netzkonzerne : So dominant ist Google in der Suche

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Der Grund sind sogenannte Status-quo-Effekte, die in den Verhaltenswissenschaften wohldokumentiert sind: Wir folgen oft voreingestellten Wahlmöglichkeiten, anstatt aktiv eine Alternative zu wählen. Eine Suchmaschine wird also häufiger genutzt, wenn sie die Standardoption ist. Dies wiederum hat erhebliche Auswirkung auf den Wettbewerb im Suchmarkt, da ein Algorithmus nur mit hinreichend großen Datensätzen gute Suchergebnisse liefert.

Macht durch Bündelung

Aus einem Memo der amerikanischen Wettbewerbsbehörde „Federal Trade Commission“ zu internen Google-Dokumenten, das vom Wall Street Journal in Ausschnitten veröffentlicht wurde, geht zudem hervor, dass die Manager von Google sich sehr wohl Sorgen über mögliche Konkurrenz durch spezialisierte Suchmaschinen machen. Sind diese erfolgreich, so könnten sie wachsen und Googles marktbeherrschende Stellung gefährden. Daher will Google durch Exklusivverträge den Marktzutritt für andere Suchmaschinen erschweren – und genau das wird dann neuen Suchmaschinen wie Cliqz zum Verhängnis.

Ob solch ein Marktzutritt wirklich gelingt, wenn die vertraglichen Beschränkungen aufgehoben werden, kann man nicht mit Sicherheit vorhersagen. Aber wenn OEMs und Endnutzer eine effektive Wahlmöglichkeit bekommen, wird potentieller Wettbewerb gestärkt, was die Anreize erhöht, den Endnutzern statt Werbung gute Suchergebnisse anzuzeigen. Die Zahlungen an Apple belegen auch, dass der Geldwert hoch ist, als Standardoption an Suchzugriffspunkten gesetzt zu sein. Gäbe es Wettbewerb auch auf Android-basierten Geräten, würden Suchmaschinen darum konkurrieren und Geld an OEMs zahlen, um als Standardoption zu erscheinen. Dies würde einen Teil der Produktionskosten von Mobilfunk- und anderen Android-basierten mobilen Geräten abdecken, so dass die OEMs diese zu niedrigeren Preisen an die Verbraucher verkaufen würden.

Da Android auf Open-Source-Lizenzen fußt, könnte ein OEM mit einer anderen als der offiziellen Google-Version des Android-Betriebssystems in den Markt eintreten. Ein solcher Hersteller könnte dann im Prinzip die Standardeinstellung seiner Suchzugriffspunkte an potentielle Wettbewerber von Google vermarkten. Historisch hat Google dies mit der Drohung verhindert, in diesem Fall die gesamte Palette seiner beliebten Apps zurückzuhalten, etwa den Play Store oder Maps. Zwar hat die EU-Kommission in der EU-Android-Entscheidung Google ein solches Bündeln untersagt – aber Google hat neue Vertragsoptionen gefunden, die den gleichen Effekt haben.

APIs verschoben

Google hielt sich zunächst an das Bündelungsverbot und bot Android, Search und Chrome weiterhin „kostenlos“ auf nichtexklusiver Basis an, während es den Play Store, Gmail, Maps und Youtube in einem separat lizenzierbaren Paket zusammenfasste. Allerdings verlangte Google dann – nur in Europa – eine Lizenzgebühr von 40 Dollar pro Mobiltelefon für das zuvor kostenlose App-Paket rund um den Play Store, Gmail, Maps und Youtube. Auf den Kaufpreis des Pakets wurde dem Vernehmen nach ein Rabatt in ungefähr gleicher Höhe angeboten, unter der Bedingung, dass der Browser Chrome und Google Search standardmäßig vorinstalliert sind – was de facto eine Strafzahlung von 40 Dollar pro Gerät für jeden OEM bedeutet, der eine konkurrierende Suchmaschine als Standard wählt. Bei zum Beispiel zehn Millionen Mobiltelefonen ist dies ein Kostenfaktor von 400 Millionen Dollar – kaum vorstellbar, dass ein OEM solche Kosten trägt, nur um die Suchmaschine eines neuen Konkurrenten zu installieren.

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