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Alexander Armbruster (ala.)

Alphabet : Googles nächster Akt

Sundar Pichai wird nun auch Chef der Google-Holding Alphabet. Bild: dpa

Sundar Pichai übernimmt in schwieriger Zeit: Er muss Probleme außerhalb und innerhalb des Unternehmens lösen.

          2 Min.

          Sundar Pichai rückt an die Spitze eines der erfolgreichsten Unternehmen der Gegenwart. Als neuer Vorstandsvorsitzender der Alphabet-Holding wird er künftig alle Aktivitäten dieses Technologie-Konglomerats verantworten – die beiden legendären Gründer Larry Page und Sergey Brin ziehen sich zurück, 21 Jahre, nachdem sie Google in einer Garage gründeten.

          Einerseits ändert sich infolgedessen auf den ersten Blick gar nicht so viel: Pichai ist schon heute zuständig für die Suchmaschine, die Videoplattform Youtube, das auf der ganzen Welt am meisten genutzte mobile Betriebssystem Android, den führenden Browser Chrome (den er selbst maßgeblich auf den Weg brachte), das Geschäft mit Cloud-Diensten und die Hardware-Sparte. Also für alles, womit Alphabet wirklich Geld verdient. Die „anderen Wetten“, zu denen beispielsweise die Autounternehmung Waymo gehört, tragen noch nicht nennenswert bei.

          Überzeugen und vermitteln

          Das Kerngeschäft wiederum funktioniert nach wie vor. Google ist für Werbetreibende attraktiv, weil der Konzern zielgenau einem gewaltigen Publikum Anzeigen ausspielen kann. Der einzige echte Wettbewerber auf diesem Feld ist Facebook.

          Gleichwohl übernimmt Pichai das Ruder in einer herausfordernden Zeit. Der politische Druck auf alle Tech-Konzerne hat deutlich zugenommen, auch in Amerika, Regulierer durchleuchten die Geschäftspraktiken und prüfen, wie mächtig die Unternehmen auf ihren jeweiligen Märkten sind. Sogar die Idee, Google, Facebook oder Amazon aufzuspalten, ist öffentlich längst kein Tabu mehr. Pichai wird hier gerade im aufziehenden Präsidentschaftswahlkampf viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

          Larry Page und Sergey Brin (v.l.) im Jahr 2006
          Larry Page und Sergey Brin (v.l.) im Jahr 2006 : Bild: AP

          Andererseits muss er auch intern viel vermitteln. Nach Protest der Mitarbeiter hat Google das „Project Maven“ mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium aufgekündigt, und auch für den 10 Milliarden Dollar umfassenden Auftrag für die Pentagon-Cloud Jedi bewarb sich Google nicht – den Zuschlag erhielt Microsoft nach einem Endspiel gegen Amazon. In einem Land, das nicht so ein halb-gestörtes Verhältnis zu seinem Militär hat wie die Bundesrepublik, kommt das nicht überall gut an, auch nicht in Washington.

          Sundar Pichai, der sein technisches Genie längst unter Beweis gestellt hat, wird nun zeigen müssen, dass er Alphabets Teiltransformation bewältigen kann. Und neben dem klassischen Kerngeschäft andere tragende Säulen etablieren kann.

          Ein bisschen erinnert der nun bekanntgegebene Wechsel durchaus an Microsoft um die Jahrtausendwende. Da übergab der Gründer Bill Gates das operative Geschäft. Was folgte, war eine eher triste Dekade, in der Microsoft mit der bekannten Bürosoftware zwar stets ordentlich verdiente, aber aus dem Rampenlicht verschwand, in das andere aufstrebende Softwareschmieden drängten – wie Google. Mal sehen, ob sich das nun wiederholt.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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