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Cloud Gaming bleibt : Google gibt die Entwicklung von Videospielen auf

Ein Besucher spielt auf der Gamescom 2019 den Shooter „Doom“ auf der Stadia-Plattform. Bild: AFP

Mit großen Erwartungen startete Google vor zwei Jahren seinen Angriff auf das Games-Geschäft. Nun holt der Rotstift der Betriebswirte die kühnen Pläne des Unternehmens ein. Die Plattform Stadia soll zwar bleiben – hat aber unklare Aussichten.

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          Leidenschaft liegt an der Wurzel aller großartigen Spiele“, sagte die profilierte Videospiel-Produzentin Jade Raymond, als sie im Frühjahr 2019 als Chefin von Googles eigenem Gamestudio vorgestellt wurde. Die Leidenschaft für Videospiele hat bei dem Suchmaschinen-Konzern nun aber offenbar recht schnell nachgelassen. Per Blogeintrag teilte Google in der Nacht zu Dienstag mit, die eigene Videospielentwicklung einzustellen. Die beiden bisher gegründeten Entwicklungsstandorte in Montreal und Los Angeles werden geschlossen und Raymond, die als erste Produzentin der populären „Assassin’s Creed“-Reihe unter großem Trommelwirbel zu Google geholt worden war, verlässt das Unternehmen.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Entscheidung bedeutet einen Kurswechsel für Google. Der Tech-Konzern hatte vor zwei Jahren unter dem Namen „Stadia“ eine Videospielsparte gegründet, um an dem milliardenschweren und wachsenden Gaming-Markt teilzuhaben, der schon jetzt mehr Umsätze birgt als das Film- und das Musikgeschäft zusammen. Kern dessen ist Googles im Herbst 2019 gestarteter Cloud-Gaming-Dienst, der ebenfalls unter dem Namen Stadia firmiert. Cloud-Gaming ist eine neue Technologie, bei der Videospiele nicht mehr auf einem lokalen Computer oder einer Spielkonsole vor dem heimischen Fernseher laufen, sondern auf einem Server im Rechenzentrum. Da nur noch der Bildschirminhalt aufs Endgerät des Kunden übertragen oder „gestreamt“ wird, können bessere Spiele auf schwächeren Geräten gespielt werden – es braucht nur noch einen simplen Fernseher oder ein Handy.

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          F.A.Z.-Serie Schneller Schlau : Warum hat Europa keine großen Tech-Konzerne? Bild: Illustration Johannes Thielen, Bild Goran Ivos / unsplash

          Mit „Stadia Games & Entertainment“ – so der Name von Googles Entwicklerstudio – wollte der Konzern auch eigene Spiele für Stadia produzieren und verlegen. Das generiert logischerweise mehr Umsatz, als nur etablierten Videospielkonzernen eine Plattform zur Verfügung zu stellen. Dieses Ziel legt der Konzern nun ad acta – offenbar, weil die notwendigen Investitionssummen für einen Einstieg in die Spiele-Entwicklung sich als zu teuer erwiesen. „Die Produktion von erstklassigen Spielen von Grund auf erfordert viele Jahre und erhebliche Investitionen, und die Kosten steigen exponentiell“, schreibt Stadia-Chef Phil Harrison in Googles Unternehmensblog. Das Personal, das der Konzern zu diesem Zweck rekrutiert hat – rund 150 Entwickler, wie Branchenmedien berichten –, soll auf neue Positionen im Unternehmen wechseln.

          An Stadia als Plattform wird aber nicht gerüttelt, betont Google. „Das Streamen von Spielen auf jeden Bildschirm ist die Zukunft der Branche, und wir werden weiterhin in Stadia und die zugrunde liegende Plattform investieren“, schreibt Harrison. Der Konzern wolle seine Cloud-Gaming-Technologie nun anderen Videospielunternehmen zur Verfügung stellen und mit diesen Partnerschaften eingehen. Für aktuelle Stadia-Abonnenten ändere sich nichts. Es kämen eben nur keine Exklusivtitel von Google „über in naher Zukunft geplante Spiele hinaus“. Was das genau heißt, ist unklar, denn bislang hat Google noch überhaupt keine selbstentwickelten Spiele herausgebracht. Ob sich das jetzt noch ändert, ist mit einem Fragezeichen zu versehen.

          Da stand sie noch: Produzentin Jade Raymond bei ihrer Vorstellung als neue Google-Entwicklungschefin für Videospiele im März 2019.
          Da stand sie noch: Produzentin Jade Raymond bei ihrer Vorstellung als neue Google-Entwicklungschefin für Videospiele im März 2019. : Bild: AFP

          Ähnliche Fragezeichen entstehen damit aber auch an Googles Ambitionen, Stadia als Alternative zu den Spielkonsolen von Sony und Microsoft, Playstation und Xbox, zu etablieren. Denn es sind oft gerade die Exklusivtitel, welche Videospielfans zu einer Plattform ziehen. Sony hat dafür etwa die populäre „The Last of Us“-Reihe, welche es nur für die Playstation gibt. Diesen Vorteil der Exklusivtitel schreibt Google nun ab.

          Branchenbeobachter schreiben der Plattform den technologischen Vorteil zu, Cloud-Gaming massentauglich gemacht zu haben – es gibt viele Berichte, dass hochklassige Spiele auf Stadia sehr gut laufen. Das kurz vor Weihnachten erschienene Endzeit-Adventure „Cyberpunk 2077“ beispielsweise, das Sony wegen schwerwiegender Probleme kurz nach der Start sogar wieder aus Playstation-Store warf, lief auf Stadia durchaus ansehnlich. Ob dieser Vorteil für Google aber reicht, um gegen Unternehmen zu bestehen, die schon wesentlich länger im Videospielgeschäft sind, ist alles andere als sicher.

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