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Smartphonenutzung : Google erzieht uns zur Faulheit

Google versteht sich darauf, mit seinen zahlreichen App-Diensten und dem Sprachassistenten den User von der Benutzung anderer Dienste abzubringen. Bild: dpa

Mit seinen vielen Apps sorgt Google dafür, dass wir unser Smartphone bequem bedienen können. Ist das wirklich gut für uns?

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          Kaum war das Bußgeld in Rekordhöhe von 4,3 Milliarden Euro gegen den Internetkonzern Google verhängt, blies Unternehmenschef Sundar Pichai schon zum Gegenangriff: Er will mit seinem Unternehmen in Berufung gehen, die hohe Strafe sei nicht gerechtfertigt. Die EU-Kommission hatte Google zu dem Bußgeld verdonnert, weil das Unternehmen seine Marktmacht ausnutze, um Konkurrenten klein zu halten. Denn Google stellt sein Betriebssystem Android zwar auch anderen Smartphone-Herstellern wie Samsung oder Huawei zur Verfügung. Wollen diese jedoch auch den Google Play Store nutzen, der nötig ist, um weitere Apps auf das Gerät zu laden, müssen sie weitere Dienste von Google installieren.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          So kommt ein Samsung-Smartphone klassischerweise nicht nur mit dem Play Store, sondern einer Vielzahl anderer Apps: Google Drive, Google Maps, Google Mail, Google Play. Selbst Youtube, die Videoplattform der Google-Muttergesellschaft Alphabet, ist vorinstalliert. Listig an der Sache ist, dass sich diese Apps schwer deinstallieren lassen. Das funktioniert nur über einen Neustart des Geräts – und davon ist jedem Unaufgeklärten abzuraten.

          Voll durchgeplant dank diverser Apps

          Der F.A.Z. sagte Google-Chef Pichai: „Ich möchte wirklich klarstellen, dass Android viel Gutes gebracht hat für Nutzer, Entwickler, das ganze Ökosystem.“ Das ist einerseits richtig, zahlt ein Android-Kunde im Schnitt doch dafür weitaus weniger für Apple-Produkte, die jene 20 Prozent im Smartphone-Markt ausmachen, die Google seiner Konkurrenz übrig lässt.

          Wir nutzen doch alle gerne Google: Morgens Google Maps für den schnellsten Weg zur Arbeit, tagsüber den Google-Kalender für unsere Termine, und immerzu Google-Mail, das unser E-Mail-Postfach managt. Wenn wir etwas suchen, öffnen wir – na klar – die Google-Suchmaschine. Oder noch einfacher, wir sagen einfach „ok, Google“ und erteilen Sprachbefehle. Besser geht es nicht. Oder doch?

          Die Wahrheit ist, dass Google uns faul macht. Da der Google-Webbrowser Chrome auf dem Smartphone schon installiert und konfiguriert ist, setzen wir uns erst gar nicht damit auseinander, ob es eine bessere Alternative gibt. Wie groß Googles Macht ist, veranschaulichen die Ergebnisse mehrere Studien, denen zufolge im vergangenen Jahr mehr als 90 Prozent aller Suchanfragen über Google liefen. Vielleicht hat der eine oder andere an seinem stationären Computer eine andere Suchmaschine als Startseite. Doch kaum jemand wird die App der Suchmaschine DuckDuckGo, die als sichere Alternative zu Google gilt, auf dem Handy installiert haben. Schließlich war der Chrome-Browser ja schon da.

          Verbraucher sind blind für Alternativen

          Dabei haben andere Suchmaschinen Vorteile, die Google nicht bietet: Ecosia etwa gilt als grüne Suchmaschine, weil der Großteil des Erlöses an Baumpflanz-Projekte in Burkina Faso gespendet wird. DuckDuckGo grenzt sich von Google mit einer verschlüsselten Suchfunktion ab, bei der keine persönlichen Daten gesammelt werden. Vorteile, die dem Verbraucher etwas Zeit wert sein könnten. Um die Installation von Google Chrome muss sich niemand kümmern.

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