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Neuer Chef für GitHub : Begonnen auf einem Robotron KC 87

Thomas Dohmke vor dem GitHub-Logo Bild: Github

Ein gebürtiger Berliner rückt an die Spitze einer der führenden Plattformen für Open-Source-Software. Er betont die Unabhängigkeit von GitHub. Trotzdem kommt die Personalie für einige überraschend.

          2 Min.

          Wer hätte gedacht, dass an der Spitze einer der wichtigsten Software-Entwicklungsplattformen der Welt mal jemand steht, der auf einem Kleincomputer Robotron KC 87 – aus der Produktion des VEB Robotron-Meßelektronik „Otto Schön“ in Dresden – zu programmieren anfing? Noch dazu, wenn er dabei für den urkapitalistischen Microsoft-Konzern arbeitet?

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Genau so kommt es jetzt. GitHub, eine der führenden Plattformen für die Programmierung quelloffener Software, wird vom 15. November an von Thomas Dohmke geleitet werden. Da Open-Source-Software inzwischen in fast allen größeren Softwareprojekten zumindest enthalten ist, rückt er damit auf eine verantwortungsvolle Position. GitHub stellt sogenannte Repositories zur Verfügung, in der Programmierer den Code zu ihren Anwendungen hinterlegen und, wenn gewünscht, öffentlich bereitstellen können, um mit anderen Programmierern darüber zu diskutieren und kollaborativ zusammenzuarbeiten. Die Plattform wurde im Jahr 2018 für 7,5 Milliarden Dollar von Mi­crosoft übernommen.

          Der gebürtige Berliner Dohmke, der seit mehreren Jahren in den USA lebt, sprach in einem Blog-Beitrag am Dienstag davon, dass mit dem neuen Posten für ihn ein Traum in Erfüllung gehe. Nachdem er in den späten Achtzigerjahren mit dem Coden begonnen hatte und vom Robotron auf einen Commodore 64 gewechselt war, studierte er in den Jahren 1998 bis 2003 technische Informatik an der TU Berlin. Mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur in der Tasche wechselte er an die Universität Glasgow, wo er 2008 in Maschinenbau promoviert wurde.

          Start-up gegründet, von Microsoft aufgekauft

          Danach trat er als Softwareentwickler in die damals noch junge deutsche Start-up-Szene ein. In Stuttgart gründete er im Jahr 2011 ein Unternehmen für das von ihm erdachte Handyprogramm „HockeyApp“ – eine App, die auf Smartphones Absturzberichte von anderen Handyprogrammen live aufzeichnete und so Softwareentwicklern half, Programmierfehler zu finden und zu entfernen.

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          Im Jahr 2015 verkaufte Dohmke HockeyApp an Microsoft und ging selbst mit. Am Hauptsitz in Redmond nahe Seattle betreute er zunächst die eigene App weiter, begann dann aber zielstrebig, die Karriereleiter zu erklimmen. Als Microsoft ankündigte, GitHub zu übernehmen, leitete er zusammen mit Nat Friedman auf Konzernseite den Übergangsprozess. Als GitHub-Mitgründer Chris Wanstrath auf die Übernahme hin ankündigte, als Vorstandschef zurückzutreten, wurde Friedman zu seinem Nachfolger bestimmt.

          Dohmke kümmerte sich fortan um Sonderprojekte von GitHub, etwa den „arktischen Code-Tresor“. In dieser aufgelassenen Kohlemine auf Spitzbergen ließ die Plattform vergangenes Jahr sämtlichen bei sich gespeicherten Code einlagern, auf Mikrofilmrollen für die Nachwelt konserviert. Erst im August dieses Jahres wurde Dohmke zum Produktchef von GitHub befördert. Für einige Beobachter kam der Wechsel an der Spitze insofern nun überraschend, zumal GitHub erst in der vergangenen Woche seine regelmäßige Entwicklerkonferenz eröffnet und dabei allerlei Neuerungen auf der Plattform bekannt gegeben hatte – den Wechsel aber nicht.

          Sowohl Dohmke als auch Friedman traten als „Gewächse“ des Großkonzerns Microsoft in die traditionell freiheitsliebende Gemeinschaft der Open-Source-Programmierer ein. Mit der Übernahme gab es in dieser einige Sorge, dass Microsoft seine Position als Inhaber ausnutzen und eigene Programme auf der Plattform durchdrücken würde. In seiner dreijährigen Amtszeit hat Friedman dies aber klar abgelehnt, womit er viel Vertrauen aufbauen konnte.

          Dohmke sagte dem Fachmedium TechCrunch, dass sich diese Haltung unter seiner Führung nicht ändern werde. Friedman sei von Hause aus ein Entwickler gewesen, er sei ebenso einer: „Ich denke, wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir unabhängig bleiben, dass wir Cloud-neutral bleiben, dass wir das Richtige für die Entwickler tun und dass wir die Entwickler an erste Stelle setzen.“

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