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Gesetzesreform : Mit dem Elektroschrott in den Supermarkt

  • -Aktualisiert am

Alte Handys soll man bald auch in Supermärkten entsorgen können. Bild: dpa

Das Bundesumweltministerium will erreichen, dass mehr alte Geräte recycelt werden. Verbraucher sollen kleinere Elektrogeräte deshalb künftig auch in Supermärkten und Discountern zurückgeben können.

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          Handys, Spielekonsolen, Rasierer, Küchengeräte: Auch in diesem Jahr dürften in vielen Haushalten wieder Elektrogeräte unter dem Weihnachtsbaum liegen. Spätestens nach den Feiertagen stehen die Beschenkten dann vor der Frage: Was tun mit den Geräten, die bislang im Einsatz waren – ab in die Schublade oder wegwerfen? Allein 200 Millionen alte Mobiltelefone haben die Deutschen laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkoms zuhause herumliegen. Etwa jeder Zweite hat drei oder mehr ausrangierte Modelle.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das Bundesumweltministerium will nun erreichen, dass mehr Geräte recycelt werden. Dazu wird das „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten“, kurz ElektroG, reformiert. Die wichtigste Neuerung: Verbraucher sollen alte Elektrogeräte künftig auch in Supermärkten und Discountern zurückgeben können. So hat es das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Hintergrund ist, dass eigentlich seit dem vergangenen Jahr 65 Prozent der Altgeräte gesammelt und recycelt werden sollen. Die aktuellste verfügbare Zahl des Umweltbundesamts weist aber für das Jahr 2018 erst eine Sammelquote von 43 Prozent aus.

          Mit der Gesetzesreform werde es „deutlich leichter, im Alltag kleinere Elektro-Altgeräte zurückzubringen“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Wobei das Wort „kleinere“ in diesem Zusammenhang wichtig ist: Denn die Supermärkte müssen nur Geräte bis zu einer Kantenlänge von 25 Zentimetern in jedem Fall zurücknehmen. Für größere Geräte soll gelten, dass Kunden sich ein neues, vergleichbares Gerät kaufen müssen, um das alte kostenlos bei dem Händler abgeben zu können. Auch Onlinehändler sollen in einem größerem Umfang als bislang Elektronik zurücknehmen. Kauft ein Kunde ein neues Gerät, soll der Verkäufer ihn künftig von sich aus fragen, ob er das alte kostenlos zurückschicken will beziehungsweise ob der Lieferdienst es mitnehmen soll.

          Kleinere Filialen müssen sich nicht beteiligen

          Bis die Neuregelung des Gesetzes im Alltag greift, wird es aber noch dauern. Zunächst müssen Bundestag und Bundesrat zustimmen, in Kraft treten soll die Reform dann zum 1. Januar 2022. Anschließend ist für die Supermärkte noch eine sechsmonatige Übergangsfrist vorgesehen. Kleinere Filialen mit weniger als 800 Quadratmetern müssen sich auch danach nicht beteiligen. Gleiches gilt für Läden, die nie Elektrogeräte anbieten. Das Ministerium geht aber davon aus, dass für die allermeisten Supermärkte in Deutschland die neuen Regeln gelten werden, weil sie zumindest gelegentlich im Jahr Elektronik als Aktionsware verkaufen.

          Dass so manches alte Gerät aus Gründen der Bequemlichkeit trotzdem verbotener Weise weiter in der Restmülltonne oder im gelben Sack landet, dessen ist man sich in Berlin bewusst. Theoretisch sollen die Verbraucher alte Elektrogeräte zu den Wertstoffhöfen bringen. Praktisch scheitert das aber häufig daran, dass diese für Menschen ohne Auto schlecht zu erreichen sind. Zudem gibt es vielfach lange Warteschlangen. Schon 2016 wurde deshalb der Einzelhandel stärker in die Pflicht genommen, Elektroschrott zurückzunehmen. Bisher gilt die Rücknahmepflicht für Geschäfte aber nur, wenn sie eine Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mindestens 400 Quadratmetern haben.

          Nach den Zahlen des Umweltbundesamtes kamen 2018 knapp 2,4 Millionen Tonnen Elektrogeräte neu auf den Markt, fast 50 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. In den Altgeräten sind vor allem Rohstoffe wie Kupfer, Gold, Silber und Palladium für das Recycling interessant. Doch es muss nicht immer ums Ausschlachten gehen. Auf den Portalen von Onlinehändlern sind zunehmend auch sogenannte „Refurbished“-Produkte zu sehen: ältere Geräte, die generalüberholt wieder zum Verkauf angeboten werden. In Umfragen zeigen sich viele Verbraucher aufgeschlossen für solche Produkte. Im aktuellen Weihnachtsgeschäft lässt sich das allerdings noch nicht beobachten. Die Nachfrage etwa nach der neuesten iPad-Generation oder der Playstation 5 von Sony war in den vergangenen Wochen so groß, dass diese Geräte derzeit ausverkauft sind.

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