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Alexander Armbruster (ala.)

Tiktoks Zukunft : Schlappe für Microsoft

Für den Microsoft-Vorstandsvorsitzenden Satya Nadella wäre die Tiktok-Übernahme ein Coup gewesen. Bild: AP

Der beliebte chinesische Musikdienst Tiktok geht nicht an den amerikanischen Internetriesen. Doch was ist die Alternative? Klar ist nur: Die Zeit läuft.

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          Und nun? Was aus dem gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen so beliebten sozialen Netzwerk Tiktok wird, scheint weiter höchst ungewiss. Der Software-Konzern Microsoft teilte mit, nicht der neue Eigentümer des amerikanischen Geschäfts des Internet-Dienstes zu werden. Die chinesische Tiktok-Muttergesellschaft Bytedance habe die Übernahme-Offerte aus Seattle ausgeschlagen, verlautbarte Microsoft in einer knappen Mitteilung.

          Für den Windows-Anbieter und seinen Vorstandsvorsitzenden Satya Nadella ist das eine Schlappe. Er stand persönlich in Kontakt mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in dieser Sache. Für Microsoft wäre Tiktok eine durchaus passende Ergänzung zum bisherigen Geschäft, das sich wesentlich auf Büro- und Alltagssoftware einerseits und zunehmend auf umfangreichere Cloud-Angebote andererseits konzentriert.

          Microsoft betreibt mit Linkedin zwar schon ein eigenes veritables soziales Netzwerk – ist damit aber in einer ganz anderen Zielgruppe unterwegs als es die Tiktok-Nutzer sind. Sogar für das führende Netzwerk-Unternehmen Facebook wäre Tiktok unter dem Dach von Microsoft vermutlich ein dauerhaft ernstzunehmender Wettbewerber geworden.

          Macht Oracle das Rennen?

          Jetzt ist diese Alternative vom Tisch und die Frage erhebt sich: Was passiert nun mit Tiktok? Verbietet Trump den Dienst in der kommenden Woche, wenn die von ihm selbst gesetzte Frist (20. September) abläuft, innerhalb der Bytedance das Amerika-Geschäft an ein amerikanisches Unternehmen verkaufen muss?

          Oder macht nun der Softwarekonzern Oracle das Rennen, für den sich Bytedance angeblich entschieden hat? Klar ist das nicht. Einerseits gilt das Verhältnis zwischen dem Oracle-Gründer Larry Ellison und Donald Trump als gut. Zudem gehörte der Oracle-Vorstandsvorsitzende Safra Catz einst dem „Transition-Team“ Trumps an. Schließlich sind die beiden Wagniskapital-Unternehmen General Atlantic und Sequoia Capital, mit denen sich Oracle wohl zusammengetan hat, schon substantiell in Bytedance investiert.

          Kooperation mit Oracle möglich : Wendet Tiktok ein Verbot doch noch ab?

          Doch was verbirgt sich hinter der „Technologie-Partnerschaft“, von der nun die Rede ist? Wird Oracle das Tiktok-Amerikageschäft übernehmen oder sich nur an Tiktok beteiligten? Wird Oracle nur die Daten der amerikanischen Nutzer verwalten und wenn ja, wer betreibt dann Tiktok weiter? Und reicht das Trump?

          All diese Fragen sind zumindest offiziell noch nicht beantwortet. Klar ist nur: Die Frist läuft ab, viele Tage bleiben nicht mehr.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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