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Satellitennavigationssystem : Galileo funkt nicht mehr richtig

Künstlerische Darstellung eines Galileo-Satelliten Bild: dpa

Die Pannenserie geht weiter: Das Satellitennavigationssystem Galileo ist gestört. Für die Europäer eine mehr als ärgerliche Sache.

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          Ein Defekt hat das fast zehn Milliarden Euro teure europäische Satellitennavigationssystem Galileo vorübergehend lahmgelegt. Wie die federführende EU-Agentur Global Navigation Systems Satellite Agency (GSA) in Prag mitteilte, wurde die Störung durch „technische Schwierigkeiten in der Bodeninfrastruktur“ verursacht. Offenbar geht es dabei um das sogenannte Zeitreferenzsystem PTF, das für den reibungslosen Datendienst unentbehrlich ist. Daher konnten über Galileo bis auf weiteres keine Dienste angeboten und abgerufen werden.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da das System sich seit drei Jahren im Aufbau befindet, hält sich der Schaden in Grenzen. Doch im milliardenschweren Wettbewerb mit Amerikanern, Russen und auch Chinesen um satellitenbasierte Navigations- und Datendienste ist der Ausfall ein heftiger Schlag ins Kontor der Europäer – halten sie ihr System doch für das technisch fortschrittlichste. Dennoch mussten viele Geräte, die schon mit Galileo arbeiten, auf das amerikanische GPS-System umgeleitet werden. Je nach technischer Ausstattung können Nutzer auch auf das russische Glonass- oder das chinesische Beidou-System zurückgreifen. Diese Systeme arbeiteten bislang ohne größere Schwierigkeiten. Das mit Galileo verbundene Notrufsystem für Unglücksfälle ist den Angaben zufolge von der technischen Panne nicht betroffen.

          Panne in einem der zentralen Computerprogramme

          Fachleute seien dabei, die Fehler sobald wie möglich zu beheben, heißt es seitens der Agentur GSA. Offenbar liegt die Ursache der Panne in einem der zentralen Computerprogramme. So fiel Ende vergangener Woche eine Spezialsoftware aus, die die Referenzzeiten für die Uhren in den einzelnen Satelliten erstellt. Diese Referenzzeit ist wichtig, um Kunden mit zuverlässigen Navigationsdaten zu versorgen und das Netz der Satelliten im All nicht reißen zu lassen. So hat jeder Satellit nicht nur eine sehr präzise Atomuhr an Bord, sondern gleich vier. Auch sind diese Uhren mit den Uhren an Bord der anderen Satelliten verbunden. Und diese Verbindungen sind aus offenbar bislang nicht geklärten Gründen gestört. Vor zwei Jahren hatte es schon einmal Schwierigkeiten mit den Zeitmesseinheiten an Bord der Galileo-Satelliten gegeben. Dabei sollen die europäischen Atomuhren die besten sein, die es derzeit gibt.

          Während Amerikaner, Russen und Chinesen ihre globalen Satellitennavigationssysteme über das Militär betreiben, liegt Galileo in zivilen Händen. Die Europäische Union fungiert als Auftraggeber. Die EU hatte die Entwicklung und den Bau in den neunziger Jahren finanziert und angeschoben. Bislang brachte sie rund zwei Dutzend Satelliten ins All. Nach einer Anlaufzeit von 17 Jahren nahmen die Europäer vor drei Jahren den Betrieb auf. Bis 2021 soll das gesamte System im All sein und dort reibungslos arbeiten. Schon heute sind Positionsbestimmungen durch Galileo möglich. Neuwagen in der EU sind seit vergangenem Jahr mit Navigationssystemen ausgestattet, die neben dem amerikanischen GPS auch die Nutzung von Galileo erlauben. Doch die Navigationsdienste der Europäer werden noch nicht allzu häufig genutzt, da sich das 40 Jahre alte amerikanische System als überaus robust und zuverlässig erwiesen hat.

          Milliardenprojekt ohne Nutzen?

          Von den insgesamt fast 30 europäischen Galileo-Satelliten sind momentan 22 im Einsatz. Nächstes Jahr sollen die übrigen Satelliten in den Weltraum geschossen und in das Netzwerk eingebracht werden. Das gesamte System wird über GSA in Prag gesteuert. Zwei Kontrollzentren überwachen die Arbeit: Eines befindet sich im deutschen Oberpfaffenhofen, eines im italienischen Fucino. Oberpfaffenhofen kontrolliert die Konstellation der Satelliten, Fucino stellt den Nutzern die Daten für die Navigation bereit.

          Ursprünglich sollte das Galileo-System schon 2008 in den Vollbetrieb gehen. 1999 plante die EU rund drei Milliarden Euro für den Aufbau ein. Sowohl der Zeitpunkt als auch der Kostenrahmen wurden seitdem überzogen. Im EU-Haushalt bis 2020 sind 7,2 Milliarden für den Aufbau plus drei weitere Milliarden für den Betrieb vorgesehen. Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die von einem Milliardenprojekt ohne Nutzen sprechen. Die Befürworter dagegen betonen, Europa müsse sich in Sachen Navigation von Amerika unabhängig machen.

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