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Telekommunikation : Für die Telekom ist das Coronavirus nicht nur Fluch

Das Logo der Deutschen Telekom leuchtet auf dem Dach der Unternehmenszentrale. Bild: dpa

Der Telekommunikationskonzern senkt den Preis einiger Tarife und kooperiert mit Disneys Streamingdienst. Das könnte Kunden anlocken, die demnächst vermehrt zuhause sind.

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          Das neuartige Coronavirus treibt die Deutsche Telekom gleich auf mehreren Feldern um: Während die Ausrichtung der Telekom-Hauptversammlung in Bonn von Stunde zu Stunde unwahrscheinlicher wird, dürfte der Telekommunikationskonzern in bestimmten Bereichen auch profitieren. So bleiben in Zukunft vermutlich noch mehr Deutsche zuhause, egal ob sie krankgeschrieben sind oder von zu Hause aus arbeiten. Das dürfte sich auch auf die Nutzung von Telekom-Angeboten auswirken, wenngleich Dirk Wössner, der Deutschlandchef der Telekom, in einer Telefonkonferenz am Donnerstag noch keinen Zusammenhang ziehen wollte.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Gleichwohl kündigte Wössner eine Kooperation mit dem amerikanischen Unterhaltungskonzern Disney an. Die Telekom bietet ihren Kunden das Streamingangebot Disney Plus künftig auch zu einem reduzierten Preis an. Damit will das Unternehmen seine Position im umkämpften Telekommunikationsmarkt verbessern. Der Großteil der meistgesehenen Kinofilme auf der Welt stammen von Disney, der Unterhaltungskonzern geht mit seiner Streamingplattform mit Marken wie Marvel oder Star Wars in den Wettbewerb mit Diensten wie Netflix oder der Videoplattform des Online-Händlers Amazon.

          Die Telekom umwirbt Neukunden für ihre Mobilfunk- und Internettarife zudem mit Preisnachlässen: Für den Tarif Magenta Zuhause XL etwa senkt die Telekom den Monatstarif um 5 Euro, für die teureren Tarife mit schnellerer Internetgeschwindigkeit sinken die Preise ebenfalls: Wer 500 Megabit je Sekunde haben will, zahlt mit knapp 60 Euro von April an 10 Euro weniger im Monat, bei der Gigabit-Verbindung werden es statt 119 Euro dann 80 Euro.

          Wettkampf mit Vodafone

          Es gehe bei den neuen Tarifen darum, was die Kunden nachfragten, sagte Michael Hagspihl, der Geschäftsführer im Bereich Privatkunden. Die jetzigen Angebote seien daher auch keine Reaktion auf die jüngsten Tarife des Mobilfunkkonkurrenten Vodafone. „Wir zählen keine Sim-Karten, sowas hat man früher gemacht“, sagte Hagspihl mit Blick auf Vodafone, die sich zuletzt gerühmt hatten, gemessen an der Anzahl der Sim-Karten in Deutschland größter Anbieter hierzulande zu sein. Die Telekom sei nach Umsatz mit Abstand größer, sagte Hagspihl.

          Auch die Auswirkungen auf Sportveranstaltungen durch das Coronavirus spürt der größte deutsche Telekommunikationskonzern als Partner vieler Veranstalter. Während der Sportsender Sky angekündigt hat, die Fußballspiele der Bundesliga, die am Wochenende auch vor leeren Rängen stattfinden werden, für alle Nutzer kostenlos zu übertragen, steht die Telekom bei einigen Sportarten vor dem Problem, dass sie gar nicht stattfinden. In dem Videoangebot Magenta Sport überträgt das Unternehmen etwa die Eishockey- und Basketball-Bundesliga, außerdem Spiele in der dritten Fußballliga und im Frauenfußball. Die Saison im Eishockey ist schon abgesagt, auch Spiele in anderen Sportarten stehen auf der Kippe. Hagspihl kündigte an, dass es für die Kunden deshalb bald weitere Informationen gebe. Ob das bedeutet, dass sie Gutscheine oder einen Preisnachlass bekommen, wollte er zunächst nicht mitteilen. Man sei noch in Verhandlung mit den Ligen.

          Ebenfalls in Gesprächen ist die Telekom mit der Stadt Bonn über ihre Hauptversammlung, die eigentlich am 26. März stattfinden soll. Auch die ehemalige Bundeshauptstadt hat alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten, zu der Hauptversammlung der Telekom strömen in der Regel deutlich mehr Aktionäre. Obwohl alles dafür spricht, dass die Veranstaltung nicht stattfindet, wollte sich Wössner am Donnerstagmittag noch nicht festlegen.

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