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In Frankreich : Gericht stoppt Großteil der Auslieferungen von Amazon

Amazon betreibt rund um die Welt zahlreiche Logistik-Zentren, auch in Lauwin-Planque im Norden Frankreichs. Bild: Reuters

Der führende Online-Händler in Frankreich ist nun weitgehend vom zweitgrößten Markt in der EU abgeschnitten. Grund ist ein Streit um den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer.

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          Amazon darf in ganz Frankreich nur noch einen Bruchteil seiner Waren ausliefern – Lebensmittel, Hygiene- und medizinische Produkte. Dieses Urteil hat ein Gericht im Pariser Vorort Nanterre gesprochen, denn die französische Tochtergesellschaft des amerikanischen Unternehmens garantiere nicht die gesundheitliche Sicherheit ihrer Mitarbeiter in den Lagerhallen.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Der führende Online-Händler in Frankreich und Europa ist damit weitgehend vom zweitgrößten Markt in der Europäischen Union abgeschnitten. Das erstinstanzliche Gericht in Nanterre folgt mit seinem Urteil teilweise einer Klage der französischen Gewerkschaft Solidaires, welche die Schließung aller Amazon-Lager in Frankreich gefordert hatte und sich dabei auf das Verbot von Versammlungen von mehr als 100 Personen berufen hat.

          Das französische Gericht bemängelt stattdessen, dass Amazon in Frankreich zwar Maßnahmen zum gesundheitlichen Schutz seiner Mitarbeiter eingeführt und diese in den vergangenen Tagen auch weiterentwickelt habe. Doch das Unternehmen habe die Arbeitnehmervertreter dabei weder vorher konsultiert, noch sie in die Ausarbeitung der sanitären Maßnahmen einbezogen. Die getroffenen Vorkehrungen seien nicht systematisch genug und ohne genaue Prüfung vorgenommen worden, etwa in Bezug auf die Nutzung von Umkleidekabinen. Die Arbeitnehmer seien auch nicht ausreichend über die Maßnahmen informiert worden.

          Und was ist mit den Büchern?

          Die Gewerkschaft und die ebenfalls klagende Organisation „Les Amis de la Terre“ zeigten sich hochzufrieden und sprachen von einem „Sieg“. Das Urteil muss innerhalb von 24 Stunden umgesetzt werden, ansonsten droht Amazon eine Strafe von 1 Million Euro – am Tag.

          Sechs große Amazon-Lager sind in Frankreich davon betroffen. Der Online-Händler darf sein Sortiment erst wieder ausweiten, wenn er systematisch die Gesundheitsrisiken geprüft und die Gegenmaßnahmen zusammen mit den innerbetrieblichen Arbeitnehmer-Instanzen ausgearbeitet hat.

          Für die staatliche Post war in der vergangenen Woche ebenfalls ein Urteil dieser Art erlassen worden, allerdings ohne Sanktionen. Die Post müsse ein Dokument vorlegen, das die Bewertung der Gesundheitsrisiken für die Arbeitnehmer nachweise; auch psychosoziale Risiken seien dabei einzubeziehen. Das Unternehmen habe zwischen essentiellen und nicht-essentiellen Tätigkeiten zu unterscheiden.

          Amazon ist nach eigenen Angaben „perplex“ im Angesicht des Urteils. Das Unternehmen verwies darauf, dass davon auch viele andere Händler betroffen seien, die Amazon als Marktplatz benutzen. „Nichts ist uns wichtiger als die Sicherheit unserer Mitarbeiter“, twitterte Amazon. Daher habe das Unternehmen seinen Beschäftigten in den vergangenen Wochen 127.000 Packungen von Reinigungstüchern, mehr als 27.000 Liter hydro-alkoholische Desinfektionsmittel und mehr als 1,5 Millionen Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt. Täglich sei die Temperatur von Beschäftigten gemessen worden, man habe auf einen Abstand der Mitarbeiter untereinander von 2 Metern geachtet, und die Reinigungsteams verdreifacht. Nun werde man „mit allen Beteiligten“ an Lösungen arbeiten, teile Amazon mit.

          Ein Nebenaspekt der Auseinandersetzung ist derweil, dass die Franzosen nun weniger leicht an Bücher kommen. Dabei hatte der französische Präsident Emmanuel Macron sie Mitte März während der Verkündigung der Ausgangssperre dazu aufgerufen „Bücher zu lesen“. Der bürgerlich-konservative Oppositionspolitiker Eric Woerth appellierte indes an die Regierung, einen strategischen Exit-Plan für die verschiedenen Wirtschaftsbranchen auszuarbeiten. „Dabei geht es auch darum, wie man die sanitäre Sicherheit der Beschäftigten garantiert und die juristische Sicherheit der Unternehmenschefs. Sie dürfen nicht Angst haben, sich vor Gericht wiederzufinden, wenn ihr Unternehmen die Arbeit wieder aufnimmt“, sagte Woerth.

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