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Freeletics : Münchener Fitness-App rüstet auf

Übungen ohne Geräte gibt es mit der App schon zahlreich. Bild: Patrick Slesiona

Zuhause wie im Fitnessstudio trainieren? Freeletics stellt ein neues Angebot vor – und will am Nutzerwachstum während der Pandemie anknüpfen.

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          Freeletics hat auf dem Web Summit in Lissabon eine Weiterentwicklung seiner Produkte angekündigt, mit der sie die weltweite Vormachtstellung auf dem prosperierenden Markt der Fitness-Apps ausbauen möchten. Das Münchner Unternehmen stellte für das erste Quartal des kommenden Jahres die Markteinführung eines auf Künstlicher Intelligenz basierenden Gewichttrainings in Aussicht, das sich anders als alle bisherigen Programme, die ohne Geräte auskamen, wiederum an Sportler richtet, die weder eine Vereinszugehörigkeit noch eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio anstreben, um ihren Körper in Form zu bringen.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Die Entwicklung der dafür notwendigen Übungsgeräte unter der Bezeichnung „Freeletics Staedium“, die an diesem Donnerstag in den Vorverkauf gehen, ist eine Reaktion auf die Erfahrungen während der Pandemie und entsprechende Rückmeldungen der Nutzer, die in einer Studie zu ihren bevorzugten Gewohnheiten im Home-Gym befragt wurden. Aktuell umfasst der Kundenkreis von Freeletics eigenen Angaben zufolge 53 Millionen Follower, die sich entweder für das kostenfreie Basisprogramm entscheiden können oder für die umfangreicheren Versionen, die im Abo zu haben sind. Anfang 2020 waren 40 Millionen User dabei, und mit seinen Wachstumsraten setzt das Münchner Unternehmen in der Branche Standards.

          Aus Training ein Spiel machen

          Begonnen hat alles im Jahr 2013, initiiert durch die Idee der drei Gründer Andrej Matijczak, Mehmet Yilmaz und Joshua Cornelis, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in unterschiedlichen Fachrichtungen studierten, sich über gemeinsame Sportinteressen kennenlernten und das Projekt aus der Taufe hoben. Sie haben sich inzwischen aus dem einstigen Start-up zurückgezogen und ihre Anteile komplett veräußert. Stattdessen stiegen die amerikanische Investoren Fitlab, Causeway Media Partners und Jazz Venture Partners ein, die mit eine 45-Millionen-Dollar-Finanzierung die Expansion beschleunigen halfen.

          Mittlerweile handelt es sich bei Freeletics nach eigenem Selbstverständnis um ein „Grown-up“, wie ein Sprecher gegenüber der F.A.Z. bekräftigte, aus den Kinderschuhen sei man herausgewachsen. Am Standort München, von wo aus auch sämtliche internationalen Aktivitäten gesteuert werden, sind 165 Mitarbeiter aus fast vierzig Nationen beschäftigt. Daniel Sobhani, der CEO von Freeletics, nannte es als vorrangiges Bestreben von Freeletics, einen Beitrag zum „Holistic Fitness Lifestyle“ zu leisten, der gerade bei digitalaffinen Sportlern hoch im Kurs stehe. „Die Fitnessbranche hat sich in den vergangenen Jahren oft darum gekümmert, wie man möglichst schnell möglichst viele Muskeln aufbaut oder sich einen Beach-Body erarbeitet. Solche Zielsetzungen sind zu kurz gedacht.“

          Freeletics-Nutzer können sich über die sozialen Medien miteinander vernetzen, um Workouts zu absolvieren und Kraft, Kondition sowie Ausdauer aufzubauen. Zudem kamen jüngst Anwendungsmöglichkeiten hinzu, die sich mit mentaler Gesundheit und gesunder Ernährung beschäftigen. Das Geschäft entwickelte sich während der Corona-Krise überproportional. Mit den neuen „smarten“ Hanteln, die wie eine Storage-Bank und eine Konsole zum „Staedium“-Paket zählen, soll dieser Kurs fortgeführt werden.

          Das Equipment, bei dem auf Tastendruck ein Gewicht zwischen zwei und 24 Kilogramm eingestellt werden kann, soll das Ganzkörpertraining abwechslungsreicher machen. Barcodes in den Gewichtsscheiben tracken dabei den Bewegungsablauf, bei dem alle relevanten Muskelgruppen von den Schultern, über die Hüfte bis zu den Füßen gescannt werden. Es werde möglich sein, in Spielform über eine Kamera, die zur Ausstattung gehört und die mit einem ans Internet angeschlossenen Bildschirm verbunden werden kann, in Wettkampfform gegen andere User anzutreten. „Wir wollen so mit unserem neuen Angebot aus dem Training auch ein Spiel machen und einen größeren Entertainment-Faktor in den Kraftsport reinbringen“, sagte der Sprecher.

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