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Sprachlern-App Babbel : „Wir bringen vielen Amerikanern Deutsch bei“

Markus Witte und Julie Hansen, Amerika-Chefin von Babbel Bild: Techcrunch

Millionen Menschen nutzen Babbel, um Sprachen zu lernen. Im FAZ.NET-Gespräch erzählt Babbel-Gründer Markus Witte, dass er jetzt Sprachreisen oragnisiert – und den Amerikanern Deutsch beibringt.

          2 Min.

          Wie viele Sprachen sprechen Sie, Herr Witte?

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          (lacht) In Deutschland würde ich wohl sagen vier: Deutsch, Englisch, Französisch lese ich viel, Sartre zum Beispiel. Auf Italienisch kann ich mich auch gut verständigen. In Amerika würde ich auch Spanisch noch nennen. Das kann ich aber nicht wirklich gut. Die deutsche Vorstellung ist da sehr viel enger. Ich kann eigentlich nur ein paar Sätze Spanisch. Aber in Amerika reicht das schon aus. Französisch, Spanisch und Italienisch habe ich übrigens mit Babbel gelernt.

          Sie haben gerade bekanntgegeben, dass Sie jetzt auch Sprachreisen anbieten möchten. Reicht die App doch nicht, um Sprachen zu lernen?

          Die Frage ist: Wie weit will man kommen? Man kann mit der App so weit kommen, dass man Gespräche führen kann. Für mache Lerner dauert das aber zu lange. Und für Fortgeschrittene ist die Erfahrung oft nicht reichhaltig genug. Manche sagen dann: Ich lerne jeden Tag 10 Minuten mit der App. Das ist gut, aber man kann in 14 Tagen keinen riesigen Sprung erwarten. Dagegen ist es von keiner App jemals schlagbar, mit einem Lehrer in einem Land zu lernen. Am Ende sprechen doch Menschen mit Menschen. Sprachen lernen ist eine sehr menschliche Angelegenheit. Das beherzigen wir auch bei allen Kursinhalten für unsere App.

          Oder verdienen Sie mit der App nicht genug Geld?

          Wir schauen uns das vor allem aus der Nutzerperspektive an: Die App alleine ist auf Dauer für die Nutzer nicht ausreichend, um auf stark fortgeschrittenem Level zu lernen. Und mit den Sprachreisen können wir dieses Lernen von Muttersprachlern für unsere Nutzer noch einfacher machen.

          Sie haben dafür ein Berliner Unternehmen gekauft. War das Ihr erster Zukauf?

          Wir haben davor schon zwei Unternehmen gekauft. Das ist jetzt das dritte. Wir haben eine britische Firma gekauft, die „friends abroad“ hieß, und eine aus dem Silicon Valley. Bei beiden ging es aber nicht darum, das Produkt auszubauen, sondern Marktkenntnis einzukaufen. Im aktuellen Fall geht es darum, unsere interne Entwicklung zu beschleunigen. Wir haben uns erst entschlossen, in diesen Markt der Sprachreisen zu gehen. Dann haben wir geschaut: Wie lange dauert es, eine Buchungsplattform aufzubauen? Und schließlich haben wir uns umgeschaut. Tatsächlich hat Lingo Ventura das gebaut, was wir wollten. Wir haben die gekauft und dadurch im Endeffekt zwei Jahre gespart.

          Und wohin sollen die Sprachreisen gehen?

          Überall hin. Wir haben mit Lingo Ventura ein Netzwerk mit mehr als 200 Sprachschulen in 100 Städten aus 35 Ländern übernommen. Auch preislich gibt es mehrere Optionen. Ein wesentlicher Treiber für die Kosten sind die Unterkunft und der Flug. Insgesamt sind Sprachreisen natürlich teurer als Apps. Die meisten Reisen kosten mehrere Hundert Euro. Manche auch mehr als Tausend.

          Sie sind einiger Zeit auch in Amerika aktiv. Die wenigsten Amerikaner sprechen doch überhaupt keine Fremdsprache. Was wollen Sie da also?

          Wir haben in diesem Jahr in Amerika mehr als eine Million Abos verkauft. Das ist ein Anzeichen dafür, dass es echtes Interesse gibt. Es ist durchaus so, dass Sprachen lernen nicht so selbstverständlich ist wie hier. Das wächst aber sehr stark – unser Umsatz in Amerika um mehr als 100 Prozent jedes Jahr.

          Und wer nutzt die App in Amerika?

          In absoluten Zahlen sind die Küsten natürlich die Hauptbereiche. Aber wenn ich die Einwohnerzahl einberechne, dann ist der Mittlere Westen sehr stark. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass es dort viele Menschen mit deutschem, holländischem, schwedischem Hintergrund gibt. Und dadurch gibt es großes Interesse. In Ohio trifft man viele Leute, die deutsche Vorfahren haben. Die sprechen aber kein Wort Deutsch. Vor allem Babyboomer und Millenials lernen mit Babbel.

          Hilft das?

          Für jeden der eine Sprache lernt, wird die Welt größer. Und natürlich transportieren wir damit auch Werte wie Vielfalt und Offenheit. Wenn wir Amerika dadurch verändern, dann sicherlich nicht zum Schlechten. Wir sind aber keine Partei und haben keinen politischen Auftrag. Das hat viel mit Offenheit zu tun.

          Wenn ich eine neue Sprache lernen möchte, worauf muss ich achten?

          Auf gar nicht viel. Einfach anfangen, ist mein Rat. Viele Menschen denken einfach zu lange nach.

          Das Gespräch wurde während der Techcrunch-Konferenz „Disrupt Berlin“ geführt.

          Sprachlern-App Babbel

          Babbel ist eigenen Angaben zufolge die umsatzstärkste Sprachlernapp der Welt. Das Berliner Unternehmen wurde 2008 gegründet und hat heute mehr als 700 Mitarbeiter in New York und Berlin. Nutzerzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. Markus Witte ist einer der Gründer des Unternehmens.

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