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Fahrdienstvermittler : Uber muss in London um seine Lizenz zittern

Die Uber App auf einem Smartphone Bild: dpa

Für Uber geht es in London um Sein oder Nichtsein: Der Fahrdienstvermittler könnte in der britischen Hauptstadt seine Lizenz verlieren.

          2 Min.

          Die Lizenz für den Fahrdienstvermittler Uber in der mit rund neun Millionen Einwohnern größten westeuropäischen Metropole steht auf der Kippe. Am Montag wird die zuständige Behörde Transport for London (TfL) die Entscheidung verkünden, ob Ubers befristete Lizenz um fünf Jahre verlängert wird. Das Unternehmen aus San Francisco beschäftigt in London eine Armee von 45.000 Fahrern, viele davon sind Teilzeitfahrer. Laut dem Fernsehsender Sky News erwägen die TfL-Verantwortlichen tatsächlich einen Lizenzentzug für Uber – es wäre das zweite Mal innerhalb von gut zwei Jahren. Möglich sei aber auch eine weitere befristete Verlängerung.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Etwa drei Millionen Londoner nutzen die Uber-Fahrdienste, doch 2017 erlitt das Unternehmen einen großen Rückschlag in London, als TfL entschied, Uber sei nicht geeignet („not fit and proper“), Fahrdienste zu vermitteln. Hauptkritik waren Sicherheitsmängel. Seitdem hat das von Dara Khosrowshahi geleitete kalifornische Unternehmen in London einige Dinge geändert – die Frage wird sein, ob es genug ist.

          Gegenspieler Ubers ist der Londoner Taxifahrer-Verband LTDA. Er vertritt die Interessen der Betreiber der traditionellen schwarzen Taxis, der „Black Cabs“. Rund 21.000 registrierte Taxis fahren laut Verkehrsministerium durch die Hauptstadt, mit leicht rückläufiger Tendenz. Aus Protest gegen Uber haben Black-Cab-Fahrer Demonstrationen und Straßenblockaden veranstaltet. Uber hat seit 2012 mit günstigeren Preisen den Markt aufgewirbelt und strebt eine Dauerlizenz an. Als TfL Uber vor zwei Monaten nur eine befristete Verlängerung zugestand, sank der Aktienkurs des Konzerns zeitweilig um mehr als 5 Prozent.

          Kritik an Sicherheit, Ausbildung und Arbeitnehmerrechten

          Im Zentrum des Streits stehen Fragen der Sicherheit der Kunden, der Ausbildung der Fahrer und ihrer Arbeitnehmerrechte. Im September 2017 wurde Uber die Lizenz für London entzogen, nachdem das Unternehmen kriminelle Vorfälle einiger seiner Fahrer nicht gemeldet hatte und nicht nachweisen konnte, dass die Fahrer ausreichende Versicherungen und Ausbildungen haben und Kontrollmechanismen gegen Betrug bestehen. All diese Missstände seien nun abgestellt, versichert das Unternehmen. Zwar hätten sich die Unternehmenskultur und Führung verbessert, teilte die TfL im September mit, aber es reichte ihr noch nicht.

          Vorsitzender der Behörde ist der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan (Labour), der sich in knapp sechs Monaten zur Wiederwahl stellt. Die Taxifahrer sind eine wichtige Wählerklientel. Am Wochenende drängte der Unternehmerverband CBI die Behörde, Uber nicht den Stecker zu ziehen. Wettbewerber auf dem Londoner Fahrdienstemarkt sind vor allem Bolt, Ola und Viavan, die teils mit noch aggressiveren Preisen den Black Cabs zusetzen. Nach Medienberichten könnte Uber nun gezwungen werden, zur Verbesserung der Sicherheit von allen Fahrern Fotos und Fingerabdrücke zu sammeln und zur individuellen Lizenzierung zu hinterlegen.

          Ein Verlust der Londoner Lizenz wäre für Uber ein massiver Rückschlag. Das kalifornische Unternehmen ist im Mai 2019 in New York an die Börse gegangen. Seitdem sind die Verluste gestiegen und der Kurs drastisch gefallen. Vom Ausgabekurs von 45 Dollar – das entsprach einer Bewertung des Unternehmens mit 82 Milliarden Dollar – ist der Kurs um ein Drittel gesunken und lag zuletzt bei 29,50 Dollar. In Europa kämpft das Unternehmen an mehreren Fronten mit Rechtsstreiten und Verboten. In Deutschland hat Uber seinen Dienst Uber-Pop 2015 beenden müssen, weil er gegen das Personenbeförderungsgesetz verstößt. 2018 verbot das Bundesverfassungsgericht den (schon eingestellten) Limousinendienst Uber Black. Uber-Taxis gibt es in Berlin, München, Köln, Düsseldorf und Frankfurt, doch die Marktanteile sind eher klein, verglichen mit den traditionellen Taxis.

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