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Vor Anhörung in Washington : Facebooks Libra-Koalition wankt

Immer mehr Partner ziehen sich zurück: Steht Facebooks Digitalwährung Libra vor dem Aus? Bild: Reuters

Das Währungsprojekt des sozialen Netzwerks wird von einem Exodus an Partnern erschüttert: Mastercard, Visa, Ebay und Stripe ziehen sich zurück. Der Druck auf Mark Zuckerberg vor seinem baldigen Auftritt in Washington steigt.

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          Facebook laufen die Partner bei seinen Plänen für die Digitalwährung Libra davon. Am Freitag verkündeten gleich fünf Unternehmen, sie wollten zumindest vorerst an dem Projekt nicht teilnehmen. Die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa, der Finanztechnologiespezialist Stripe, der Online-Händler Ebay und der lateinamerikanische Bezahldienst Mercado Pago teilten mit, sie wollten vorerst nicht an der Libra Association teilnehmen – einer in der Schweiz angesiedelten Organisation, die die Kryptowährung kontrollieren soll.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die vier Unternehmen gehörten zu den prominentesten aus der Gruppe von mehr als zwei Dutzend Partnern, die Facebook bei der Vorstellung von Libra im Juni als „Gründungsmitglieder“ ausgewiesen hatte. In der vergangenen Woche war schon der Bezahldienst Paypal als erstes Unternehmen abgesprungen. Damit hat Facebook nun insgesamt sechs Verbündete verloren, darunter fast alle, die der Finanzindustrie zuzurechnen sind. Daneben haben sich ursprünglich Organisationen aus sehr unterschiedlichen Branchen dem Vorhaben angeschlossen, darunter die Fahrdienste Uber und Lyft, die Musikplattform Spotify oder der Telekommunikationskonzern Vodafone.

          Die am Freitag abgesprungenen Unternehmen lieferten, wenn überhaupt, nur vage Begründungen für ihren Schritt. Visa deutete aber an, die Entscheidung habe mit dem Widerstand von Politikern und Regulierern zu tun. Ob das Unternehmen künftig doch noch dem Projekt anschließe, werde unter anderem davon abhängen, ob die Libra Association „alle notwendigen regulatorischen Erwartungen völlig zufriedenstellen“ könne.

          Bedrohliche Briefe aus dem Senat

          Tatsächlich hat sich der Druck auf die Finanzdienstleister in der Gruppe von Libra-Partnern zuletzt erheblich erhöht. In dieser Woche schickten die beiden amerikanischen Senatoren Sherrod Brown und Brian Schatz Briefe an die Vorstandsvorsitzenden von Mastercard, Visa und Stripe und forderten dabei in bedrohlich klingenden Worten auf, ihr Engagement in dem Währungsprojekt zu überdenken. Sie schrieben, die Unternehmen könnten sich im Falle ihrer Teilnahme an der Libra Association auf ein hohes Maß an regulatorischer Überwachung einstellen. Facebook versuche, Risiken des Projekts auf Partner aus der Finanzindustrie abzuwälzen, die staatlicher Regulierung unterliegen.

          Die Politiker wiesen auch darauf hin, dass Facebook es nicht geschafft habe, Unzulänglichkeiten auf Gebieten wie Datenschutz auszumerzen. Etwaige Schwächen im Risikomanagement des Unternehmens würden auch zu Schwächen bei den Libra-Partnern. Weiter hieß es in den Briefen, Facebook habe bislang keinen klaren Plan geliefert, wie verhindert werden solle, dass die Digitalwährung die Finanzierung von Kriminalität und Terrorismus erleichtern, die globalen Finanzsystem destabilisieren oder der Geldpolitik in die Quere kommen könne.

          Eher doch kein Kollektivprojekt

          Facebooks Libra-Pläne sind sowohl in Europa als auch in Amerika auf große Vorbehalte gestoßen. Regierungsmitglieder aus Deutschland und Frankreich haben angekündigt, die Digitalwährung blockieren zu wollen. Auch der amerikanische Präsident Donald Trump und Jerome Powell, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, äußerten sich kritisch.

          Der Ausfall einer Handvoll von Partnern erhöht nun den Druck auf Mark Zuckerberg vor einem mit Spannung erwarteten Auftritt in Washington. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Facebook-Vorstandsvorsitzende am 23. Oktober vor einem Ausschuss des Abgeordnetenhauses aussagen soll. Maxine Waters, die Vorsitzende dieses Gremiums, gehörte zu den frühen Kritikern des Projekts und hat Facebook schon im Juni aufgefordert, die Entwicklung der neuen Währung so lange auf Eis zu legen, bis sich der Kongress und Regulierer ausführlich damit auseinandergesetzt haben.

          Facebook hat Libra als Gemeinschaftsprojekt konzipiert und stellt sich selbst als eines unter vielen Mitgliedern der Libra Association dar. Der Verlust namhafter Partner erschwert es dem Unternehmen aber, die Währung als Kollektivprojekt zu beschreiben. Am kommenden Montag soll in Genf zum ersten Mal das Führungsgremium der Libra Association zusammenkommen, und wie ein Sprecher am Freitag sagte, sollen dann auch die offiziellen Gründungsmitglieder verkündet werden. Die bisherigen Partner haben nur informelle Absichtserklärungen abgegeben. Als Paypal sich zurückzog, hatte der Sprecher gesagt, es gebe insgesamt 1500 Organisationen, die „enthusiastisches Interesse“ an einer Teilnahme bekundet hätten.

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