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Mark Zuckerberg : Absturz eines Überfliegers

Mark Zuckerberg, 33, hat Facebook mit 19 Jahren gegründet. Bild: Reuters

Mark Zuckerberg hat Facebook in Windeseile zum Kult gemacht. Jetzt häufen sich die Skandale – das geschieht ihm recht.

          6 Min.

          Es gibt Dokumente, deren Inhalte auch nach langer Zeit so frisch und relevant klingen wie bei ihrem Erscheinen. Der Brief, den Mark Zuckerberg vor sechs Jahren anlässlich des Börsengangs von Facebook an seine künftigen Aktionäre geschrieben hat, gehört nicht dazu. Er war als eine Art Manifest gedacht, mit dem der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks seine Unternehmensphilosophie erklären wollte. Zuckerberg sprach stolz von internen Motivationsparolen wie „Move fast and break things“ („Beweg dich schnell und mach Dinge kaputt“) oder „Done is better than perfect“ („Fertig ist besser als perfekt“), um zu illustrieren, welch ungestüme Mentalität bei dem Aufsteiger aus der amerikanischen Internetbranche herrsche. Und er spickte das Schreiben mit Wohlfühlansagen. Etwa, dass Facebook eigentlich gar nicht als Unternehmen gedacht gewesen sei, sondern sich auf einer „sozialen Mission“ sehe. Oder dass der Austausch in seinem sozialen Netzwerk Menschen helfe, einander besser zu verstehen. Ja sogar, dass Facebook einen ehrlicheren und transparenteren politischen Dialog ermöglichen könne.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Brief bewegte sich irgendwo zwischen Idealismus und Hybris. Und er hört sich aus heutiger Sicht reichlich schal an. Denn die heile Welt, die Zuckerberg damals beschworen hat, entpuppte sich als Illusion. Neben harmlosen Urlaubs- und Babyfotos ist Facebook zu einer Plattform für Hasskommentare, Gewaltvideos und politisch motivierte Manipulationen geworden. Die neueste – und für Facebook besonders gefährliche – Affäre um den Verlust gewaltiger Mengen von Nutzerinformationen an die britische Datenfirma Cambridge Analytica ist deshalb kein Ausreißer. Das soziale Netzwerk mutet wie eine außer Kontrolle geratene Krawallseite an, die zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt. Und Zuckerberg steht vor einem Scherbenhaufen.

          „Only Good News“

          Wie konnte es so weit kommen? Zwei mögliche Lesarten bieten sich an. Eine wäre, dass Facebook oft naiv war und von einem Technologie-Optimismus verblendet wurde, wie er vielen Unternehmern im Silicon Valley eigen ist. Vielleicht ist das soziale Netzwerk tatsächlich mit den guten Absichten gegründet worden, die Zuckerberg in seinem Brief beschreibt, und machte sich lange keine Gedanken darüber, ob es zum Spielball finsterer Mächte werden könnte. Diesen Eindruck verbreitet das Unternehmen jedenfalls selbst.

          Als es im vergangenen Jahr durch Enthüllungen blamiert wurde, dass bei ihm gezielt Werbung für Nutzer mit dem Interessengebiet „Judenhasser“ geschaltet werden konnte, gab sich Zuckerbergs Geschäftsführerin Sheryl Sandberg völlig verblüfft. O-Ton der Managerin, deren Konferenzzimmer bei Facebook den Namen „Only Good News“ trägt: Facebook habe ja keine Ahnung gehabt, dass sein Anzeigensystem für solche Zwecke eingesetzt werden könnte.

          Auch im Falle der Datenaffäre um Cambridge Analytica stellte sich der Konzern jetzt als Opfer dar und ließ verlauten, er sei empört darüber, getäuscht worden zu sein. Für ein Unternehmen wie Facebook, das sich zur technischen Elite zählt und mit seiner „Hacker“-Mentalität kokettiert, ist es zwar keineswegs schmeichelhaft, sich übertölpeln zu lassen. Aber mit dieser Interpretation stünde der Konzern noch vergleichsweise unschuldig da.

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