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Soziales Netzwerk : Facebook steigert Nutzerzahlen

Facebook kann sogar die Nutzerzahlen wieder steigern. Bild: dpa

Facebook wächst weiter rasant und kann sogar wieder mehr Nutzer anlocken, etlichen Skandalen um mangelnden Datenschutz zum Trotz. Doch der nächste Konflikt ist schon ausgebrochen.

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          Facebook ist im vergangenen Jahr von einer Affäre in die nächste getaumelt. Erst am Mittwoch gab es abermals eine Kontroverse um den Umgang des Unternehmens mit Daten, die auch einen seit längerem schwelenden Streit mit dem Elektronikkonzern Apple weiter eskalieren ließ. Dem Geschäft des sozialen Netzwerks scheint all das aber zumindest bislang nicht spürbar zu schaden. Das Unternehmen meldete am Mittwoch nach Börsenschluss deutlich bessere Quartalszahlen als erwartet. Der Aktienkurs legte nachbörslich zeitweise um mehr als 12 Prozent zu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vielleicht am bemerkenswertesten war, dass Facebook beunruhigende Trends bei der Entwicklung der Nutzerzahlen stoppen konnte. In Europa, wo die Zahl der täglichen Facebook-Nutzer zwei Quartale in Folge gefallen war, gab es diesmal einen Zuwachs von 278 Millionen auf 282 Millionen. Auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt stieg die Zahl nach zwei Quartalen der Stagnation von 185 Millionen auf 186 Millionen. Und auch die Werbekunden, mit denen Facebook sein Geld verdient, bleiben dem Unternehmen offenbar treu. Der Umsatz kletterte in den vergangenen drei Monaten um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar.

          Das blieb zwar hinter dem Wachstum von 33 Prozent im vorangegangenen Quartal zurück, aber Facebook hatte eine deutlichere Abschwächung vorhergesagt, und auch Analysten hatten im Schnitt nur mit 16,4 Milliarden Dollar gerechnet. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, Facebook habe jetzt sieben Millionen Werbekunden. Der Nettogewinn stieg um 61 Prozent auf einen Rekordwert 6,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 2,38 Dollar war um 19 Cent besser als erwartet.

          Facebook-Aktie

          FACEBOOK INC.A DL-,000006

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          Debra Aho Williamson, eine Analystin der Marktforschungsgruppe Emarketer, sagt: „Mit diesen Ergebnissen hat Facebook klar gezeigt, dass die Herausforderungen von 2018 keinen dauerhaften Einfluss auf seine Fähigkeiten hatten, sowohl Umsätze als auch Nutzung zu steigern.“ Diese Auffassung teilt offenbar auch Finanzvorstand David Wehner, der auf die Frage eines Analysten, inwiefern die Negativschlagzeilen Spuren hinterlassen hätten, selbstbewusst antwortete: „Ich lasse die Zahlen für sich selbst sprechen.“

          Zurückhaltender Ausblick

          Gleichwohl gab Wehner einen zurückhaltenden Ausblick. Er sagte, Facebook erwarte im laufenden Quartal ein niedrigeres Umsatzwachstum als in den vergangenen drei Monaten, sowie eine weitere Abschwächung im Laufe des Jahres. Er begründete dies aber nicht mit den diversen Affären rund um das Unternehmen, sondern mit einer Veränderung des Nutzerverhaltens. Immer mehr Nutzer teilen Inhalte über „Stories“-Funktionen, wo sie anders als traditionell üblich bei Facebook nicht dauerhaft, sondern nur für begrenzte Zeit zu sehen sind. Die Anzeigen, die rund um Stories-Inhalte geschaltet werden, bringen aber bislang noch nicht so viel Geld ein wie klassische Facebook-Werbung.

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          Das soziale Netzwerk ist im vergangenen Jahr ein ums andere Mal in die Defensive geraten, insbesondere wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten. Etwa als bekannt wurde, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica auf regelwidrige Weise an Informationen von 87 Millionen Facebook-Mitgliedern herankommen konnte. Vorstandschef Mark Zuckerberg versuchte zu versichern, das soziale Netzwerk sei im Zuge dieser Turbulenzen nicht untätig geblieben. „Wir haben die Art und Weise, wie wir unser Unternehmen führen, fundamental verändert.“ Er verwies zum Beispiel darauf, dass nun mehr als 30.000 Menschen daran arbeiteten, Facebook sicherer zu machen. Vor zwei Jahren seien es noch 10.000 gewesen.

          Neue Datenschutzkontroverse

          Vor der Vorlage von Quartalszahlen hatte eine neue Datenschutzkontroverse für Aufregung um Facebook gesorgt. Wie der Technologieblog „Techcrunch“ berichtete, bezahlte das Unternehmen Teenager und Erwachsene dafür, eine Anwendung („App“) auf Apples iPhones oder Smartphones mit dem Betriebssystem Android zu installieren, die ihm weitreichenden Zugang zu Daten auf den Geräten gab. Zu den Daten, die Facebook über die App sammeln konnte, gehören dem Bericht zufolge private Nachrichten in sozialen Netzwerken, E-Mails, Suchanfragen im Internet, besuchte Internetseiten und Informationen über den Standort von Nutzern. Der Zugang zu den Geräten sei „fast grenzenlos“, heißt es weiter. Die Nutzer der App seien sogar aufgefordert, über einen „Screenshot“ abzufotografieren, was sie beim Online-Händler Amazon.com bestellt haben.

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