https://www.faz.net/-gqe-9d2x2

Was hat Zuckerberg vor? : Facebook und die Banken

Facebook plant seinen Messenger um Finanzservices auszubauen. Bild: Reuters

Die Nachricht, dass Facebook Finanzdaten seiner Nutzer bei Banken angefragt hat, sorgte für Aufregung. Jetzt wiegelt das soziale Netzwerk ab.

          2 Min.

          Facebook will offenbar seinen Kunden verstärkt Finanzdienstleistungen anbieten und sucht dazu den Schulterschluss mit Banken. Wie weit die Ambitionen des sozialen Netzwerks dabei reichen, ist allerdings nicht ganz klar. Das „Wall Street Journal“ hatte zunächst berichtet, das Unternehmen habe große amerikanische Banken gebeten, detaillierte Finanzdaten ihrer Kunden mit ihm zu teilen, darunter Kontostände oder Kreditkartentransaktionen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Beispielsweise habe es Gespräche mit Banken wie JP Morgan Chase, Wells Fargo oder Citigroup über Angebote für Facebooks Kurzmitteilungsdienst Messenger gegeben. Dazu könnte es nach Vorstellung des sozialen Netzwerks gehören, Kunden ihre Kontostände anzuzeigen oder sie vor betrügerischen Transaktionen zu warnen. Wie es weiter hieß, hätten sich in diesen Diskussionen mit Banken Sorgen um Datenschutz als ein Knackpunkt erwiesen, und ein größerer Finanzdienstleister habe aus diesem Grund die Gespräche wieder abgebrochen.

          Facebook beschrieb seine Aktivitäten auf dem Gebiet indessen etwas anders. Das Unternehmen bestritt, Banken aktiv um Informationen über Finanztransaktionen ihrer Kunden gebeten zu haben. Es bestätigte allerdings, Partnerschaften mit Banken und Kreditkartenunternehmen anzustreben, die sich um Chatfunktionen oder Kontoverwaltung drehen. Beispielsweise soll es Nutzern möglich sein, mit Banken über Messenger zu kommunizieren, statt sie anzurufen und dabei möglicherweise in der Warteschleife fest zu hängen.

          Auch Google und Amazon planen Finanzdienstleistungen

          Facebook wies weiter darauf hin, dass diese Angebote vollständig „Opt-in“ seien, also von Kunden selbst aktiviert werden müssten. Zudem würden die damit verbundenen Informationen nicht für Werbezwecke benutzt. Eine Sprecherin sagte außerdem gegenüber der Online-Publikation „Techcrunch“, nicht nur Facebook bemühe sich um Allianzen mit Banken. Umgekehrt kämen auch Finanzdienstleister auf das Unternehmen zu und suchten Partnerschaften.

          Tatsächlich hat Facebook eine ganze Reihe von Bündnissen mit Banken, einige von ihnen drehen sich um den Messenger. Im vergangenen Jahr tat sich das Unternehmen mit dem Bezahldienst Paypal zusammen, dessen Nutzer sich seither über den Messenger gegenseitig Geld zuschicken können. Zudem kooperiert es mit der Citigroup, die seit einigen Monaten ihren Kunden in Singapur eine mit Messenger integrierte Chatfunktion anbietet. Damit ist es den Nutzern zum Beispiel möglich, Kontostände und Informationen über Transaktionen abzurufen. Es wird erwartet, dass dieses Angebot künftig auch für Kunden in anderen Ländern zugänglich gemacht wird. Messenger bietet den Banken eine riesige Plattform. Der Kurzmitteilungsdienst hat mehr als 1,3 Milliarden Nutzer.

          Neben Facebook versuchen auch andere Technologiekonzerne verstärkt, Finanzdienstleistungen anzubieten. Wie es in dem Bericht des „Wall Street Journal“ heißt, sind auch der Internetkonzern Google und der Online-Händler Amazon.com mit der Bitte an Banken herangetreten, Daten zu teilen. Diesen Unternehmen gehe es unter anderem darum, mit ihren digitalen Assistenten „Google Assistant“ und „Alexa“ Bankdienste anzubieten. Im Falle von Facebook ist freilich die Sensibilität rund um den Umgang von Nutzerdaten besonders groß. Das gilt umso mehr, seit das Unternehmen von Enthüllungen in Verlegenheit gebracht wurde, wonach Cambridge Analytica auf unzulässige Weise an Nutzerinformationen herangekommen ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
          Der einstige Wohnsitz des Verdächtigen in Südportugal.

          Mordfall „Maddie“ : Belastende Details gegen Beschuldigten

          Immer mehr Einzelheiten werden über den Deutschen bekannt, der nach Ansicht der Ermittler vor rund 13 Jahren die kleine Madeleine McCann getötet haben könnte. Das Strafregister des Deutschen soll rund 17 Einträge aufweisen.
          Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.