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Falschinformationen verbreitet : Facebook sperrt Konten von Roger Stone und Bolsonaro-Mitarbeitern

  • Aktualisiert am

Roger Stone steht vergangenen Februar vor einem Gerichtsgebäude in Washington. Bild: Brendan Smialowski / AFP

Auf Facebook und Instagram verbreiten Netzwerke von Fake-Accounts planmäßig politische Desinformation. Im Gegenzug entfernt der Konzern nun Vertraute von Donald Trump und Brasiliens Präsident Bolsonaro von seiner Plattform.

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          Facebook hat Dutzende Konten gesperrt, die gezielt politische Desinformation betrieben haben sollen. Betroffen seien der frühere Trump-Berater Roger Stone, die rechtsextreme Hassgruppe „Proud Boys“ sowie ein Netzwerk um Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro, teilte Facebooks Cybersicherheits-Chef Nathaniel Gleicher am Mittwoch mit.

          Ein Netzwerk von 50 persönlichen und geschäftliche Seiten, das sowohl mit der Hassgruppe als auch mit Stone in Verbindung stand, habe über Facebook-Konten Posts über Lokalpolitik in Florida abgesetzt, hieß es. Aktiv seien die Accounts vor allem zwischen 2015 und 2017 gewesen. Auch hätten Stone und seine Partner gefälschte Konten und Follower genutzt, um Stones Bücher und Beiträge anzupreisen. Stones persönliche Profile bei Facebook und Instagram seien ebenfalls gelöscht worden.

          „Proud Boys“ war bereits 2018 mit einer Sperre belegt worden. Doch Unterstützer der Organisation hatten versucht, die Maßnahme mit der Erstellung neuer Seiten oder Konten zu umgehen. Es ist schon das dritte Mal binnen weniger Monate, dass Facebook die Löschung von Inhalten mit Bezug zu „Proud Boys“ bekanntgab.

          Brasilianisches Netzwerk mit Verbindungen zu Bolsonaro

          Außerdem ging Facebook gegen ein Desinformationsnetzwerk brasilianischer Konten vor, das spalterische politische Botschaften verbreitet haben soll. Grund seien die Verbreitung von Falschinformationen, die Nutzung falscher Identitäten sowie andere Verstöße gegen Facebook-Regeln. Die gesperrten Konten werden Personen zugeordnet, die für Präsident Bolsonaro sowie dessen Söhne Eduardo und Flavio gearbeitet haben sollen. Es gehe um mehr als 80 Konten auf Facebook und Instagram.

          Facebooks Cybersicherheits-Chef Gleicher sagte, die Löschungen zeigten, dass Praktiken wie im Falle Stones nicht geduldet würden. „Wir gehen davon aus, dass weitere politische Akteure diese rote Linie überschreiten werden und koordinierte unechte Auftritte nutzen, um die öffentliche Debatte zu beeinflussen.“

          Stone, ein ehemaliger Wahlkampfberater von Präsident Donald Trump, wurde in Zusammenhang mit der Russlandaffäre nach der Präsidentenwahl 2016 wegen Falschaussage vor dem Kongress und Zeugenmanipulation zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er soll diese kommende Woche antreten.

          Facebook sieht sich mit zunehmendem Druck konfrontiert, stärker gegen Hassrede und Falschinformationen vorzugehen. Auf Initiative von Bürgerrechtsgruppen haben sich zahlreiche Firmen einem einmonatigen Werbeboykott angeschlossen.

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