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Vor Zwischenwahlen in Amerika : Facebook sperrt Propaganda-Konten

  • Aktualisiert am

Steckt die in Russland ansässige Internet Research Agency hinter den Fake-Accounts? Bild: AFP

Über zahlreiche Facebook-Accounts haben Unbekannte versucht systematisch Einfluss auf die amerikanische Politik zu nehmen. Nun konnte das Unternehmen die Kampagne enttarnen – und hat schon einen Verdacht wer deren Urheber ist.

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          Das soziale Netzwerk Facebook ist nach eigenen Angaben einer koordinierten politischen Beeinflussungskampagne auf die Spur gekommen. 32 Seiten und Konten mit unechten Identitäten in dem sozialen Netzwerk sowie bei dem zu Facebook gehörenden Foto-Dienst Instagram seien gesperrt worden, teilte der Betreiber des größten sozialen Netzes am Dienstag mit.

          Sie hätten mehr als 290.000 Follower gehabt und mehr als 30 Veranstaltungen im vergangenen Jahr organisiert. Eines der gesperrten Konten habe einen Gegenprotest zu einer Kundgebung weißer, amerikanischer Nationalisten unterstützt. Die Bemühungen, die wahren Betreiber der Konten zu verschleiern, seien intensiver als bei den russischen Aktivitäten 2016 gewesen.

          Verbindungen zu Konten nach Russland

          Ein solches Verhalten sei bei Facebook nicht erlaubt, insbesondere wenn den Nutzern verborgen bleibe, wer tatsächlich hinter den Konten stecke. Das Unternehmen sei erst am Anfang der Ermittlungen und kenne noch nicht alle Fakten und wer hinter der Aktion stecke, erklärte Facebook. Die acht Facebook-Seiten, 17 Profile und sieben Instagram-Konten seien zwischen März 2017 und Mai 2018 angelegt worden und von Facebook vor zwei Wochen entdeckt worden. Insgesamt seien mehr als 290.000 Accounts mindestens einer der verdächtigen Seiten gefolgt. Über die Konten wurden demnach rund 150 Anzeigen für etwa 11.000 Dollar geschaltet

          Das Unternehmen verglich die verdächtigen Aktivitäten mit der mutmaßlich russischen Propaganda zur Beeinflussung der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2016. Allerdings sei das Vorgehen diesmal wesentlich ausgeklügelter gewesen, hieß es in der Mitteilung. Zudem sagte Facebook nicht, ob es sich bei der Kampagne um eine gezielte Einflussnahme auf den Wahlkampf für die Kongresswahlen im November handelte.

          Man habe Hinweise, dass die gefundenen Seiten einige Verbindungen zu Konten der in Russland ansässigen Internet Research Agency gehabt hätten. Diese gilt seit Jahren als Basis für russische Kampagnen in sozialen Medien. Die Gruppe wird beschuldigt, während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 in großem Stil versucht zu haben, über gefälschte Facebook-Profile soziale Spannungen in den Vereinigten Staaten zu verschärfen und Stimmung für den schließlich siegreichen Kandidaten Donald Trump zu machen.

          Facebook sah sich wegen der Vorfälle Vorwürfen ausgesetzt, nicht genug gegen die gezielte Verbreitung von Falschinformationen unternommen zu haben. Es ist nur eine von mehreren Kontroversen, mit denen sich der Konzern herumschlägt. Zuletzt war Facebook massiv in die Kritik geraten, weil Daten von Millionen Nutzern an die britische Firma Cambridge Analytica geflossen waren.

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