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Indien : Facebook soll Hass-Postings bewusst toleriert haben

Das sieht nach einer echten Männerfreundschaft aus: Indiens Ministerpräsident Narendra Modi umarmt Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Das Foto stammt allerdings schon aus dem Jahr 2015. Bild: AP

Facebook manövriert sich in Indien zwischen die politischen Fronten: Der Zuckerberg-Konzern soll Hass-Postings von Regierungspolitikern akzeptiert haben, um sich Vorteile zu verschaffen.

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          Facebook gerät in Indien zwischen die politischen Fronten. Die Opposition unter Rahul Gandhi hat an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg geschrieben und um größere Transparenz gebeten. Dahinter steht die Befürchtung, Facebooks Kontrolleure hätten Hass-Aufrufe der Regierungspartei bewusst nicht aus dem Netz genommen, um dafür wirtschaftliche Vorteile von der Regierung zu erlangen. Der Zuckerberg-Konzern, der mehrere Fehlversuche hatte, in den riesigen Wachstumsmarkt Indien vorzudringen, bestreitet die Vorwürfe der indischen Politiker. Manager von Facebook sind ihrerseits vor Gericht gezogen, weil sie aufgrund der Vorwürfe der Parteinahme mit dem Tode bedroht worden seien.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Generalsekretär des indischen Parlaments, KC Venugopal, verlangt von Facebook, „alle Hass-Postings seit 2014 offenzulegen“. Zugleich mahnt er die Amerikaner, je nach dem Ergebnis der geforderten Untersuchung, das Management von Facebook India auszutauschen. Gandhi legt auf Twitter nach: „BJP kontrolliert Facebook und Whatsapp. Wir dürfen keine Manipulation unserer schwer erkämpften Demokratie durch Einseitigkeit, Fake-News und Hassreden zulassen“, schreibt er mit Blick auf die regierende Bharatiya Janata Party (BJP) unter Ministerpräsident Narendra Modi.

          Die amerikanische Zeitung The Wall Street Journal hatte von der Zusammenarbeit zwischen Facebook und der BJP berichtet. „Facebooks Beteiligung an der Verbreitung gefälschter und hasserfüllter Nachrichten muss von allen Indern hinterfragt werden“, fordert Gandhi. Generalsekretär Venugopal verlangt in seinem Brief eine parlamentarische Untersuchungskommission. Anfang September, wenn das Komitee für die Informationstechnologie unter Führung des wortgewaltigen Oppositionspolitikers Shashi Tharoor zusammentritt, wird der „Missbrauch sozialer Medien“ auf der Tagesordnung stehen. Tharoor erklärte schon, der Rat sei durchaus berechtigt, Strafen auch gegen Facebook zu verhängen.

          Schon im vergangenen Jahr hatten Oppositionspolitiker den Amerikanern im Parlament in Neu Delhi vorgehalten, eigene Kommentare „zensiert“ zu haben.  Facebook versucht seit Jahren, tiefer in den indischen Markt vorzudringen, der für das amerikanische Unternehmen weniger schwierig erscheint als der chinesische unter Führung der Kommunistischen Partei. Indien zählt schon jetzt rund 350 Millionen Nutzer von Facebook und mehr als 400 Millionen des Nachrichtendienstes Whatsapp vom selben Konzern.

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