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Datenskandal : Facebook: „Wir wurden hintergangen“

  • Aktualisiert am

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (hier im April 2017 in San Jose) sieht sein Unternehmen in der Rolle des Opfers: „Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden.“ Bild: Reuters

Im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica gerät auch Facebook ins Visier der Ermittler. Das Unternehmen selbst sieht sich hingegen als Opfer.

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          Facebook hat auf den Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica mit Bedauern reagiert. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung von Facebook. „Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden“, heißt es weiter. Facebook werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen.

          Die britische Firma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Großteil des Wahlkampfs für Donald Trump bestritten hat, soll Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen missbraucht haben. Die britische Datenschutzbeauftragte  Elizabeth Denham ist überzeugt, dass das Unternehmen im großen Stil persönliche Daten „ohne Autorisierung“ der Betroffenen von Facebook abgeschöpft und für geschäftliche sowie politische Zwecke genutzt hat.

          Nix hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4. Unter anderem will Nix Trump persönlich mehrere Male getroffen haben. Nix selbst erklärte, er habe nur ein Spiel gespielt.

          Nach den Darstellungen des Whistleblowers Christopher Wylie, der bei Cambridge Analytica gearbeitet hat, hatte das Unternehmen bei Facebook eine wissenschaftliche Untersuchung angemeldet, die in der Gestalt eines Persönlichkeits-Quiz daherkam. Entworfen worden war das Quiz von dem Wissenschaftler Alexandr Kogan, der in Cambridge forscht. Offenbar nahmen 270 000 Facebook-Nutzer an dem Test teil, gaben damit aber zugleich die Daten aller ihrer Freunde preis, was die Zahl der abgeschöpften Profile auf fünfzig Millionen erhöht haben soll. Die Betroffenen wussten nichts davon, dass ihre Daten später für die Präsidentschaftskampagne Trumps fruchtbar gemacht wurden. Psychologische Profile wurden erstellt, die es den Wahlkämpfern erleichterten, die Bürger in den Monaten vor der Präsidentenwahl zielgerichtet anzusprechen.

          Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC untersucht einem Bericht der Zeitung „Washington Post“ zufolge auch Facebook, dessen Börsenkurs stürzte. Facebook verlor zeitweise bis zu 50 Milliarden an Unternehmenswert an der Börse. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht offiziell. In Medienberichten versuchten Trump-Mitarbeiter die Verbindungen zu Cambridge Analytica kleinzureden.

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