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Facebook-Pläne : Kommt bald Werbung auf Whatsapp?

Zwischen den Apps soll es eine Verbindung geben: Facebook und Whatsapp. Bild: AFP

Der Messenger-Dienst soll seinem Mutterkonzern Facebook endlich Geld bringen. Damit werden Werbung und gebührenpflichtige Dienste für Unternehmen als künftige Einnahmequellen interessant.

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          Es war die mit Abstand größte Akquisition in der Geschichte von Facebook: Fast 22 Milliarden Dollar hat das soziale Netzwerk vor vier Jahren für den Kurzmitteilungsdienst Whatsapp ausgegeben. Seither steht die Frage im Raum, wie Facebook mit diesem teuren Zukauf Geld verdienen will.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Whatsapp hat in der Anfangszeit von seinen Nutzern eine geringe jährliche Gebühr verlangt, die aber nach dem Verkauf des Unternehmens abgeschafft wurde. Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat oft gesagt, die Frage, wie er aus übernommenen Diensten wie Whatsapp Kapital schlagen will, stehe für ihn nicht an erster Stelle. Wichtiger sei es zunächst, sie populärer zu machen. Das ist auch gelungen: Whatsapp hat mittlerweile mehr als 1,5 Milliarden Nutzer.

          Nun versucht Facebook erstmals in größerem Rahmen, Whatsapp zu einer Einnahmequelle zu machen. Dabei geht es zunächst vor allem um neue Instrumente, die es Unternehmen gegen eine Gebühr erlauben, mit Kunden zu kommunizieren. Whatsapp will seinen Nutzern von nun an mehrere Optionen bieten, um mit Unternehmen in Kontakt zu treten, zum Beispiel für Kundendienst oder um eine Versandbestätigung oder eine Bordkarte fürs Flugzeug anzufordern.

          Facebook-Anzeigen, die mit Whatsapp verknüpft sind

          Außerdem sollen Unternehmen jetzt Anzeigen auf Facebook schalten können, die direkt mit Whatsapp verknüpft sind. Wenn Facebook-Nutzer auf diese Anzeigen klicken, werden sie zu Whatsapp weitergeleitet, wo sie dann dem jeweiligen Unternehmen eine Nachricht schicken können. Für einen Teil der Nachrichten, mit denen Unternehmen auf Anfragen antworten, sollen künftig Gebühren anfallen. Um die 100 Unternehmen haben diese neuen Angebote nach Angaben von Whatsapp schon getestet, darunter der Fahrdienst Uber und Fluglinien wie Singapore Airlines und KLM.

          Whatsapp will sich aber offenbar nicht auf solche gebührenpflichtige Angebote beschränken, denn vom kommenden Jahr soll in der sogenannten „Status“-Funktion der Smartphone-Anwendung auch Werbung gezeigt werden. Diese Funktion erlaubt es, Bilder und Videos zu teilen, die für einen begrenzten Zeitraum von 24 Stunden zu sehen sind, und sie wird von 450 Millionen Menschen genutzt. Sie ist vergleichbar mit der „Stories“-Funktion des ebenfalls zu Facebook gehörenden Fotodienstes Instagram, auf der jetzt schon Werbung zu sehen ist.

          Facebook

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          Auf Whatsapp Anzeigen zu schalten, hätte indessen viel mehr Zündstoff. Denn dies würde der traditionellen Philosophie des Kurzmitteilungsdienstes widerstreben. Whatsapp-Mitgründer Jan Koum hat einmal einen ganzen Blogeintrag dazu verfasst, warum er seinen Nutzern keine Werbung zumuten will. „Niemand wacht auf und freut sich darauf, mehr Werbung zu sehen, und niemand geht schlafen und denkt an die Anzeigen, die er morgen sieht.“

          Koum hat Facebook allerdings vor wenigen Monaten verlassen, und angeblich spielten unterschiedliche Auffassungen über etwaige Werbung dabei eine Rolle. Der zweite Whatsapp-Mitgründer Brian Acton ist schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr bei Facebook.

          Für Facebook hat sich der Druck erhöht, sich weitere Einnahmequellen zu erschließen. Das wurde in der vergangenen Woche bei der Vorlage von Quartalszahlen deutlich, die an der Wall Street so schlecht ankamen, dass das Unternehmen an einem Tag 120 Milliarden Dollar seiner Marktkapitalisierung verlor.

          Facebook verfehlte zum ersten Mal seit mehreren Jahren mit seinen Umsätzen die Erwartungen von Analysten, und das Unternehmen sagte für die verbleibenden beiden Quartale dieses Jahres eine weitere deutliche Abschwächung voraus. Das soziale Netzwerk hat außerdem im vergangenen Quartal in Europa Nutzer verloren, auf dem amerikanischen Heimatmarkt stagnierten die Mitgliederzahlen.

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