https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/facebook-memo-von-andrew-boz-bosworth-15519814.html

Facebook-Memo : „Vielleicht kostet es ein Leben“

  • Aktualisiert am

Eine Bauarbeiter-Figur vor einem Facebook-Logo. Bild: Reuters

Ein internes Memo von Facebook zeigt: Der Führung des Konzerns waren die Gefahren sozialer Netzwerke schon vor einigen Jahren klar.

          1 Min.

          Facebook hat schon großen Ärger in der Datenaffäre um Cambridge Analytica – jetzt wird ein internes Memo bekannt, das dem Ruf des Konzerns noch weiter schaden könnte. „Das Hässliche“ lautet die Überschrift des Textes aus dem Jahr 2016, von dem die Webseite Buzzfeed jetzt berichtet hat – und der deutlich macht, dass sich Facebooks Führungsspitze schon damals über die Gefahren des sozialen Netzwerks klar war.

          „Wir verbinden Menschen“, heißt es in dem Memo. „Das kann gut sein, wenn sie es positiv machen. Vielleicht findet jemand die Liebe. Vielleicht rettet es jemanden vor dem Selbstmord.“ Aber: „Das kann schlecht sein, wenn sie es negativ machen. Vielleicht kostet es ein Leben, wenn jemand gemobbt wird. Vielleicht stirbt jemand in einem Terroranschlag, der mit unseren Werkzeugen vorbereitet wurde.“

          Wer ist Andrew „Boz“ Bosworth?

          Das Memo stammt von Andrew „Boz“ Bosworth, der intern im Ruf steht, ungefiltert Klartext zu reden. Bosworth arbeitet seit 2006 bei Facebook und hat seitdem an vielen Stellen im Konzern gearbeitet. Er trägt den Titel eines „Vizepräsidenten“, von denen es nicht allzu viele gibt, die aber auch keine einheitliche Rollenbeschreibung im Unternehmen haben.

          Andrew Bosworth 2010 in San Francisco.
          Andrew Bosworth 2010 in San Francisco. : Bild: AP

          „Die hässliche Wahrheit ist: Wir glauben so fest daran, Menschen zu verbinden, dass alles, wodurch wir mehr Menschen verbinden können, am Ende gut ist“, heißt es in dem Memo weiter. „Das tun wir nicht für uns. Oder für unseren Aktienkurs (ha!). Es ist einfach, was wir tun. Wir verbinden Menschen. Punkt.“

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich von dem Memo distanziert. „Boz ist ein talentierter Anführer, der viele provokante Sachen sagt“, schrieb er an Buzzfeed. „Das war eine, die die meisten Leute bei Facebook entscheiden ablehnten, auch ich. Wir haben nie geglaubt, dass der Zweck die Mittel heiligt.“

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Bosworth selbst antwortete in einem Tweet: „Ich habe diesem Beitrag nicht mal zugestimmt, als ich ihn geschrieben habe.“ Der Beitrag sei dazu gedacht gewesen, Überlegungen in die Diskussion einzubringen, die verhandelt werden mussten. „Über schwere Themen wie diese zu debattieren, ist ein wichtiger Teil unseres Vorgehens. Um das wirksam zu tun, müssen wir auch schlechte Ideen überdenken können, und sei es nur, um sie zu eliminieren.“

          Weitere Themen

          China knickt ein

          Schlechte Wirtschaftsdaten : China knickt ein

          Nun brechen auch noch die Exporte unter den Lockdowns ein – panisch läutet Chinas Führung das Ende von „Null Covid“ ein.

          Tankerstau am Bosporus

          Ölpreisdeckel mit Folgen : Tankerstau am Bosporus

          Der neue Ölpreisdeckel soll Russland treffen. Doch es gibt unerwünschte Nebenwirkungen: In der Türkei stauen sich Tanker mit kasachischem Öl für Europa.

          Weltrettung von oben

          FAZ Plus Artikel: Solardachziegel : Weltrettung von oben

          Das Unternehmen Autarq aus Brandenburg hat den Niedergang der Solarbranche überlebt. Nun will der Solardachziegelproduzent in der Energiewende mitmischen. Das könnte sogar Tesla-Chef Elon Musk interessieren.

          Topmeldungen

          Bald wieder ohne Maske? Medizinischer Mitarbeiter in Schanghai

          Schlechte Wirtschaftsdaten : China knickt ein

          Nun brechen auch noch die Exporte unter den Lockdowns ein – panisch läutet Chinas Führung das Ende von „Null Covid“ ein.
          Klimaaktivisten haben am 15. November 2022 ein Werk Gustav Klimts mit schwarzer Farbe beschmiert, einer klebte seine Hand daran fest.

          Soziale Systeme : Nützliche Radikale

          Schaden radikale Aktionen wie die der „Letzten Generation“ den Zielen einer Bewegung? Soziologen haben das untersucht und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.