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Nach Datenskandal : Deutsche Justizministerin stellt Facebook-Vertreter zur Rede

  • Aktualisiert am

Katarina Barley verlangt Auskunft von Facebook darüber, ob auch Deutschen betroffen sind. Bild: dpa

Der Druck auf das größte soziale Netzwerk der Welt wächst. Heute ist ein Treffen in Berlin. Und: Nicht nur in Deutschland drohen Politiker mit Konsequenzen.

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          Im Datenskandal um Facebook will Justizministerin Katarina Barley (SPD) an diesem Montag Druck auf das größte soziale Netzwerk der Welt machen. Sie empfängt am Nachmittag ranghohe Facebook-Vertreter aus Europa. Barley will „umfassende Aufklärung“ darüber, ob deutsche Nutzer betroffen seien und was Facebook tun wolle, um so etwas in Zukunft zu verhindern.

          Barley hält es nach eigenen Worten für realistisch, Facebook zur Offenlegung seiner Rechenvorgänge zu bringen. Nach solchen Algorithmen wird zum Beispiel entschieden, welche Werbung Nutzer zu sehen bekommen. „Grenzen gegenüber der Marktmacht von solchen Unternehmen dürfen wir nicht akzeptieren“, sagte die Ministerin am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

          Der Staat und die EU setzten die Regeln fest, an die sich Unternehmen halten müssten. „Hier geht es wirklich um eine Bedrohung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, warnte Barley. Zu dem Treffen soll unter anderem Facebooks europäischer Chef-Lobbyist Richard Allan kommen.

          Briten machen Druck

          In dem Skandal geht es um die unerlaubte Nutzung der Informationen von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzern durch die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica. Sie hatte die Daten von einem britischen Professor bekommen, der eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf die Facebook-Plattform brachte.

          Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App des Professors auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der ungefähr 300.000 Umfrage-Teilnehmer bekommen, etwa deren Likes und Interessen. So sammelten sich laut Medienberichten Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern an.

          Facebook betont, die Weitergabe der Daten an Cambridge Analytica sei ein „Vertrauensbruch“ seitens des App-Entwicklers gewesen. Erste Medienberichte darüber gab es bereits 2015. Facebook begnügte sich damals jedoch mit der Zusicherung von Cambridge Analytica, dass die Daten gelöscht seien.

          „Überprüfbare Transparenzvorgaben“

          Die betroffenen Nutzer wurden nicht informiert. Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte an, das solle jetzt nachgeholt werden, und versprach auch einen strikteren Datenschutz. Der Zugang zu Daten der Freunde von Nutzern, die eine Facebook-App benutzen, sei für App-Entwickler bereits im Jahr 2015 gekappt worden, betont Facebook.

          Cambridge Analytica arbeitete unter anderem im Wahlkampf für das Team des zum Präsidenten gewählten Donald Trump. Die Firma erklärt, sie könne durch eine gezielte Auswahl politischer Werbung das Wahlverhalten beeinflussen. Über ihre Effizienz im Wahlkampf wurde jedoch gestritten.

          Barley fordert auch kleinteiligere Einverständnis-Erklärungen für die Datennutzung, um mehr Kontrolle zu ermöglichen. In Großbritannien will die Regierung nach Informationen der Londoner „Times“ Facebook, aber auch Google und Twitter zu einfacheren Datenschutz-Regeln zwingen. Das Online-Netzwerk schaltete am Sonntag ganzseitige Anzeigen in internationalen Tageszeitungen, um die Nutzer zu beruhigen.

          Politiker von SPD und Grünen sehen Regelungsbedarf beim sogenannten Microtargeting, einer Methode, bei der mit Hilfe von Algorithmen gezielt Werbung ausgespielt werden kann. Damit arbeitet auch Cambridge Analytica. Geboten seien etwa „überprüfbare Transparenzvorgaben“, nach denen Algorithmen Daten auswählen und gewichten sowie der Schutz vor Diskriminierung, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Jens Zimmermann, dem „Handelsblatt“ von Montag.

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