https://www.faz.net/-gqe-agldt

Facebook, WhatsApp, Instagram : Wie es zum großen Ausfall in den sozialen Medien kam

Die Dienste von Facebook, Instagram und WhatsApp waren am Montag stundenlang nicht verfügbar. Was ist passiert? Bild: Reuters

Was steckt hinter den stundenlangen Technikproblemen der Facebook-Dienste? Wer war betroffen? Und kann das nochmal passieren? Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          4 Min.

          In gewisser Weise stand in der Nacht zu Dienstag das Internet still. Facebook, Instagram, WhatsApp und der Facebook Messenger – vier der relevantesten sozialen Medien der Welt, die allesamt zum Facebook-Konzern gehören – waren für sechs Stunden auf der ganzen Welt offline. Fachleute sprachen vom längsten und weitgehendsten Ausfall der jüngeren Geschichte. Zu einem Stillstand „des Internets“ kam es dann aber doch nicht, denn die Nutzer sammelten sich schnell auf anderen Portalen. Inzwischen laufen alle Dienste wieder wie gewohnt – und Facebook selbst hat mitgeteilt, wo das Problem lag. Doch nach wie vor offen ist, wie es eigentlich dazu kommen konnte. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          Handelte es sich um einen Hackerangriff?

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nein, allem Anschein nach nicht. Kein von der F.A.Z. befragter Fachmann sah dafür Anzeichen. Das Problem scheint stattdessen technischer Natur gewesen zu sein – in gewisser Weise ein klassisches IT-Problem, wie es auch in vielen Unternehmen regelmäßig vorkommt, und vor dem auch Facebook nicht gefeit war.

          Grund war dem Unternehmen zufolge eine fehlerhafte Einstellung in einem sehr grundlegenden System der verschiedenen Facebook-Plattformen – nämlich dem, das dafür sorgt, dass diese aus dem Internet heraus erreicht werden können. Programmierer hatten offenbar Fehler bei einer Neukonfiguration der „Rückgrat“-Router gemacht, die den Netzwerkverkehr zwischen Facebooks Rechenzentren koordinieren, wie das Unternehmen schreibt.

          Von außen gesehen bedeutete das, dass Facebooks Server im Internet nicht mehr auffindbar waren. „Als hätte jemand auf einer Autobahn die Ausfahrtsschilder zu den ,Orten’ Instagram, WhatsApp und Facebook entfernt“, formulierte es der Fachmann Rüdiger Trost vom IT-Sicherheitsunternehmen F-Secure. Die Dienste waren noch da – nur „das Internet weiß nicht mehr, wo sie zu finden sind“, beschrieb es Johannes Ullrich, Forschungsdirektor am Cybersicherheitsinstitut SANS.

          Dass alle vier Facebook-Dienste zugleich ausfielen, scheint auch daran zu liegen, dass der Facebook-Konzern alle seine ehemals separaten Dienste (Instagram wurde im Jahr 2012 zugekauft, WhatsApp im Jahr 2014) auf eine gemeinsame technische Plattform gestellt hat. Das hatte der Konzern im Jahr 2019 erstmals angekündigt.

          Warum dauerte es so lange, bis das Problem behoben war?

          Dadurch, dass der Fehler an einem so basalen Punkt lag, hatte er Auswirkungen auf beinahe alle Systeme des Facebook-Konzerns – bis hin zu den digitalen Türsteuerungen und anderen vernetzten Geräten in den Gebäuden des Unternehmens. Und weil die Server aus der Ferne nicht umprogrammiert werden konnten, musste nach Angaben der „New York Times“ sogar ein Team von Technikern in ein Facebook-Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara fahren, um dort manuell den Reset-Knopf zu drücken.

          Wegen dieser Widrigkeiten dauerte es nach Angaben des Clouddienstes Cloudflare von 17.51 Uhr bis etwa 23.20 Uhr am Montagabend, bis Facebooks Dienste wieder aus dem Internet heraus aufrufbar waren. Bis die Server dann aber auch alle WhatsApp-Nachrichten, die während dieser Zeit vergebens verschickt worden waren, durchgestellt hatten, verging weitere Zeit – entsprechend der Architektur des Messengerdienstes sollte aber keine Nachricht verloren gegangen sein.

          Was für Folgen hatte der Ausfall für Facebooks Konkurrenten?

          Der Ausfall zeigte einerseits, wie fest die Facebook-Dienste in den Alltag zahlreicher Nutzer integriert sind. Die Berliner Kreativagentur ABCD Agency berechnete, dass während der sechs Stunden 25 Milliarden WhatsApp-Nachrichten nicht verschickt und 125 Millionen Instagram-Stories nicht in dem Fotonetzwerk veröffentlicht wurden. Insgesamt hätten Instagram-Nutzer 63 Millionen Stunden Zeit gewonnen, die sie sonst zwischen Fotos und Stories verbracht hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bleibt Herbert Diess VW-Vorstandsvorsitzender?

          Volkswagen : Porsche wird zum Spielball im VW-Machtkampf

          Gedankenspiele über einen Börsengang des Sportwagenbauers und die Beteiligung der Familie an Volkswagen sorgen für Aufsehen. An diesem Donnerstag kommt der VW-Aufsichtsrat zusammen. Bleibt Herbert Diess an der Konzernspitze?