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Bedenken von Datenschützern : Facebook hilft bald beim Dating

Facebook hilft jetzt bei der Suche nach der großen Liebe. Bild: Facebook

In Amerika können Facebook-Nutzer jetzt nach der großen Liebe suchen. In einigen Monaten soll das Angebot auch in Europa starten. Datenschützer fragen, ob man dem Internetkonzern solch sensible Daten wirklich anvertrauen sollte.

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          Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln. Vor 16 Jahren entwickelte Mark Zuckerberg als Harvard-Student die Webseite „Facemash“, auf der seine Kommilitonen das Aussehen von Nutzern bewerten konnten. Jetzt schaltet der Social-Media-Konzern „Facebook-Dating“ in Amerika frei und kündigte an, den Dienst von Frühjahr 2020 an auch in Europa anzubieten. Der Test war in Kolumbien angelaufen. In insgesamt 19 Ländern, die meisten davon in Südamerika und Südostasien, ist der Dienst nun verfügbar.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Facebook-Nutzer, die mindestens 18 Jahre alt sind, können sich ein separates Dating-Profil anlegen. Auf Grundlage der Präferenzen und dem Verhalten auf Facebook werden Dating-Partner vorgeschlagen. Facebook-Freunde sollen nicht angezeigt werden. Nutzer können Freunde aber als „heimlichen Schwarm“ markieren. Diese werden informiert, dass sie markiert wurden – aber nicht, von wem. Das Profil lässt sich auch mit Instagram-Accounts verknüpfen.

          Datenschützer haben Bedenken

          Da Facebook sehr viele Nutzer und sehr viele Daten hat, dürfte das Angebot dem vieler anderer Anbieter überlegen sein. Der Aktienkurs des Konkurrenten Match Group, dem die Dating-Plattformen Tinder, Okcupid oder Match.com gehören, gab nach der Bekanntgabe von Facebook um 5 Prozent nach. Auch der Kurs von Pro Sieben Sat 1, der die Mehrheit an den Plattformen Parship und Elitepartner hält, verlor leicht an Wert und war unter den Schlusslichtern im M-Dax.

          Der globale Umsatz im Datingmarkt wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Die meisten Nutzer verwenden kostenlose Angebote, in denen vor allem mit Werbung Geld verdient wird. Das passt zu dem Geschäftsmodell von Facebook, das zu den Marktführern im Bereich Online-Werbung gehört.

          Kritiker äußerten sich angesichts vieler Facebook-Datenpannen skeptisch. Facebook habe „eine schreckliche Bilanz darin, Nutzerdaten zu schützen“, sagte Jason Kelley von der Datenschutzorganisation Electronic Frontier Foundation. Erst am Mittwoch hatte Facebook eingeräumt, dass Telefonnummern von 420 Millionen Nutzern öffentlich im Internet verfügbar waren. Facebook ging auf die Bedenken ein: Man habe großen Wert auf „Sicherheit und Privatsphäre“ gelegt. Nutzer könnten zudem ungewünschte Kontakte blockieren und melden.

          In der Vergangenheit hat es immer wieder Datenpannen von Datingplattformen gegeben. Im Mai war zudem die App Grindr aufgrund von Sicherheitsbedenken in den Fokus geraten. Grindr ist eine weit verbreitete Dating-App für Homo- und Transsexuelle, die seit dem Jahr 2016 einem Unternehmen aus China gehört. Bis Ende Juni 2020 muss das Unternehmen die App nun verkaufen. Die Befürchtung: Regierungsmitarbeiter könnten durch ihr Grindr-Profil erpressbar werden.

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