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Insgesamt 52 Millionen Dollar : Facebook zahlt für psychische Schäden

Die Arbeit der Facebook-Moderatoren kann mitunter sehr belastend sein – dafür werden sie nun entschädigt. Bild: Reuters

Gewalt, Terrorismus, Missbrauch – die Moderatoren auf Facebook sind großen Belastungen ausgesetzt. In einem Verfahren haben sie sich mit dem Konzern auf Zahlungen geeinigt, allerdings nur in Amerika.

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          Facebook hat sich in einem Gerichtsverfahren in Amerika mit 11.250 Menschen, die dort für den Konzern Inhalte prüfen und moderieren, auf eine Zahlung von insgesamt 52 Millionen Dollar geeinigt. Jeder Moderator soll mindestens 1000 Dollar erhalten, einige könnten bis zu 50.000 Dollar erhalten. Ein Richter muss der Einigung noch zustimmen.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Moderatoren sichten für Facebook fragwürdige Inhalte und entscheiden, ob diese gegen die Plattform-Standards verstoßen. Darunter fallen häufig Videos, die extreme Gewalt, Terrorismus oder Kindesmissbrauch zeigen. Viele der Moderatoren leiden deshalb unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Im Allgemeinen arbeiten sie für Dienstleister, die von Facebook beauftragt werden, und erhalten in Amerika nach Berichten des Technik-Magazins The Verge im Jahr knapp 29.000 Dollar.

          Die ehemalige Moderatorin Selena Scola hatte im September 2018 Klage eingereicht. Sie hatte nach neun Monaten des Sichtens der Videos Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt. Später hatten sich einige weitere ehemalige Angestellte der Klage angeschlossen. Nach Angaben von The Verge erhält jeder der 11.250 Moderatoren nun 1000 Dollar. Etwa jeder zweite könne mit zusätzlichen Zahlungen rechnen: Weitere 1500 Dollar gibt es für alle, denen eine psychische Krankheit diagnostiziert wird, und Angestellte mit mehreren psychischen Krankheiten erhalten bis zu 6000 Dollar. Für weitere Schäden können insgesamt bis zu 50.000 Dollar ausgezahlt werden.

          Ein Facebook-Sprecher erklärte: „Die Einigung bezieht sich nur auf die Vereinigten Staaten.“ Mitarbeiter, die für Facebook Deutschland die Inhalte moderieren, können also nicht auf eine zusätzliche Zahlung hoffen. Der Konzern betont aber, man verlange von allen Dienstleistern, die diese Arbeit übernähmen, dass sie den Moderatoren Zugang zu Beratungsstellen für psychische Gesundheit geben. Zudem sei man sich bewusst, dass die Arbeit belastend sein könne und sei den Moderatoren dankbar für die „wichtige Arbeit, um auf Facebook eine sichere Umgebung für alle“ zu gewährleisten. Die Einigung könnte eine Signalwirkung für mögliche ähnliche Verfahren gegen den Youtube-Betreiber Alphabet oder Twitter haben.

          Als Teil der Einigung nimmt Facebook einige Änderungen vor. Unter anderem sollen monatliche Gruppentherapie-Sitzungen angeboten werden. Wenn die Moderatoren sich die Videos anschauen, wird in Zukunft der Ton ausgeschaltet sein, die Videos werden zudem in schwarz-weiß angezeigt.

          Steve Williams, einer der Anwälte der Kläger, zeigte sich gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“ sehr erleichtert über das Urteil: „Dass wir reale, relevante Unterstützung erhalten werden, fühlt sich einfach sehr gut an.“

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