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F.A.Z. exklusiv : Facebook einigt sich mit Apple – und tritt nach

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung via Videokonferenz im amerikanischen Kongress im Juli 2020 Bild: dpa

Die Technologiegiganten liefern sich einen Streit um Gebühren im App Store. Jetzt gibt es in einem Bereich eine Einigung. Doch Facebook tritt nach: Apple schade kleinen Unternehmen mit seiner „App-Store-Steuer“.

          3 Min.

          Der Streit um Apples App Store tobt weiter. Die „Apple-Steuer“ – so bezeichnen die App-Betreiber die Gebühr, die sie an den iPhone-Konzern abführen müssen – liegt bei 30 Prozent. Betroffen ist davon unter anderem das soziale Netzwerk Facebook, das seine Apps auch im App Store anbietet. Nun aber kann der Internetkonzern zumindest einen kleinen Etappensieg verbuchen. Wie Facebook am Freitagabend mitteilte, erlässt Apple Unternehmen, die über Facebook Veranstaltungen organisieren, die Gebühren in Höhe von 30 Prozent. Das gilt allerdings zunächst nur bis Jahresende.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hintergrund ist ein Streit, der Mitte August begonnen hat. Facebook hatte eine neue Funktion veröffentlicht, die es Unternehmen ermöglicht, Online-Events zu veranstalten, für die sie einen Eintrittspreis verlangen können. Nach Darstellung von Facebook soll das den Anbietern helfen, die Lücke zu füllen, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist. „Das ist eine schwierige Zeit für kleine Unternehmen, deshalb nehmen wir keine Gebühren von bezahlten Online-Events“, teilte ein Sprecher der F.A.Z. mit. Das will das Unternehmen laut einem Blog-Post auch bis August 2021 so handhaben.

          Apple erklärt sich zu Aufschub bereit

          Im App Store müssten die Anbieter jedoch 30 Prozent ihrer Einnahmen an Apple abführen, sehr zum Ärger von Facebook, worauf das soziale Netzwerk in der App-Gestaltung hinweisen wollte. „Apple nimmt 30 Prozent von diesem Einkauf“ sollte in der App stehen. Eine Facebook-Managerin sagte damals mit Blick auf Apples Börsenwert, Besucher sollten wissen, wenn ein „fast zwei Billionen Dollar schweres Unternehmen“ 30 Prozent von dem Ticket-Preis nimmt. Apple hat diesen Hinweis im August untersagt, was Facebook wiederum öffentlich machte. Nun erlässt der iPhone-Konzern für die Funktion jedoch die Gebühren bis Jahresende – für alle App-Betreiber außer Gaming-Anbietern.

          Facebook scheint das nicht zu reichen, es gibt dem Konkurrenten noch einen Seitenhieb mit: „Apple hat sich zu einem kurzen, dreimonatigen Aufschub bereit erklärt, danach müssen sich abmühende Unternehmen Apple doch wieder die vollen 30 Prozent App-Store-Steuern zahlen.“ Der iPhone-Hersteller konterte in einer Stellungnahme, er habe „klare, kohärente Richtlinien, die für alle gleichermaßen gelten.“

          Neue Koalition der App-Betreiber

          Facebook ist eines der bekanntesten aus einer wachsenden Zahl von Unternehmen, die sich Auseinandersetzungen mit Apple rund um den App Store liefern. Im August hat Epic Games, der Hersteller des beliebten Videospiels „Fortnite“, mit der Ankündigung neuer Bezahlkonditionen, die gegen Apples Regeln verstoßen, seinen Rauswurf aus dem App Store provoziert. Epic hat Apple daraufhin verklagt, mittlerweile hat Apple eine Gegenklage eingereicht. Eine ähnliche Auseinandersetzung gibt es zwischen Epic und Google, allerdings auf kleinerer Flamme, weil der Internetkonzern im Vertrieb von Apps weniger strenge Regeln hat als Apple.

          Erst in dieser Woche hat sich Epic mit einer Reihe von anderen App-Entwicklern verbündet und eine „Coalition for App Fairness“ ins Leben gerufen, um gemeinsam für neue Gesetze und Regulierungen zu App-Plattformen zu kämpfen. Zu der Gruppe gehört auch der Musikdienst Spotify, der sich schon lange über Apples Geschäftspraktiken beklagt. Eine entsprechende Beschwerde von Spotify hat sogar dazu geführt, dass die EU-Kommission ein Kartellverfahren gegen Apple eingeleitet hat.

          Für Facebook ist die Kontroverse um Online-Veranstaltungen nicht der erste Streit mit Apple, der mit dem App Store zu tun hat. Das soziale Netzwerk hat sich bitter darüber beklagt, dass Apple in diesem Jahr wiederholt einer App für Videospiele die Aufnahme in den App Store verweigert und sie erst nach erheblichen Veränderungen zugelassen hat. Vorstandschef Mark Zuckerberg leistete sich im Juli bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress einen Seitenhieb auf Apple, als er sagte, sein Unternehmen sehe sich machtvollen „Türstehern“ gegenüber, die darüber entschieden, ob es seine Apps auf ihren Plattformen veröffentlichen dürfe. Apple-Vorstandschef Tim Cook verteidigte bei der gleichen Anhörung seine Geschäftspraktiken und sagte, wenn sein Konzern ein Türsteher sei, dann habe er die Tür weiter geöffnet. Apple wolle möglichst viele Apps in seinem App Store haben.

          Unterdessen geht der Streit um milliardenschwere Steuernachzahlungen von Apple in Irland in die nächste Runde. Die EU-Kommission hat am Freitag Berufung gegen ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) angekündigt, das im August eine Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter aus dem Jahr 2016 für nichtig erklärte, wonach Apple in Irland mehr als 14 Milliarden Euro Steuern nachzahlen muss. Damit landet die Auseinandersetzung nun vor dem Europäischen Gerichtshof.

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