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Skandal um Cambridge Analytica : Datenleck von Facebook deutlich größer

Zuckerberg soll kommende Woche im Kongress zu Facebooks Umgang mit Nutzerdaten und deren Schutz aussagen. Bild: dpa

Das soziale Netzwerk gibt zu, dass 87 Millionen Nutzer betroffen sein könnten. Und Mark Zuckerberg ist bereit zur Aussage vor dem Kongress.

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          Das Ausmaß der Datenaffäre von Facebook ist deutlich größer als bislang gedacht. Das soziale Netzwerk teilte jetzt mit, dass sich das britische Unternehmen Cambridge Analytica auf unzulässige Weise Informationen von bis zu 87 Millionen seiner Mitglieder verschafft haben könnte. In Medienberichten war bislang von 50 Millionen Nutzern die Rede gewesen. Die meisten betroffenen Facebook-Mitglieder sind nach Angaben des Unternehmens in den Vereinigten Staaten. Facebook wolle die Personen, deren Daten weitergegeben wurden, am 9. April informieren. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg sagte in einer Telefonkonferenz, Facebook habe erst in den vergangenen Tagen sein „Verständnis der Situation fertiggestellt“, und er sei zuversichtlich, dass die genannte Zahl das Maximum sei.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuckerberg sagte außerdem, er halte sich weiter für die richtige Person, Facebook als Vorstandschef zu führen, und er sei sich nicht bewusst, dass es im Verwaltungsrat Diskussionen gegeben habe, ihn als Vorsitzenden des Gremiums zu ersetzen. Ein Investor hatte in dieser Woche Zuckerbergs Rücktritt als Verwaltungsratschef gefordert. „Ich denke, im Leben geht es darum, aus Fehlern zu lernen,“ konterte Zuckerberg. Er gab aber zu, es sei „ein riesiger Fehler“ und auch sein persönlicher Fehler gewesen, dass Facebook den Umfang seiner Verantwortung nicht frühzeitig erkannt und nicht genug getan habe, um Missbrauch auf seiner Plattform zu verhindern. „Wir sind ein idealistisches und optimistisches Unternehmen.“ Nach seiner Einschätzung werde Facebook mehrere Jahre brauchen, um die gegenwärtigen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Er hoffe aber, bis zum Ende dieses Jahres entscheidende Fortschritte gemacht zu haben.

          Zuckerberg: „Ich will nicht, dass irgendjemand unglücklich ist“

          Die Affäre hat indessen nach Angaben des 33 Jahre alten Mitgründers bislang keine größeren Spuren im Geschäft hinterlassen. Weder bei den Nutzerzahlen noch bei den gebuchten Anzeigen habe Facebook „bedeutsame Auswirkungen“ gespürt. Aber natürlich seien die Aufrufe zum Löschen der Seite unter dem Schlagwort „#deletefacebook“ und vereinzelte Werbeboykotte „nicht gut“: „Ich will nicht, dass irgendjemand unglücklich ist.“

          Zuckerberg nannte außerdem Regulierungen wie die am 25. Mai in der Europäischen Union in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung „positiv“. Facebook habe vor, „die gleichen Kontrollen und Einstellungen“ wie in Europa auf der ganzen Welt verfügbar zu machen. Er fügte aber hinzu, die Formate könnten je nach Region voneinander abweichen, zum Beispiel wegen verschiedener rechtlicher Voraussetzungen.

          Facebook steht unter gewaltigem Druck, seit vor etwas mehr als zwei Wochen bekanntwurde, dass sich Cambridge Analytica über einen Mittelsmann Nutzerdaten beschafft hat. Die Briten sind durch ihre Arbeit für Donald Trump im jüngsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf bekanntgeworden. Die Affäre lieferte ein weiteres Beispiel dafür, wie Akteure mit politischen Interessen Facebook instrumentalisieren konnten. Das soziale Netzwerk geriet schon durch Manipulationsversuche russischen Ursprungs im amerikanischen Wahlkampf in Erklärungsnot.

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