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Gaia-X : Kann Europa Cloud?

Symbol der Cloud: ein Netzwerkstecker Bild: dpa

An diesem Donnerstag wollen Deutschland und Frankreich den nächsten Schritt hin zur europäischen Cloud-Infrastruktur Gaia-X tun. Doch jenseits aller Hoffnungen scheint klar: Ein europäisches Google ist nicht zu erwarten.

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          Nun soll es also so weit sein. Rund ein Dreivierteljahr nach der ersten Ankündigung haben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire für diesen Donnerstag angekündigt, dass die geplante europäische Cloud-Infrastruktur Gaia-X in die „nächste Phase“ starten soll. Beide Minister wollen in einem Livestream die nächsten Schritte des Projekts ankündigen.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon seit Mittwoch ist klar, dass Gaia-X von einer internationalen, nicht-gewinnorientierten Organisation nach belgischem Recht getragen werden soll. Deren Gründung wollen 22 Unternehmen, hälftig aus Deutschland und Frankreich, am Donnerstag beschließen. Altmaiers Ministerium teilte mit, insgesamt seien rund 300 Unternehmen und Organisationen in das Projekt eingebunden, „vom Start-Up über den Mittelständler bis hin zum Großkonzern“.

          Gerade aus politischem Munde wurden in den vergangenen Monaten allerlei Hoffnungen an das Projekt gehängt – Gespräche mit Vertretern aus der Digitalbranche desillusionieren allerdings eher. Eins ist offenbar klar: Gaia-X wird kein europäisches Google.

          „Kein Europäer wird die Hyperscaler in absehbarer Zeit einholen können“

          „Kein europäischer Cloud-Anbieter wird die amerikanischen und chinesischen Hyperscaler in absehbarer Zeit einholen können“, sagt zum Beispiel Frank Riemensperger, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Accenture – als Hyperscaler werden in Fachkreisen jene Tech-Konzerne bezeichnet, die sämtliche Cloud-Dienstleistungen aus einer Hand anbieten können, etwa Amazon, Microsoft, Google und Alibaba.

          Der Innovationsvorsprung dieser Riesen sei einfach zu groß, fährt Riemensperger fort. „Die drei amerikanischen Konzerne Amazon, Google und Microsoft investieren jedes Jahr 50 Milliarden Dollar in ihre Cloud-Infrastruktur. Niemand aus der EU bewegt sich auch nur annähernd in dieser Größenordnung.“

          Den Konzernen kommt dabei zugute, dass sie alles gleichermaßen anbieten können – Online-Speicher ebenso wie etwa anspruchsvolle Dienstleistungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Und zwar oftmals sogar, ohne dass ein Kunde jemals mit einem Vertriebsmitarbeiter gesprochen haben muss. Die Cloudsparte von Amazon etwa, die unter dem Namen AWS Weltmarktführer ist, bietet alle ihre Dienste auf einer einfach zu bedienenden Onlineplattform an, jeder Anwender kann sogar von Zuhause die Dienste buchen.

          „Oder ich gehe zu Amazon und kann morgen loslegen“

          „Wenn ich als Kunde eine Anwendung mit Künstlicher Intelligenz betreiben will und mir dafür von einem europäischen Anbieter Webspace besorge, kostet mich die Installation und Einrichtung des Ganzen sechs Monate“, fasst Riemensperger zusammen. „Wenn ich zu Amazon gehe, kann ich morgen loslegen.“

          Folglich zweifeln Vertreter der Digitalbranche an Gaia-X – nicht am Grundgedanken, wohl aber daran, ob ein solches politisches Projekt etwas bringt. „Natürlich ist der Aufbau einer europäischen Daten-Cloud und einer vernetzten Dateninfrastruktur ein guter Gedanke, aber die Anfangsschwierigkeiten des Projekts mit den bereits bestehenden Zeitverzögerungen zeigen schon die Komplexität des Vorhabens“, sagt etwa Gero Decker, Gründer des deutschen Prozessoptiminierungs-Start-ups Signavio. Es bleibe „Skepsis angebracht“, dass Gaia-X kurz- oder auch nur mittelfristig Erfolge zeitige.

          Ganz allgemein werden Clouddienste immer wichtiger, das zeigte sich gerade während der Corona-Pandemie. Eine Erhebung des zu Gartner gehörenden Softwarevergleichsportals Capterra zeigte etwa kürzlich, dass sich bei Personalverwaltungssoftware der Anteil von cloudbasierten Anwendungen binnen eines Jahres von 16 auf 30 Prozent fast verdoppelt hat.

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