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Europa-Chef im Gespräch : Spotify will an die Radio-Milliarden

Auch Bruce Springsteen und Barack Obama haben einen Spotify-Podcast. Bild: AP

Spotify hat 2021 erstmals mehr als eine Milliarde Euro mit Werbung eingenommen – vor allem dank der teuren Podcast-Offensive. Das soll nur der Anfang sein, sagt Michael Krause. Die Musik bleibe aber keineswegs auf der Strecke.

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          Das ist ein schöner Titel: Musikstreaming-Marktführer. Doch sein Träger Spotify legt längst Wert darauf, dass es ihm eben nicht nur um Musik geht. „Wir sind auf einem guten Weg, eine breit aufgestellte Plattform für sämtliche Audio-Inhalte zu werden“, formuliert es Europa-Chef Michael Krause. „Wichtige Bausteine“ hin zu diesem Ziel seien in 2021 etwa die Möglichkeit für Podcaster gewesen, eigene Bezahlangebote anzubieten, oder die einfache Integration von Audio-Inhalten von anderen Websites. Auch mit der Entwicklung der Nutzerzahlen zeigt Krause sich zufrieden. 381 Millionen monatlich aktive Hörer und 172 Millionen Abonnenten zählte der schwedische Dienst zuletzt.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der tatsächliche Vorsprung auf die Verfolger ist freilich nur schwer einzuschätzen. Denn anders als Spotify geizen Apple und Amazon seit geraumer Zeit mit Daten. Für Apples Dienst wurden zuletzt im Juni 2019 Zahlen preisgegeben: mehr als 60 Millionen Abonnenten. Kombi-Angebote wie Apple One, das alle Dienste des Konzerns bündelt, erschweren den Vergleich obendrein. Das gilt in Teilen auch für Amazon mit seinem Prime-Programm. Grundsätzlich erklärte der Konzern Anfang 2020, dass der Musikdienst rund 55 Millionen Nutzer habe – wobei dazu jene des Gratis-Angebots zählten. Im Gegensatz zur Spotify-Variante ist hier nur ein Bruchteil des Musikkatalogs verfügbar.

          Der große Reiz der Podcasts

          Mehr als 50 Millionen zahlende Nutzer kann mittlerweile auch Youtube aufweisen. Diese verteilen sich auf Abonnenten des reinen Musik- und des etwas teureren Youtube -Premium-Abos. Der bekanntlich nicht auf Musik beschränkte Google-Dienst ist allerdings vor allem im Werbegeschäft eine Macht. Für rund 7 Milliarden Dollar Umsatz stand es im dritten Quartal 2021. Zum Vergleich: Spotifys Gesamt­umsatz in 2020 belief sich auf 7,9 Milliarden Euro.

          Michael Krause
          Michael Krause : Bild: Spotify

          Lange stammten mehr als 90 Prozent dieser Einnahmen aus den Abo-Gebühren. Mittlerweile ist der Wert auf etwa 88 Prozent gefallen – und der Trend soll anhalten. „Unsere Werbeerlöse sind im dritten Quartal 2021 um 75 Prozent und im Gesamtjahr auf mittlerweile über eine Milliarde Euro gestiegen“, rechnet Krause im Gespräch mit der F.A.Z. vor. „Das ist auch eine Folge von unseren Anstrengungen im Podcast-Bereich.“ Ge­rade die exklusiven Sendungen hätten eine enorme Reichweite, was sie sehr attraktiv für Werbepartner mache. Dazu kommt: Das Versprechen „ohne Werbeunterbrechungen“ gilt nur für Musik, Podcast-Werbung hören auch Abonnenten, und sie soll noch wichtiger werden. „Der globale Markt für Radiowerbung ist extrem groß, das wird oft unterschätzt, obwohl es weiterhin ein Milliardenmarkt ist“, sagt Krause. Immer mehr Radiokunden fürs Streaming zu gewinnen sei eines der großen Themen. „Wir haben 2021 gesehen, dass schon viele große Konsumgütermarken nun massiv in Podcast-Werbung investieren.“

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