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Digital-Agenda bis 2030 : Ein Fünftel der modernsten Halbleiter sollen in der EU hergestellt werden

Halbleiter sind auch in der Autoindustrie essentiell. Bild: dpa

Chip, Künstliche Intelligenz, Quantencomputer und mehr: Die EU-Kommission ruft ambitionierte Ziele aus. Offen bleibt, wie sie erreicht werden sollen.

          2 Min.

          Die Bedeutung der Corona-Pandemie für die Digitalisierung fehlt heute in keiner Rede zu dem Thema mehr. Tatsächlich hat die Pandemie die Abhängigkeit der Europäischen Union von Schlüsseltechnologien offengelegt, die sich in der Hand von amerikanischen oder chinesischen Unternehmen befinden.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Aber es ist nicht allein die Corona-Pandemie, die die Schwächen der EU offenbart. Seit Dezember leidet die Produktion in der Autobranche unter dem Mangel an Halbleitern. Die Europäische Kommission wiederum hat schon im Herbst des vergangenen Jahres die „digitale Souveränität“ der EU zum Ziel ausgerufen.

          In einem „Digitalen Kompass für 2030“ wird sie nun zumindest etwas konkreter, was das bedeuten soll. Sie ruft acht Ziele aus, die die EU bis zum Ende der Dekade erreichen soll. Das 20 Seiten lange Papier liegt der F.A.Z. vor.

          Schnelles Internet für alle

          Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager und Binnenmarktkommissar Thierry Breton wollen es am Dienstagnachmittag offiziell vorstellen. Die EU-Kommission nimmt darin auch die Halbleiter ins Visier. Eine angemessene Versorgung mit Halbleitern sei die Voraussetzung für den digitalen Wandel. Sie stehe am Anfang strategisch wichtiger Lieferketten für das „Vernetzte Fahren, die Industrie 4.0, Smartphones, Künstliche Intelligenz und Supercomputer“, heißt es in dem Papier.

          Zugleich gebe es in Europa bei der Herstellung von modernsten Chips große Lücken. Ziel sei deshalb, im Jahr 2030 mindestens ein Fünftel der modernsten Halbleiter auf der Welt in der EU herzustellen. Momentan beträgt der Anteil 8 Prozent.

          Darüber hinaus sollen 2030 alle europäischen Haushalte mit sehr schnellen Internet versorgt sein. In besiedelten Gebieten soll der neuen Mobilfunkstandard 5G überall verfügbar sein. 20 Millionen ICT-Fachleute sollen in der EU arbeiten. Momentan sind es 7,8 Millionen.

          Quantencomputer und KI

          Auch auf den Zusammenhang von Digitalisierung und Klimaschutz geht die Kommission ein. Bis 2030 sollen 10.000 Knotenpunkte der von der Kommission angestrebten dezentralen Datennetze klimaneutral sein.

          Die EU soll nach dem schon bekannten Ziel, im Jahr 2025 den ersten Quantencomputer zu haben, bis 2030 zur führenden Kraft aufsteigen. 75 Prozent der Unternehmen sollen Künstliche Intelligenz und Cloud-Computing nutzen. Schließlich sollen die Bürger auf alle öffentlichen Angebote und alle medizinischen Unterlagen online zugreifen können.

          Dazu, wie die EU diese „Mondziele“, wie es in Brüssel schon heißt, genau erreichen will, sagt die EU-Kommission in dem Papier faktisch noch nichts. Mit Blick auf die Halbleiter etwa verweist sie nur darauf, dass sie schon Vorschläge für eine bessere Vernetzung der Forschung gemacht hat und die Kooperation europäischer Unternehmen fördert.

          Auf den „Digitalen Kompass“ soll vielmehr nun ein Digitalprogramm folgen, in dem konkrete EU-Schritte festgeschrieben werden. Vor allem aber will die Kommission die Mitgliedstaaten in die Pflicht nehmen. In einem neuen Bericht „Zur Lage der digitalen Dekade“ will sie alljährlich analysieren, wo die Mitgliedstaaten hinter den Zielen hinterherhinken und im Rahmen des „Europäischen Semesters“ konkrete Empfehlungen aussprechen, wie sie das ändern sollen. Diese Empfehlungen haben die Staaten bisher allerdings meist ignoriert.

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