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Doordash in Deutschland : Noch ein Lieferdienst

Wir sehen uns in Berlin: Ein DoorDash-Fahrer in Los Angeles überprüft eine Lieferung auf seinem Smartphone. Bild: Reuters

DoorDash ist Marktführer für Essenslieferungen in den USA und plant offenbar, nach Deutschland zu kommen. Es wäre der vierte neue Anbieter innerhalb weniger Monate. Kann das gutgehen? Eine Analyse.

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          Wer gerne Essen im Internet bestellt, bekommt bald noch mehr Auswahl. Wie in dieser Woche bekannt wurde, plant nach mehreren anderen neuen Anbietern auch der amerikanische Marktführer DoorDash offenbar einen Start in Deutschland. Das Unternehmen, das in den USA einen Marktanteil von 55 Prozent hat, veröffentlichte eine Reihe von Stellenangeboten im Berufsnetzwerk LinkedIn, mit denen er nach Personal in Deutschland sucht. Unter anderem werden ein Chef fürs Deutschlandgeschäft mit Sitz in Berlin gesucht, außerdem ein Strategie- und ein Logistikchef sowie Anwerber für Lieferfahrer.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Ankündigung von DoorDash kommt, nachdem in den vergangenen Monaten drei Anbieter neu auf den Markt kamen. Vor dem Jahreswechsel startete der finnische Dienst Wolt in Deutschland, Anfang Mai folgte ihm Uber Eats, die Essensliefersparte des amerikanischen Fahrdienstes. In der vergangenen Woche kündigte zuletzt prominent der Berliner Lieferkonzern Delivery Hero an, zwei Jahre nach dem Verkauf seines ehemaligen Deutschlandgeschäfts unter der Marke „Foodpanda“ in seinen Heimatmarkt zurückzukehren, um auch hier wieder Pizza, Thai-Curry und Schnitzel auszuliefern.

          Für DoorDash wäre es die erste Expansion nach Europa, sie würde allerdings voraussichtlich nicht die einzige bleiben. Gegenüber der Financial Times wollte ein Sprecher einen geplanten Start in Deutschland nicht bestätigen, sagte aber, das Unternehmen untersuche „fortlaufend Wachstumsmöglichkeiten, da wir darauf zielen, unsere internationale Präsenz zu stärken“. Schon länger gibt es Berichte darüber, dass DoorDash auch in Großbritannien nach Zielen für Übernahmen sucht, um in den Markt einzusteigen.

          Ende des Lieferando-Monopols

          DoorDash liefert in den USA neben Essen auch andere Waren des täglichen Bedarfs, etwa Drogerieartikel, Haustierfutter oder Blumen. Es wird erwartet, dass der Dienst das in Deutschland auch anbieten wird, denn der Markt für Lieferungen aus Supermärkten wächst hier stark. Die Beratungsgesellschaft KPMG bezifferte das Wachstum der Umsätze mit „E-Food“ in Deutschland auf zuletzt 67 Prozent in einem Jahr.

          Der deutsche Essensliefermarkt wird seit 2018 von Lieferando dominiert, dem hiesigen Dienst des niederländischen Lieferkonzerns Just Eat Takeaway. Dieser hielt für knapp zwei Jahre quasi ein Monopol auf Online-Essensbestellungen und fiel nicht dadurch auf, seinen Dienst besonders innovativ weiterzuentwickeln. Er hat mit 10.000 Kurieren in 50 Städten aber nach wie vor das weitaus größte Liefernetzwerk in Deutschland. Wolt liefert bislang nur in vier Städten (Berlin, Frankfurt, München, Hannover), Uber Eats gar nur in Berlin. Auch Delivery Hero will vorerst nur in der Berliner Innenstadt starten.

          Noch ein Konkurrent steht in den Startlöchern

          Trotzdem könnte die neue Konkurrenz Lieferando durchaus zusetzen. Das gilt insbesondere, da sich noch ein weiterer Wettbewerber warmläuft: Der aus Estland stammende Fahrdienst Bolt kündigte am Dienstag an, ab sofort in neun deutschen Städten elektrische Motorroller zur Ausleihe anzubieten. Bolt kennt man in Osteuropa für das durch Uber bekannt gewordene Geschäft privater Fahrdienste, das Start-up hat von Investoren bislang mehr als 200 Millionen Dollar erhalten.

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